Bräuchte er morgen eine Soko, um mit vereinten Kräften an der Aufklärung eines Kapitalverbrechens zu arbeiten - Polizeidirektor Thomas Schreiber wüsste nicht, wo er die Sonderkommission auf die Schnelle unterbringen sollte: Es gibt, wie er sagt, kein freies Büro im Dienstgebäude an der Schildstraße. Im Gegenteil: "Uns fehlen 1500 Quadratmeter Bürofläche."

Das 34 Jahre alte Haus sei nicht erweiterbar und in jeder, auch in sicherheitstechnischer, Hinsicht "ein Riesenkompromiss". Daher setzt man auch bei der Polizei große Hoffnungen auf das Konversionsgelände.

Die angestrebte Lösung ist der Umzug der Verkehrspolizei-Inspektion (VPI) in ein eigenes Dienstgebäude am östlichen Stadtrand. Wunsch-Standort von VPI-Leiter Werner Schnödt, Erster Polizeihauptkommissar, ist ein Gelände nördlich des Schießplatzes an der Armeestraße.

Die Überlegung hinter den Bauplänen: Wenn die VPI mit ihren derzeit rund 60 Beamten und 21 Fahrzeugen auszieht, wird im Haus an der Schildstraße genug Platz frei, um alle ausgelagerten Einheiten "heim" zu holen. Mehr noch: Laut Schreiber wäre dann auch an eine schrittweise Sanierung des Gebäudes zu denken.

Die Stadt plant bereits mit einer neuen Polizei-Immobilie am Rand des Hauptsmoorwaldes. Laut Harald Lang, Leiter des Amtes für Strategische Entwicklung und Konversionsmanagement, werden im Bebauungsplan-Entwurf für die Konversionsflächen beidseits der Geisfelder Straße zwei Hektar für die Verkehrspolizei ausgewiesen. Der Standort würde - wenn das Gebiet erst einmal erschlossen ist - die Hauptanforderung der VPI erfüllen: zwei voneinander unabhängige Zu- und Abfahrten und kurze Wege zu den Autobahnen.

Vorerst ist die Armeestraße eine reine Verbindungsachse zwischen Pödeldorfer und Geisfelder Straße. Nach den Plänen der Stadt wird sie ausgebaut und nach Süden hin bis zur Autobahn verlängert. Der neuen Armeestraße kommt laut Lang für die Erschließung des ehemaligen Munageländes eine zentrale Rolle zu. Außerdem werde sie zur Entlastung des stark befahrenen Berliner Rings benötigt.

Über die ausgebaute Armee- und die Pödeldorfer Straße wäre auch die Verkehrspolizei künftig schnell dort, wo ihr eigentliches Aufgabengebiet liegt: auf den Fernstraßen. In der Öffentlichkeit dürfte kaum bekannt sein, dass die Verkehrspolizei in erster Linie für Frankenschnellweg A 73, Maintalautobahn A 70 und Bundesstraße 505 zuständig ist, soweit diese im Gebiet der Polizeidirektion liegen, also im Raum Bamberg/Forchheim.

Noch gehören der Schießplatz und das Muna-Areal dem Bund. Im Rathaus hofft man, dass der Kaufvertrag mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben noch 2017 unterschriftsreif wird. Dann, so Lang, könnte der Bebauungsplan bis Jahresende rechtskräftig werden und die Erschließung des ehemaligen Armeegelände beidseits der Geisfelder Straße bis 2020 durchgeführt werden. Im Anschluss würde das von der Polizei favorisierte Grundstück baufertig gemacht.

Geht alles zügig über die Bühne, könnten Schreiber und Schnödt den Umzug der VPI noch in ihrer aktiven Dienstzeit erleben: "Wir haben beide noch fünf Jahre vor uns."

Freilich gibt es auch Aspekte, die erwarten lassen, dass das Bauvorhaben der Polizei eher später als früher realisiert wird. Da sind die Proteste gegen geplante Eingriffe in den Hauptsmoorwald. GAL und Bund Naturschutz haben schon Widerstand angekündigt.

Und dann ist da noch die Bundespolizei, die bis auf Weiteres einen Teil des Schießplatzes benötigt. Es ist laut ihrem Sprecher Johannes Nagengast eine Interimslösung - nicht ideal, aber notwendig, bis man im Ausbildungszentrum an der Zollnerstraße über ausreichende eigene Schießkapazitäten verfügt. Ein Teil sei im Bau, ein anderer in Planung.

Zumindest um die Finanzierung des neuen VPI-Standorts muss man sich an der Schildstraße wohl kein Sorgen machen. Schnödt liegt eine Finanzierungszusage des bayerischen Innenministeriums vor. Momentan geht er von einem Neubau mit 120 bis 130 Arbeitsplätzen aus. Neben der Verkehrspolizei sollen auch die Operativen Ergänzungsdienste (OED) einziehen. Geplant ist zudem der Bau einer speziellen Trainingsstätte, die der Vorbereitung auf den Antiterroreinsatz dient.

Die OED und ein Kommissariat der Kripo sind schon länger bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei an der Pödeldorfer Straße untergebracht. Nun hat die BePo Eigenbedarf angemeldet, weshalb laut Schreiber kurzfristig für rund 45 Beamte eine Lösung gefunden werden muss. Das Problem sei so dringend, dass es "in Bayreuth", also im Präsidium, schon "Chefsache" sei. Sicher ist nur: In der Schildstraße ist kein Platz frei.