Mit "Bewaffneter Angriff auf den AfD-Stammtisch" ist der Eintrag überschrieben. So beginnt ein Bericht, den der Kreisverband der AfD vergangene Woche auf seiner Facebookseite veröffentlichte. Kreis-Vizechef Manfred Steffan hat ihn verfasst. Das, was er verschriftlicht hat, klingt so: "Ein bewaffneter Überfall von Linksextremisten (Antifa)" habe verhindert werden können. Angeblich sollen Mitglieder der Antifa vor einer Gaststätte im Volkspark gestanden haben, mit der Absicht, die dort stattfindende Veranstaltung der rechtskonservativen Partei zu stören.

Kein Aufruf zu Störaktion
Einen entsprechenden Eintrag auf der Facebookseite der Antifa gibt es - dieser hat auf den Stammtisch der AfD in der vergangenen Woche aufmerksam gemacht. Aufgerufen zu einer Störaktion wurde dort nicht. Dass die Linksaktivisten jedoch wenig für die AfD übrig haben, wird - wenig überraschend - darin deutlich.
Das ist auch nicht der Polizei entgangen. Diese war am Dienstagabend mit Beamten vor Ort, das sei nichts Unübliches bei solchen Veranstaltungen, sagt Silke Gahn, Sprecherin der Polizei Bamberg-Stadt. Veranstaltungen, bei denen angenommen wird, dass es zu Störungen kommen könnte. Die AfD in Bamberg ist durch den jüngsten Rechtsruck der Bundespartei wohl auch zunehmend in das Visier linker Aktivisten geraten.

Legale Sprays dabei gehabt
"Der Vorstand des AfD-Kreisverbandes Bamberg bedankt sich (...) bei der Bamberger Polizei für das beherzte Eingreifen gegen die gewaltbereiten Antidemokraten", schreibt Steffan weiter. Von dem Vorfall selbst hat er direkt nichts mitbekommen, sagt er auf Nachfrage des Fränkischen Tag. Erst durch den Wirt sei er informiert worden. Dieser habe von Beamten erfahren, dass die Polizei drei Personen kontrolliert hatte, die bewaffnet gewesen seien. Es sei die Rede von Messern gewesen und Gasspray. Dies bestätigt der Wirt gegenüber unserer Zeitung.

Gefunden wurde bei den drei Personen, die sich laut Polizei in der Nähe der Gaststätte aufhielten, lediglich ein Taschenmesser und Verteidigungssprays. "Diese Sprays sind legal", sagt Gahn.

Aussage relativiert
Die Kontrollen seien etwas entfernt auf einem Parkplatz vor der Gaststätte durchgeführt worden. Von einem "Vorgang" oder gar von einem Überfall könne nicht die Rede sein, sagt Silke Gahn. Auch AfD-Mann Steffan relativiert seine Aussage später: Er sei zunächst aufgrund der Aussagen der Servicekräfte von einem Angriff ausgegangen.

Laut Gahn seien die Zivilbeamten auf die drei Personen aufmerksam geworden, da sie typisch gekleidet gewesen seien - mit Halstuch, Kappe und Sonnenbrille. Man habe "Vermummungsmaterial" gefunden. Allerdings sei das nicht verboten, wenn keine Versammlung wie eine Demonstration stattfinde. Auf der Kleidung und dem Rucksack sollen sich Pins und Aufnäher befunden haben, die eindeutig dem linken Spektrum zugeordnet werden konnten, so die Polizeisprecherin.

Auf die Frage der Beamten, was die Drei an der Stelle mit Blickrichtung zur Gaststätte machten, hätten sie keine exakte Auskunft geben können. "Zur Identitätsfeststellung sind sie zur Dienststelle gebracht worden", sagt Gahn. Auch das sei wiederum nichts Außergewöhnliches.

Wirt kündigt der AfD
Dennoch: Der Wirt hat daraufhin beschlossen, die AfD nicht mehr bei sich tagen zu lassen. Er müsse Gäste und Mitarbeiter schützen, außerdem fürchtet er um seinen Ruf. Deshalb will er auch nicht genannt werden. Zwei Jahre lang sei die AfD bei ihm gewesen, nie sei eine Bedrohung vorgekommen. Doch nun stelle er sich die Frage: Wenn die Polizei mal nicht da ist, passiert dann etwas?

Die AfD bedauert die Entscheidung des Wirts, der von sich sagt, mit der rechtskonservativen Partei nichts zu tun zu haben und lieber die Partei von Oberbürgermeister Andreas Starke wählt (SPD).

Manfred Steffan glaubt, dass der Vorfall allerdings noch weitere Spuren hinterlassen werde, die AfD nun auch bei anderen Wirten abblitzen könnte, und beklagt, "dass alleine mit der Androhung von Gewalt, Treffen von unbescholtenen Bürgern (...) in Bamberg verhindert werden können."

Ähnliche Störungen sind der Polizei auf Nachfrage unserer Zeitung in jüngster Zeit allerdings nicht bekannt. Zuletzt seien Rechtsextreme aufgefallen, die auf den Mehrzweckraum "Balthasar" des studentischen Vereins Asta in Bamberg Aktionen verübt hatten (wir berichteten).

Im Endeffekt sei an dem besagten Stammtisch der AfD in der vergangenen Woche wenig vorgefallen. "Das ist sehr überzogen dargestellt", sagt Polizeisprecherin Silke Gahn.