Atze Schröder, die schrille Kunstfigur mit der getönten Pilotenbrille und der Lockenfrisur, mischt seit etwa 20 Jahren in der deutschen Comedyszene mit. Größere Bekanntheit erlangte er durch Fernsehformate wie den "Quatsch Comedy Club" und "Alles Atze".

Am Donnerstag, 18. Februar, tritt er mit seiner Bühnenshow "Richtig Fremdgehen" in der Brose-Arena auf. Mit inFranken.de spricht Atze Schröder über sein Programm und über das, was er sich für das Bamberger Publikum überlegen wird.

Auf ihrer Homepage springen einem sofort nackte Füße ins Auge. Was verbinden Sie mit Füßen?
Atze Schröder: Jetzt haben Sie mich auf meine eigene Homepage aufmerksam gemacht, da muss ich gleich mal selbst nochmal die Füße angucken.
Was ich mit Füßen verbinde? Im günstigsten Fall ein ästhetisches Bild, bei dem man die Zehen der Frau wie Edelsteine behandeln kann. Jetzt weiß ich, dass nicht alle Frauen das wirklich gut finden, wenn man ihnen an den Füßen rumfummelt (lacht). Es gab ja dieses Fotoshooting, für das Bild auf der Homepage, wo ich sogesehen zwischen den Füßen liege. Und da wurden - man glaubt es kaum, wenn man die Füße so sieht - Fußmodels gebucht. Wenn man als Fußmodel zum Fotoshoot geht, würde ich sagen, geht man am Abend vorher noch zur Fußpflege. Um es mal vorsichtig auszudrücken: Das haben sie nicht gemacht.

Das sieht man auf dem Bild zum Glück nicht.
Aber man kann ja nicht riechen, wie das Foto entstanden ist. Ich finde, dafür lächele ich noch ganz entspannt...er lacht.

Ihr aktuelles Programm heißt "Richtig Fremdgehen". Wollen Sie das Fremdgehen legitimieren?
Das will ich auf keinen Fall, ich bin ja voll dagegen! Ich sage am Ende des Programms: "Liebe ist, wenn Treue stark macht". Aber ich finde, wenn man fremdgeht, sollte man es richtig machen.

Wie geht für Sie "falsches Fremdgehen"?
Zum Beispiel, wenn es sich nicht lohnt. Wenn ich richtig fremdgehe, muss ich ja, selbst im Fall, dass es jeder mitkriegt, am Ende sagen können: Es hat sich trotzdem gelohnt. Der Ärger oder dass meine Beziehung eventuell kaputt ist, hat sich gelohnt. Und wenn man das nicht mit "ja" beantworten kann, dann sollte man es besser lassen.

Das heißt, hinter dem etwas plumpen Titel verbirgt sich eine Art Moral?
Ja, unbedingt. Es ist eben so ein Zeitgeistthema. Ich versuche immer, mit meinem Programm den Zeitgeist zu treffen. Und ich recherchiere. Durch meine vielen Hotelübernachtungen kriege ich schon einiges mit, wie das so abläuft. Für das Programm habe ich mich zur Recherche auch auf Seitensprung-Portalen angemeldet, und ich kann nur sagen, da ist die Hölle los.

Sie thematisieren oft oberflächliche Themen, nichts worüber man lange nachdenken muss - halten Sie Ihr Publikum für oberflächlich?
Nein, aber ich versuche bei all den Problemen, die man von morgens bis abends in den Nachrichten liest, zwei Stunden lang für Ablenkung zu sorgen. Gute Comedy hat im günstigsten Fall noch mal einen etwas tiefsinnigeren Unterbau, aber in erster Linie geht es um's Lachen. Die Leute sollen zwei Stunden wirklich Spaß haben.

Wären Sie auf der Bühne manchmal gerne etwas ernster?
Ja, vielleicht demnächst sogar noch mehr. Bei diesem Programm habe ich es versucht, über die Gründe für das Fremdgehen zu sprechen. Nach dem Motto: Ich frage das Publikum, warum geht man überhaupt fremd? Das ist natürlich schon sehr ernst. Deshalb habe ich gleichzeitig versucht, etwas Leichtigkeit reinzubringen. Ich bin nun mal ein Unterhaltungskünstler, da will man auch nicht zu tief bohren.

Was ist Ihnen zu ernst, um darüber zu scherzen?
Ich versuche immer, mich über Täter lustig zu machen und nicht über Opfer. Die Flüchtlingskrise - das Wort "Krise" kann man ja leider kaum noch vermeiden - ist mir momentan zu ernst, da bin ich auch ratlos. Immer, wenn es um Opfer geht, wird es mir zu ernst. Ich versuche daher eher, mich über die Ursachen - also die Täter - lustig zu machen.

Was glauben Sie ist es, das die Menschen an der Figur Atze Schröder interessiert?
Rudi Carrell hat mir mal gesagt: "Du kannst keine gute Comedy ohne Herz machen". Und ich glaube, dass ich ziemlich viel Herz auf die Bühne und vor die Kamera bringe - das mögen die Leute.

Sie sagten einmal, Sie seien privat ganz anders als auf der Bühne. Verkörpert die Bühnenfigur auch Eigenschaften, die Sie in Wirklichkeit gerne hätten?
Die große Klappe und das Schlagfertige finde ich schon ziemlich gut. Privat bin ich, mal vorsichtig ausgedrückt, nicht immer so schlagfertig.

Sie haben bereits mehrere Preise gewonnen und touren durch ganz Deutschland. Was war für Sie das Größte, das Sie in Ihrer Karriere erreicht haben?
Ich glaube 2003, da habe ich den Deutschen Fernsehpreis gewonnen. Wie lange ich schon dabei bin, wenn ich das jetzt so erzähle... 2003 habe ich den deutschen Fernsehpreis gewonnen und darüber habe ich mich so gefreut, dass ich auf der Bühne völlig ausgerastet bin und dann habe ich nachher still in meiner Garderobe gesessen und gebetet: "Lieber Gott, lass es noch ein Jahr dauern, es macht gerade so viel Spaß!" (lacht). Das ist jetzt schon fast 13 Jahre her. Aber das war ein ziemlich großer Moment meiner Karriere.

Sie sind wirklich schon lange dabei. Wenn Sie heute auf Ihre Karriere zurückblicken, würden Sie etwas anders machen?
Da sage ich einfach mal vorsichtig "nein". Wenn ich so zurückblicke, dann sehe ich viele Freunde und viel Spaß. Außerdem glaube ich, dass ich wenig verbrannte Erde hinterlassen habe. Ich war immer sehr nett zu meinen Mitmenschen.

Die Franken gelten ja als etwas "lachfaul" - Haben Sie sich für das fränkische Publikum etwas Besonderes überlegt?

Ich hoffe natürlich, dass ich sie auf Trab bringe. Jemand, der sich Karten für meine Show gekauft hat, hat wahrscheinlich geplant zu lachen. Zu einer guten Show gehört auch, dass man spontan sein kann. Wenn man vor einem Auftritt in der Stadt unterwegs ist oder die örtliche Presse liest, kann man noch Sachen einbauen. Das wird mir in Bamberg hoffentlich auch gelingen.

Ist das Publikum vorhersehbar?
Jedes Programm hat ein Gerüst und dazwischen ist noch Raum für Spontanes. Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich mir die Freiheit nehmen kann mal nach links oder rechts abzubiegen. Es gibt allerdings ein paar Top-Gags, auf die ich mich schon zehn Minuten vorher freue. Bei denen ist es ganz egal, ob man in Zürich, Hamburg, Wien oder Bamberg auftritt, da könnte ich die Hand dafür ins Feuer legen, dass die Halle Kopf steht.

Angenommen Sie schlendern vor Ihrem Auftritt durch die Bamberger Innenstadt - würde ein Bamberger, der am Abend Ihre Show besucht, sie außerhalb der Bühne überhaupt erkennen?
Das ist sehr unterschiedlich. Gestern bin ich schnell bei McDonalds vorbeigesprungen, weil ich so großen Hunger hatte. Das war in Dortmund. Und die Verkäuferin hat dann ohne mit der Wimper zu zucken sofort gesagt: "Hey Atze", obwohl ich eine Mütze aufhatte und eine runde Brille.


Am 4. März ist der letzte Auftritt der "Richtig Fremdgehen" Tour in Düsseldorf. Für die Zeit danach gibt es schon konkrete Pläne. Atze Schröder und sein Co-Autor arbeiten gerade an einer Fortsetzung ihres Liebesromans "Und dann kam Ute", der vor zwei Jahren erschien. Geplant sind ein neues Buch, ein Hörbuch und ein Programm dazu.