Enttäuschung unter Nationalparkanhängern und Naturschützern in der Region: In der heute in Haßfurt stattfindenden zweiten Runde des Dialogprozesses Steigerwald soll offenbar über zwei wichtige Entwicklungsalternativen gar nicht mehr diskutiert werden - die Variante eines Nationalparks Steigerwald und eines Unesco-Weltnaturerbes im Steigerwald.
Beide Möglichkeiten wurden beim ersten runden Tisch zum Steigerwald in Bamberg nach Mehrheitsbeschluss ausdrücklich als Vorschläge aufgenommen, neben fünf weiteren Varianten: dem "Status Quo", der Ausweitung des Trittsteinkonzepts, der Entwicklung eines europäischen Kulturerbe-Siegels, eines Unesco-Weltkulturerbes und eines Unesco-Biosphärenreservats.
Wie sich beim Blick auf die Einladung zu dem heute stattfindenden Treffen von Regionalpolitikern sowie Vertretern von Vereinen und Institutionen nun herausstellt, spielen die beiden Vorzugsvarianten der Nationalparkfreunde offenbar keine Rolle mehr. In der Sitzungsvorlage und Tagesordnung ist die Rede davon, dass "in der Zwischenzeit Beschlüsse bzw. Informationen vorliegen, die die Entscheidungsspielräume begrenzen". Von den ursprünglich sieben Varianten sind nur noch drei übrig geblieben: das Kulturerbe-Siegel, die Unesco-Weltkulturerbe und das Unesco-Biosphärenreservat.
"Nun soll die Zukunft des Steigerwalds unter Ausschluss der Öffentlichkeit besiegelt werden", ärgert sich Benedikt Schmitt vom Verein Nationalpark Nordsteigerwald über das aus seiner Sicht undemokratische Vorgehen. Der Mann aus Geusfeld zweifelt, dass der Wille, zu einer wirksamen Verbesserung der Situation im Steigerwald beizutragen, überhaupt vorhanden ist. Für die Auszeichnung Weltkulturerbe bringe der Steigerwald nicht die nötigen Voraussetzungen mit und auch ein Biosphärenreservat ließe sich, wenn überhaupt, nur in einem jahrelangen Prozess erreichen. "Der ganze Dialogprozess entpuppt sich als Farce mit dem dem durch die bayerische Staatsregierung vorab festgelegten Ziel, einen Nationalpark Steigerwald zu verhindern", stellt Schmitt fest.


Appell für ein faires Verfahren

Kritik erntet die Herausnahme der beiden Varianten auch beim Bund Naturschutz. "Diese einseitige Dialogausrichtung" widerspreche dem Willen der Region und dem Versprechen, einen ergebnisoffenen transparenten Willensbildungsprozess zuzulassen, sagt BN-Landesvorsitzender Hubert Weiger. Er fordert, für eine Befriedung der Situation auch die Möglichkeit eines Nationalparks und eines Weltnaturerbegebiets im Steigerwald zu überprüfen. Eine Rücknahme der "einseitigen Vorabfestlegung" fordert auch die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen in Schweinfurt sowie die geo-net-Fraktion im Stadtrat von Gerolzhofen. Nur durch ein faires, ergebnisoffenes Verfahren könne wieder Frieden im Steigerwald einkehren, so Kreisrat Thomas Vizl.