Bad Kissingen — Mit Blasmusik und Weißwurstfrühstück feierte die Kissinger Tafel am Sonntag ihr zehnjähriges Bestehen. 2004 wurde die Einrichtung als erste im Landkreis gegründet. Glückwünsche und Grußworte würdigten den ehrenamtlichen Einsatz der vielen Helfer. Bis zu 500 Bewohner der Kurstadt werden heute von der Tafel mit Lebensmitteln unterstützt.
"Darf man ein solches Jubiläum überhaupt feiern?", fragte
Tafel-Vorsitzende Iris Hönig die Jubiläumsgäste im Festzelt vor der alten Feuerwache. "Ich habe ein zwiespältiges Gefühl." Andererseits dürfe man stolz auf die geleistete Arbeit sein. Denn die Tafel "sammelt ein, was sonst liegen bleibt oder weggeworfen wird". Sie bewahre Werte und gebe diese an Menschen weiter, die sie dringend brauchen.

Dank an Sponsoren und Helfer

Hönig beklagte "den beschämenden Zustand" der heutigen Wohlstandgesellschaft, in der es einerseits Überfluss und Verschwendung, andererseits aber auch dringenden Bedarf und absolute Not gibt. Die Tafel helfe Menschen, die sonst keine Chancen haben. "Helfen macht Spaß, drum tun wir es."
Dass diese Arbeit ohne Förderer, Sponsoren und Helfer nicht möglich ist, machte Hönig an Beispielen deutlich. Besonderen Dank richtete sie an den früheren Bürgermeister Alfred Wacker und den ehemaligen Rathaus-Mitarbeiter Helmut Renner, "die bei unserer Gründung alle Hürden beseitigt haben". Beispielhaft für die vielen Sponsoren würdigte Hönig das Engagement der Firma Lay Gewürze, deren Geschäftsführer Karl-Heinz Dittmer der Tafel "schon zwei Autos einschließlich Sprit gespendet hat". Als Vertreter der Stadt lobte dritter Bürgermeister Anton Schick (DBK) den ehrenamtlichen Einsatz aller Tafel-Mitarbeiter. Die Kissinger Tafel habe sich in den zehn Jahren ihres Bestehens zum wichtigen Bestandteil des sozialen Lebensgemausert und werde gebraucht: "Sie schenken den Bedürftigen Hoffnung und machen unsere kleine Welt in Bad Kissingen um ein großes Stück besser."
Welches Ausmaß der Hilfsbedürftigkeit es heute gibt, machte Bernhard Saurenbach als Ländervertreter der nordbayerischen Tafeln deutlich. Er sprach vom "grenzenlosen Turbo-Kapitalismus". Über eine Million Menschen nehmen in Deutschland das Angebot der Tafeln in Anspruch. Auf 30 Prozent der bayerischen Haushalte entfallen nur ein Prozent des Einkommens. Grund sei trotz des vermeintlichen "Job-Wunders" die Vielzahl von Mini-Jobs, Leiharbeit, Werkverträgen und Zeitarbeit. Die Tafeln mit ihren deutschlandweit 60 000 Helfern könnten die Armut nicht beseitigen. "Das ist Aufgabe des Staates." Aber sie würden die akute Not lindern.

Versagen der Politik

Emil Müller nahm als Vertreter des Landrats das Stichwort spontan auf. "Die Tafeln sind ein Zeichen für das Versagen der Politik." Dem Staat sei es nicht gelungen, die Schere zwischen Arm und Reich zu schließen. "Die Tafel gibt der Armut ein Gesicht. Es wäre schön, wenn wir sie nicht bräuchten." Das Rotkreuz-Orchester unter Leitung von Alexander Wachsmann und die Flying Jazz Band lieferten das musikalische Beiprogramm.