Es wäre ja keine schlechte Nachricht für die Innenstadt, wenn stimmt, was Kaufmann Werner Massak schon wissen will: Dass im künftigen "Quartier an der Stadtmauer" ein größeres Lebensmittelsgeschäft kommen soll. Obwohl das vorerst nur ein unbestätigtes Gerücht ist, hat es Folgen. Massak schließt Ende Juli definitiv seinen City-Markt an der Fleischstraße. Bliebe er, hätte er einen neuen Mietvertrag mit zehn Jahren Laufzeit unterschreiben müssen. Das Risiko scheute er mit Blick auf das Quartier und der möglichen Konkurrenz, die ihm dort erwächst. Dann, so ist er überzeugt, würde sich der Laden am Maxplatz nicht mehr rechnen. Die Miete sei hoch und er müsste viel investieren, um weiter machen zu können.

Bedauern bei den Stammkunden

So wird Massak nach gut fünf Jahren an der Fleischstraße aufhören.
Sehr zum Bedauern von Stammkunden wie Roland Gengler, einem benachbarten Geschäftsmann, der gern nebenan eingekauft hat. Oder Inge Wächtler, die zwar in Gaustadt wohnt, aber bei Erledigungen in der Innenstadt immer Kleinigkeiten im City-Markt mitgenommen hat. Oder Jasmin Döpke, die in der Nähe wohnt und das freundliche Personal und das übersichtliche Angebot schätzt. Künftig wird sie wohl in Hallstadt einkaufen, wo sie arbeitet.

Vor Massak waren es die Edeka und Kupsch, die von der Fleischstraße 11 zur Nahversorgung im Herzen der Stadt beitrugen. Ob nun noch einmal ein Lebensmittelanbieter kommt, ist mehr als fraglich. Ruth Vollmar, die Leiterin der städtischen Wirtschaftsförderung, weiß aktuell von einem Betrieb aus der Systemgastronomie und einem Möbelaussteller, die an der Ladenfläche interessiert sind. Sie würde es für die Stadt sehr begrüßen, wenn sich wieder ein Kaufmann fände, der das anbietet, was die Leute brauchen, die in der Innenstadt wohnen, arbeiten und unterwegs sind. Man bemühe sich darum.

Massak sagt, sein City-Markt-Konzept gehe auf, an der Fleischstraße wie in der Langen Straße. Mit dem richtigen Sortiment sei auch mit eiligen Kunden, die nur Kleinigkeiten mitnehmen, etwas verdient. Draufgezahlt habe er an keinem der beiden Standorte: "Ich bin ja kein Sozialritter. Wenn ich ein Geschäft mache, will ich Geld verdienen!" Auch wenn das Quartier und noch mehr der dort angeblich geplante Lebensmittelmarkt in den Sternen stehen: Kaufmann Massak bringt sich schon einmal als potenziellen Betreiber ins Spiel: "Vielleicht mach' ich den Laden dann!"

"Quartier" ist noch nicht verkauft

Dabei kann momentan niemand sagen, ob und wann der Markt kommt. Das "Quartier an der Stadtmauer" existiert weiterhin nur in den Köpfen und auf dem Papier - auch wenn sich die Idee zu konkretisieren scheint.
Die Sparkasse Bamberg verhandelt seit Monaten und noch immer mit der Dömges Architekten AG (Regensburg) über den Verkauf ihrer Grundstücke zwischen Lange Straße und Promenade, auf denen ein neues Wohn- und Geschäftsviertel, eben das "Quartier an der Stadtmauer", entstehen soll. Über den Preis ist man sich angeblich längst einig; es geht noch, wie Sparkassen-Vorstand Konrad Gottschall betont, um Feinheiten im Kaufvertrag.

Parallel führen die potenziellen Bauherrn von der Dömges AG erste Gespräche mit der Stadt im Hinblick auf das Bebauungsplanverfahren für die Sparkassen-Grundstücke. Eine Aussage zur Frage, ob sie mit einem Lebensmittelmarkt planen, ist laut Dömges-Vorstandsvorsitzendem Robert Fischer derzeit nicht möglich. Die gute Nachricht in der schlechten vom neuerlichen Aus eines Innenstadt-Geschäftes ist: Entlassungen soll es im City-Markt nicht geben. Massak versichert, er übernehme das Personal komplett. Teils werde es in der künftigen Marktscheune in Hallstadt beschäftigt, die voraussichtlich im Spätsommer öffnet, teils in seinem Geschäft in der Langen Straße.