Alle Museen und Theater sind zu, es gibt keine Konzerte, keine Vernissagen, keine Lesungen. Viele freie Künstler bangen um ihre Existenz: Die Corona-Krise ist nicht zuletzt für die Kulturszene eine triste Zeit.

Wer als Kreativer überleben will, muss kreativ werden. Deshalb entsteht im Sandschlößla in der Oberen Sandstraße 31 gerade eine neue Kunstgalerie. Katharina Hückstädt hat dort ihr Atelier und betreibt das Café Backstübla - das sie aufgrund der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus vorübergehend schließen musste.

Deshalb will Hückstädt (37) das Backstübla nun umfunktionieren: Ab Dienstag, 5. Mai, wird es zur "Galerie im Sandschlößla". Sie selbst und ihre Kolleginnen Annabel Adler und Barbara Bollerhoff stellen dort ihre Werke aus. Sie nennen sich die "Atelierdamen". Auch Kaffee und selbst gebackenen Kuchen gibt es dann wieder im "Backstübla" - vorerst nur zum Mitnehmen.

Aktionskunst

"Es werden Malereien, Zeichnungen und Fotografien zu sehen sein", sagt Katharina Hückstädt. Sie und Annabel Adler machen als "Kathanna" gemeinsam Aktionskunst und verewigen in ihren Werken gerne intime Blicke auf Schönheiten der Natur wie Tiere, Pflanzen oder Augen. Zu Barbara Bollerhoffs Sujets gehören unter anderem die Unendlichkeit und Aktzeichnungen. Sie hat auch jahrelang als Bühnenbildnerin für das Theater Chapeau Claque gearbeitet.

Bei einem Rundgang durch die Räume des Backstübla, den Durchgang und den Innenhof des Sandschlößla können die Besucher unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes die Werke betrachten. Auch ein interaktives Kunstwerk wird dabei sein, kündigt Hückstädt an. Sie wird zudem ihr Atelier im Rückgebäude für die Besucher öffnen.

Die Idee war aus der Not geboren, erzählt Katharina Hückstädt: "Es war schade, dass wir schließen mussten. Die Lokalität bietet so viel." Auch Barbara Bollerhoff, die ihr Atelier in Bamberg-Südwest hat, wollte die Krise als Chance nutzen: "Manchmal braucht man einen Anlass, um neue Ideen zu entwickeln. Trotz der Corona-Krise steht die Zeit ja nicht still." Die künftige Galerie im Sandschlößla stellt sie sich als "Oase des Erlebens und des Genusses" vor.

Und das soll sie über die Krise hinaus bleiben: Wenn die Gastronomie wieder ihren regulären Betrieb aufnehmen darf, will Katharina Hückstädt die Kunst im Backstübla belassen. "Ich finde die klassische Galerie überholt", betont sie. Stattdessen will sie, dass Kunst ihren Platz im Alltag möglichst vieler Menschen findet - zum Beispiel indem sie sie bei Kaffee und Kuchen genießen.

Besucher sollen sich wohlfühlen

Darin ist sie sich mit Barbara Bollerhoff einig. Schon allein der Begriff "Kunst" schrecke manche Menschen ab, meint Bollerhoff: "Viele sagen, sobald von Kunst die Rede ist: ,Davon verstehe ich nichts.' Das ist schade." Sie lege bei ihren Vernissagen Wert darauf, dass alle Besucher sich wohlfühlen und einen leichten Zugang zu ihren Werken fänden.

Für die Zukunft plant Katharina Hückstädt, ihre neue Galerie im Sandschlößla auch für die Werke weiterer Künstlerinnen und Künstler zu öffnen. Außerdem will sie ihren alten Citroën HY als mobile Galerie nutzen - und im wahrsten Sinne des Wortes den Menschen die Kunst näher bringen.