Menschen aus fast zwölf Nationen leben im Hammelburger Asylbewerberheim unter einem Dach. Beim Begegnungsfest, das der Freundeskreis für Flüchtlinge mit den Asylbewerbern für Nachbarn und Bürger organisiert hatte, zeigte sich diese Vielfalt vor allem kulinarisch. Jede Schüssel des Buffets war das Reiseticket in ein anderes Land. "Ich war vor allem neugierig auf die unterschiedlichen Gerichte", sagte Lena Hose.
Die Schülerin war extra aus Aura zu dem Fest gekommen.

Eine Attraktion boten besonders die Äthiopier in ihren originalen Gewändern: Tsehay Getaneh röstete in einer Kasserolle Kaffeebohnen. Sie zeigte eine traditionelle Kaffee-Zeremonie, wie Theodros Shiferaw erklärte. Er sei wegen der politischen Umstände aus Äthiopien geflohen sagte Shiferaw. "Ich liebe mein Land, aber nicht meine Regierung. In meinem Land gibt es keine Demokratie."

Shiferaw und die anderen Asylbewerber luden die Gäste immer wieder dazu ein, die zubereiteten Speisen zu kosten. Das Fest war von einer großen Herzlichkeit geprägt. Als es mit den abziehenden Wolken aus dem Gemeinschaftsraum des Wohnhauses nach draußen verlegt wurde, bekam es eine weitere ausgelassene Note: Frauen aus Tschetschenien zeigten einen Volkstanz.

Die Flüchtlinge ließen sich auch immer wieder mit und von den Mitgliedern des Freundeskreises zur Erinnerung fotografieren. Denn in den Wochen seit der Ankunft der ersten Asylbewerber sind Freundschaften entstanden. Eine Begegnung mit den Bewohnern des Heims ist nicht schwer. Norbert Binder und Hans Roth spielen mit einer Gruppe zum Beispiel regelmäßig Schach. "Wir verständigen uns mit Händen und Füßen. Es funktioniert immer irgendwie", erklärte Roth. Victor Lomakin aus der Ukraine ist Schlagzeuger in der Stadtkapelle. Maria Albrecht-Martin hat eine Äthiopierin zufällig im Krankenhaus getroffen und sich mit ihr angefreundet, wie sie berichtet. Und das Ehepaar Kühnlein kennt einige Asylbewerber aus dem Café Hoffnung. Das Paar will sie auch einmal zu einem Besuch zu sich nach Hause einladen.

Doch der Freundeskreis weiß auch, dass die Freundschaften jäh enden können. So ist ein tschetschenischer Vater mit seinem Sohn bereits nach Polen rückgeschoben worden, wie es in der Amtssprache heißt, weil er dort zuerst einen Asylantrag gestellt hatte.

Rezept:
Margit Pfisterer hat versucht einige Rezepte von den Asylbewerbern zu bekommen. Zum äthiopischen Nationalgericht hat sie aufgeschrieben: Ganz viele Zwiebeln klein schneiden, 4 bis 5 Stunden mit süßem Paprika rösten bis alles dunkel wird. In der Zwischenzeit drei Hühner zerteilen, mit Zitrone und Limone einweichen und so oft waschen bis kein Blut mehr im Fleisch ist. Es ist danach weich und geruchlos. Das Fleisch wird dann gegart und kommt gewürzt mit Knoblauch, Zimt, Salz, gemahlenem Muskat und Nelkenpulver zusammen mit hart gekochten Eiern in große Schüsseln. Dazu gibt es eine Art Pfannkuchen, die mit Limonensaft gewürzt sind, und Hefefladenbrot mit Sesam vom Blech.