Eine neue Liste aus dem Bundesverkehrsministerium gibt in Bamberg weiten Raum für Spekulationen: Unter den Projekten, für die im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2015 ein "vordringlicher Bedarf" angemeldet sind, taucht bei der Bahn-Ausbaustrecke Nürnberg der Streckenabschnitt zwischen Eggolsheim und Hallstadt nicht mehr auf. Heißt das nun, dass der umstrittene Ausbau durch Bamberg und Hallstadt sowie durch den südlichen Landkreis um Jahre, wenn nicht Jahrzehnte verschoben wird? So wie es etwa Robert Bartsch von der Initiative Bahnsinn vermutet. Ober die Grünen, die unter Berufung auf ihren Verkehrsexperten im Bundestag, Toni Hofreiter, den Bahnausbau in Bamberg - ebenfalls mit einem Fragezeichen versehen - zur "Phantomdiskussion" geraten sehen.

Vom Verkehrministerium in Berlin, das derzeit den neuen Plan erarbeitet, der im kommenden Jahr vorgelegt werden soll, war dazu am Donnerstag trotz Zusage keine Stellungnahme mehr zu erhalten.
Die Bahn selbst kann natürlich politischen Entscheidungen nicht vorgreifen. "Unsere Planungen laufen weiter", betont ein Bahnsprecher.

Im Baureferat der Stadt Bamberg geht man davon aus, dass sich am weiteren Ablauf nichts ändern wird. "Aus unserer Sicht ist die Prioritätensetzung einer kurzfristigen finanziellen Betrachtung geschuldet", sagt Claus Reinhardt. "Das Vorhaben ist sicher nicht grundsätzlich infrage gestellt." Bamberg sei, im Gegensatz zu anderen Bauabschnitten, eben noch weit davon entfernt in die Planfeststellungsphase zu gehen, zumal hier ja noch die Diskussion um mögliche alternative Trassen gebe. Wann es in Bamberg so weit sei, lasse sich schwer sagen. Immerhin habe die Bahn in Bamberg aufgrund der massiven Bürgerbedenken ein anderes Procedere gewählt als an anderen Streckenabschnitten.

Bamberg wird zum Flaschenhals

Die Arbeit des Koordinierungskreises in der Stadt kann also noch Jahre dauern. Zu Bedenken sei dabei, so Reinhardt, dass "Bamberg sich zum Flaschenhals entwickelt, wenn etwa bis 2018 der Streckenausbau sowohl von Norden als auch von Süden her an die Stadt heranrückt. Das wäre allerdings auch ein Indiz dafür, dass das Projekt in der Stadt selbst vom Bund nicht auf den Sanktnimmerleinstag verschoben wird.

Dass es trotz der Neueinstufung durch das Ministerium zu keinem großen Aufschub kommen wird, damit rechnet auch der Bamberger CSU-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär Thomas Silberhorn aus. Als Bezugsfälle für den neuen Bundesverkehrswegeplan, die keiner weiteren Überprüfung mehr bedürfen, seien nur die Bauvorhaben aufgeführt, bei denen bis Ende 2015 mit dem Baubeginn zu rechnen sei, so Silberhorn. Eine Einschätzung die auch sein SPD-Kollege Andreas Schwarz teilt. Das Zeitfenster gilt etwa für den Abschnitt von Breitengüßbach bis Zapfendorf, für den derzeit das Planfeststellungsverfahren läuft. Eine vom Ministerium als "Muss" vorgeschriebene erneute Untersuchung sei eine Wirtschaftlichkeitsprüfung - im Fall von Bamberg angesichts der Baufortschritte bei der Gesamtstrecke wohl "eine reine Formalie", sagt Silberhorn. Am weiteren Ablauf werde sich nichts ändern. "Dass das Projekt nicht auf der Liste steht darf nicht fehlinterpretiert werden", warnt Silberhorn.

Aufschub wäre kontraproduktiv

Auch Bahnsinn-Sprecher Bartsch wünscht nicht, dass der Ausbau einfach nur zurückgestellt wird, selbst wenn das den positiven Nebeneffekt hätte, dass sich der befürchtete Mauerbau um Jahre verzögern würde. "Wenn sich die nächsten zehn bis 20 Jahre nichts tun würde, dann bekämen die Menschen in der Gereuth und in der Wunderburg überhaupt keinen Schallschutz", sagt er. Denn dann gelte eine Veränderungssperre. Ziel müsse es darum sein, dass in und mit der Stadt zügig über den Ausbau weiterverhandelt wird, um zu einer für alle akzeptablen Lösung zu gelangen. Die sieht Bartsch weiterhin in einer Ostumgehung für die Güterzüge. Er betont jedoch: "Nur wenn die unter der Erde fahren!"

Dass Bamberg als Flaschenhals den ICE ausbremsen würde sieht Bartsch nicht unbedingt so. Zum Halt in Bamberg müsste er ohnehin das Tempo verlangsamen. Ohne mehrgleisigen Ausbau könnte die Bahn dann jedoch nicht so viele Güterzüge wie geplant durch die Stadt schicken.