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Die Entwarnung kommt gleich vorneweg: Ja, auch der Nachbar oder Lebensgefährte darf die Fahrer des Sperrmüll-Lastwagens in Empfang nehmen. Karin Köberlein, Leitung Abfallwirtschaft bei der Stadt Bamberg, erklärt: "Die Anwesenheitspflicht ist auch deswegen wichtig, weil ein Ansprechpartner vor Ort sein soll. Wenn es zum Beispiel darum geht, auf Sondermüll oder Altkleider hinzuweisen, die nicht in den Sperrmüll gehören."

Wobei das eigentlich schon im Vorfeld geklärt sein sollte, nämlich beim ersten Telefonat mit der Stadtverwaltung. Wie läuft das Ganze ab? Ein Beispiel: Ein imaginärer Bamberger namens Peter möchte in der ersten Januarwoche 2015 seinen Sperrmüll los werden. Sein Anliegen wird damit im neuen Sperrmüllkonzept umgesetzt, dem Stadtrat und Regierung zugestimmt haben.

Peter ruft also bei der Stadtverwaltung an.
Am Telefon zählt er auf, welche Gegenstände abgeholt werden sollen. "Das ist deswegen wichtig, weil der Entsorgungs- und Baubetrieb die Daten für seine Logistik braucht", erklärt Karin Köberlein. Der EBB erstellt einen Abfuhrplan, damit klar ist, wie viele Haushalte in welchem Zeitraum zu bewältigen sind.

Zweitens ist eine Auflistung des Mülls wichtig, um zu klären, ob es sich überhaupt bei allen Gütern um Sperrmüll handelt. "Sperrmüll, das heißt tatsächlich sperrige Güter. Häufig sind Dinge dabei, die eigentlich über den Hausmüll entsorgt werden können. Oder aber Sondermüll", erläutert die Leiterin des Bereichs Abfallwirtschaft.

Was zum Beispiel nicht in den Sperrmüll gehört: pflanzliche Abfälle wie Baum- oder Strauchschnitt, alte Fahrzeuge oder Fahrzeugteile, Bauschutt und Bauabfälle oder eben Sondermüll - etwa Schädlingsbekämpfungsmittel. "Wenn da ein Totenkopf drauf gemalt ist, ist das schon ein recht eindeutiges Zeichen", sagt Köberlein.

Auch Altkleider oder alte Schuhe sind kein Sperrmüll. Und was ist mit der ausrangierten Couch, die noch gut ist? "Wenn uns jemand anruft, weisen wir immer auf die Gebrauchtmöbelmärkte hin", so Köberlein. Auf die Einrichtung soll auch auf Sperrmüll-Info-flyern, die an die Bamberger mit dem Abfallkalendarium versandt werden, hingewiesen werden. Zudem plant die Stadtverwaltung, auf den Internetseiten von EBB und Umweltamt, auf die Häuser zu verlinken.

Peter aus Bamberg könnte also seine zwei Kartons mit Altkleidern in Sozialkaufhäusern abliefern, zum Beispiel der "Laufer Mühle" und dem "Kolping-Schnäppchentreff". Aber auch der St.-Vinzenzverein-Laden nimmt gebrauchte Waren an, genauso wie der "Umsonstladen", den es seit Anfang des Jahres gibt. Bei der Erarbeitung des Sperrmüllkonzepts war es ausgesprochenes Ziel der Stadträte, Bambergs Gebrauchtwarenhäuser zu integrieren.

Verantwortung für eigenen Müll

Peter hat seinen Müll nun sortiert und eine Liste mit den Gütern für den Sperrmüll genannt. Auf einen Termin für die Abholung wartet er nun ungefähr vier Wochen. Er hat sich den 9. Januar 2015 ausgesucht, morgens um sieben, noch vor der Arbeit, soll der Müll geholt werden.

Am besten wäre es, wenn Peter den Müll erst am Morgen rausbringt. Das schafft er aber zeitlich nicht und stellt deswegen seinen Kram am Abend vorher nach draußen. Bis die Mitarbeiter des EBB am nächsten Morgen anrücken, trägt Peter die Verantwortung für seinen Haufen.

Was ist, wenn abends jemand vorbei kommt, etwas Interessantes im Sperrmüll entdeckt, und zu wühlen beginnt? "Schlimmer, als es bisher war, kann es gar nicht mehr werden", sagt Karin Köberlein und spielt damit auf die riesigen zerwühlten Sperrmüll-Berge in der Vergangenheit an.

Und: "Was wir nicht mehr haben werden, sind Leute mit Kleinbussen." Diese Problematik werde nicht mehr auftauchen, die Haufen würden deutlich geordneter sein. "Das Konzept wird in vielen bayerischen Kommunen praktiziert, mit großem Erfolg. Auch die Leute sind zufriedener, weil es keine großen Müllberge mehr gibt. Da hatten wir massive Beschwerden."

Am Morgen des 9. Januar 2015 empfängt Peter nun die Mitarbeiter des EBB an seinem Sperrmüllhaufen. Vielleicht hat der Nachbar über Nacht heimlich noch ein Teil dazu gestellt. Das steht aber nicht auf der Liste, die Peter bei der Terminabsprache durchgegeben hat. Vielleicht kann es ja einfach in den Restmüll? Peter kann nachfragen.

Aber: "Sind über Nacht gleich drei große Teile dazu gekommen, erstatten wir Strafanzeige gegen Unbekannt", wie Thomas Beese, unter anderem Technischer Werkleiter des EBB, in der Sitzung des Umweltsenats deutlich machte.

Zurück zu Peter: Sobald sein Sperrmüll von den städtischen Mitarbeitern eingesammelt wird, kann er sich auf den Weg in die Arbeit machen. Er muss nicht warten, bis alles verladen ist. Wie bisher, darf Peter zwei Mal pro Jahr Sperrmüll in der Stadtverwaltung anmelden - im neuen Konzept genau dann, wenn er ihn braucht. Sollte er zum Beispiel Renovierungsarbeiten im Haus planen, kann er sich rechtzeitig um einen neuen Abholtermin für den Sperrmüll kümmern.

Doch was kommt auf die zu, die sich für Peters Sperrmüll interessieren? Neben den bekannten weißen Kleintransportern zogen bisher auch Studenten oder Rentner durch jene Viertel, in denen der Müll auf seine Abholung wartete. Vielleicht ist ja hier ein alter Holzstuhl dabei, den man reparieren kann? Oder eine große alte Wanduhr?
Die aktualisierte Abfallwirtschaftssatzung der Stadt Bamberg regelt klar: "Dritten ist es nicht gestattet, im Rahmen der Überlassungspflicht bereit gestellte Abfälle zu durchsuchen, wegzunehmen oder zu behandeln", heißt es in Paragraph 11 zum Thema "Eigentum an Abfällen".

Das ist übrigens nicht neu: Diese Regelung steht schon in der Satzung von 2002. Nur daran gehalten hat sich niemand.