Dieser Traum ist auf Sand gebaut - und das will Initiator Florian Müller auch genau so. Mitten in der Sandstraße soll Bambergs 13. Brauerei mit eigenem Sudhaus entstehen. Es braucht schon einen großen Schluck Selbstvertrauen, um in der Weltstadt des Bieres eine weitere Marke etablieren zu wollen. Doch während Skeptiker die Idee ins Reich der Fantasie abgetan hätten, wagt der umtriebige Gastronom und Immobilienspezialist den Teufelsritt auf dem Einhorn - Ahörnla-Bräu soll der Name der Brauerei werden.

"Man könnte genauso sagen, was sollte jemand in Würzburg noch als Winzer arbeiten wollen. Das ist doch Schmarrn. Das ist doch eine Bereicherung", tritt der 39-Jährige allen Frotzeleien entgegen, jetzt sei das Einhorn mit dem Müller durchgegangen. Die Idee, die ehemalige Brauerei wieder zum Leben zu erwecken, habe er schon entwickelt, als er das Haus in der Sandstraße gekauft hat. "Das Gesamtareal war aber in einem schlechten Zustand, deshalb wäre die Investition zu groß gewesen. Die Idee hat also ein paar Jahre vor sich hin geschlummert." Das Lokal Ahörnla im Sand wurde gut angenommen - also befasste er sich weiter mit dem Projekt.

Wie geht es weiter?

Realität werden soll der Traum nun ausgerechnet im Albtraumjahr 2020. Der Umbau des alten Turmgebäudes hinter der Wirtschaft läuft bereits, soll bis Ende Februar abgeschlossen sein, bis Ende März soll die Bamberger Firma Kaspar Schulz das Sudhaus installieren, im April soll die erste Maische in den Bottichen kochen, im Mai das erste eigene Ahörnla-Bier fließen. Damit der Geschmack die verwöhnten Bamberger Gaumen überzeugt, hat sich Müller mit Brauer Tim Heim tatkräftige Verstärkung geholt. Der 27-jährige Eberner hat bei Mahrs-Bräu sein Handwerk gelernt und wechselt nun als Müllers Königstransfer von der Wunderburg in den Sand.

"Bei den namhaften Brauereien in Bamberg kommt man schon ins Schwitzen, aber ich sehe das entspannt und kann hier einen Traum verwirklichen", freut sich Heim, der im kommenden Frühjahr seine letzten Prüfungen zum Braumeister absolviert. Die Bamberger Brauer stünden ihm schon jetzt mit gutem Rat zur Seite, lobt er die kollegiale Gemeinschaft in der traditionsreichen Zunft.

Welche Biersorten Heim kreieren wird, soll eine Art Kollektiventscheidung werden. Denn Ahörnla-Bräu soll von einer Gemeinschaft aus Unterstützern im Hintergrund getragen werden. 600 000 Euro will Müller in die Anlagen pumpen, sagt er. Der Rest soll durch Crowdfunding zusammenkommen. Und jeder Kleininvestor soll nicht nur seinen Namen auf den Bottichen lesen und einen beschrifteten Krug bekommen, sondern auch aktiv mitentscheiden, wenn es um den nächsten Sud geht.

"Wir wollen da so eine Art Community aufbauen", erklärt Müller, der als Ziel einen Jahresausstoß bis zu 2000 Hektoliter ausgerufen hat. Damit hätte das Ahörnla in etwa die doppelte Ausstoßmenge wie das junge Sternla.

Expansion im Sand geplant

Wachsen könnte die Brauerei ebenfalls, sagt der Chef und kritisiert im selben Atemzug die Stadt: Die reite den Amtsschimmel - statt das Einhorn vom Zügel zu lassen. Im hinteren Bereich Richtung Sandbad hätte Müller Expansionsmöglichkeiten, doch im Rathaus gibt es Pläne für eine Quartiersgarage. "Sollte die Stadt ihre Blockadehaltung aufheben, könnten dort zusätzliche Tanks entstehen, vielleicht auch eine Destille."

Die Stadt hat laut Pressesprecherin Stephanie Schirken-Gerster vor fünf Jahren das Grundstücks zwischen den Anwesen Obere Sandstraße 22/24 und dem Sandbad gekauft, "weil dort entsprechend des Rahmenplanes für das Sanierungsgebiet Sand eine Quartiersgarage angedacht ist". Bis 2023 soll geprüft werden, ob eine solche Garage dort möglich ist. Danach könnte Müller zugreifen. Er muss also noch warten. Ebenso auf das Urteil der Hydrologen, die untersuchen, ob die Qualität des Wassers im brauereieigenen, historischen Einhorn-Brunnen für das Bierbrauen im Jahr 2021 gut genug ist.

Der Brauereichef in spe jedenfalls sprudelt nur so vor Projekten: Denn zeitgleich reaktiviert der Familienvater das Traditionshaus Messerschmitt in der Langen Straße. Caroline Martin, bekannt aus dem Arkadenhotel, kümmert sich um die Zimmer, Müller um das Restaurant. Und während das Ahörnla zur Brauereigaststätte wächst, betreibt Müller auch weiterhin die Fruchtbar und ist im Immobiliengeschäft tätig.

Bei so vielen Ideen muss Müller aufpassen, sich auf seinem Einhorn nicht zu vergaloppieren.

Historisches:

Brauereien Die Welterbestadt Bamberg hat momentan zwölf Brauereien mit eigenem Sudhaus: Spezial, Schlenkerla, Keesmann, Mahr, Fässla, Greifenklau, Kaiserdom, Klosterbräu, Ambräusianum, Weyermann, den Kaiserdom-Ableger Kronprinz und Sternla. Ahörnla-Bräu wird also Nummer 13. In den vergangenen 200 Jahren gab es in Bamberg fast 80 Sudhäuser.

Einhorn Die Brauerei Einhorn im Sand zählt laut Autor Christian Fiedler zweifellos zu den ältesten und traditionsreichsten Braustätten Bambergs. "Entsprechend lang ist die Historie des Stammhauses in der Oberen Sandstraße 24, das bereits 1366 als ,putnerhaus zum Eychhorn' beschrieben wird", erklärt er in seiner Abhandlung "Bamberg - die wahre Hauptstadt des Bieres". Über die folgenden 600 Jahre blieb das Anwesen demnach nahezu durchgehend im Besitz von Büttnern und Brauern. 1829 begann Jakob Schlegel eine Lehre als Büttner und Brauer. Nach seiner Gesellenzeit erwarb er das Brau- und Gasthaus sowie den Felsenkeller auf dem Jakobsberg. Noch weitere drei Generation blieb das Anwesen im Besitz der Familie Schlegel. "Der Braubetrieb endete erst im Jahr 1944", berichtet Brauerei-Experte Fiedler.

Verwechslungsgefahr Es gab einst auch eine Brauerei Goldenes Einhorn in Bamberg, die aber nichts mit der Brauerei Einhorn zu tun hatte. An der Stelle der heutigen Stadtbücherei "Deutsches Haus" stand bis zum Oktober 1817 das Gast- und Brauhaus "Zum Einhorn". Im 30-jährigen Krieg wurde das Gebäude von kaiserlichen Truppen belagert und später eingeäschert. Von 1779 an war Balthasar Seminet Gastwirt im "Goldenen Einhorn". Der Getreidehändler galt bei seinen Mitbürgern als "Kornwucherer" und war deshalb nicht sonderlich beliebt.

"Dies wird ihm am 31. Oktober 1817 zum Verhängnis, als in der Darre der benachbarten Brauerei ,Träublein' ein Feuer ausbricht und auf seinen Besitz übergreift. Zeitgenössischen Berichten zu Folge weigert sich die vor dem brennenden Haus zusammen gelaufene Menschenmenge, beim Löschen des Feuers zu helfen", berichtet Autor Christian Fiedler.

Link Manche Informationen aus seinem lesenswerten aber vergriffenen Buch "Bamberg - die wahre Hauptstadt des Bieres" sind auch im Netz unter der Internetadresse bamberger-bier.de online einzusehen.