Am Ende folgt der kniffligste Moment: Um ans Ziel zu kommen, muss der Schwertransporter den Würgauer Berg hoch. Diesen Moment hat Transportingenieur Ulrich Schmidtke bereits vor Monaten vorbereitet, trotzdem stellt der Berg eine besondere Herausforderung dar: "Ein Umbau während des Transports gibt es selten", sagt Schmidtke. Die beiden 500-PS-Zugmaschinen, die vorne und hinten den 261 Tonnen schweren Trafo fortbewegen, mussten am Mittwoch in Scheßlitz extra um vier Meter gekürzt werden. Das dann noch knapp 50 Meter lange Ungetüm musste schließlich am Abend über die Serpentinen, um ans endgültige Ziel, dem Umspannwerk des Netzbetreibers Tennet, auf der Höhe zu kommen.


Dienstagnacht über die A73

Die Strecke über die parallel verlaufende A73 kam nicht in Frage: Die Würgauer Brücke hätte dem Gesamtgewicht von 492 Tonnen nicht Stand gehalten, erklärt Schmidtke. Die Last von 20,5 Tonnen, die jede der 24 beweglichen Doppelachsen auf die Waage brachte, wäre zu viel. Nach dem Umbau auf nur noch 20 Achsen, lag die Last am Würgauer Berg sogar bei 25 Tonnen.

Transportingenieur Schmidtke und sechs weitere Männer des Hanauer Logistikdienstleisters Daher-HCS hatten den Transporter bereits durch die Dienstagnacht bis nach Scheßlitz gebracht. Angekommen war der Trafo am Bamberger Bahnhof auf den Gleisen. Dienstag gegen 22 Uhr ging der Transport dann durch Bambergs Straßen, über die Brennerstraße, die Zollnerstraße zum Konversionsgelände, das der Tieflader befahren durfte. In der Nacht wurde die A 73 kurzzeitig von der Verkehrspolizei Bamberg komplett gesperrt, da das Gefährt die ehemalige Ausfahrt des US-Militärs als Auffahrt benutzte, um anschließend einmal die komplette Fahrbahn zu überqueren. Ab der Ausfahrt Memmelsdorf ging es weiter über die Staatsstraße bis nach Scheßlitz.

Zahlreiche Schaulustige verfolgten das außergewöhnliche Spektakel bereits in Bamberg. Darunter war Martin Schneider, der auch bei der Umrüstung des Gefährts in Scheßlitz vorbeischaute. Schließlich erlebe man das nur einmal, sagt der junge Gartenstädter, der selbst bei Siemens arbeitet. Das Unternehmen hatte den 4,50 Meter hohen Trafo als Sonderanfertigung für das Tennet-Umspannwerk in Würgau gebaut. Dort soll der 380-KV-Trafo seinen 220-KV-Bruder ersetzen. Ein Ereignis, das gerade mal alle 20 Jahre vorkommt. Der letzte Trafo-Wechsel fand laut Sprecher Alexander Greß 1994 statt.

Mittwochabend hatten es Transportingenieur Ulrich Schmidtke und seine Männer geschafft: Der Schwertransporter hatte gegen 21.30 Uhr den Würgauer Berg unter den Augen von hunderten Schaulustigen bezwungen.