Nach acht Jahren hat Pfarrer Georg Kisitzky (65) Bad Kissingen wieder verlassen. Der Priester der ungarisch-orthodoxen Kirche zelebrierte in der Kapelle des Elisabeth-Krankenhauses seinen Abschiedsgottesdienst. Seit Jahresbeginn wohnt er in Villingen-Schwenningen.

"In erster Linie bin ich Gott verantwortlich, erst dann meinen kirchlichen Vorgesetzten", sagt er. Dieses gesunde Selbstbewusstsein hat nicht jedem in der Diözese gefallen.
Er verlasse Bad Kissingen "aus schwerwiegenden Gründen", sagt er dazu. Das ist alles. Er hat mit Bad Kissingen abgeschlossen.

Acht Jahre war er Seelsorger am Krankenhaus. "Ich überrolle die Menschen nicht mit religiösen Themen." Der Pfarrer kümmerte sich um alle Patienten. "Ich habe nicht nach Glaubenszugehörigkeit sortiert." Seinen Vorgesetzten wäre es anscheinend lieber gewesen, wenn er sich vorwiegend um die Katholiken gekümmert hätte. Schmunzelnd erinnert sich allerdings Kisitzky an seine Gespräche mit einem Moslem. Der versprach ihm zum Abschied sogar, in die Kapelle zum Gottesdienst zu kommen: "Jetzt will ich sehen, wo du arbeitest."

Manchmal auch geschmunzelt

Doch es gab nicht viele Gelegenheiten zum Schmunzeln in Kisitzkys Krankenhausalltag. Seine Haupteinsatzgebiete waren seit 2007 die Notaufnahme und die Intensivstation. "Es ist auch für mich immer noch ein harter Brocken, wenn jemand stirbt", kommt beim Pfarrer die sensible Seite zum Vorschein. Sterbende kann man nicht mit einem Gebet abspeisen, weiß der Gottesmann. "Mein Dienst war eine harte Schule für mich."

Viele Weiterbildungen

Um mit den Patienten richtig umgehen zu können, hat er Weiterbildungen in Gesprächstherapie, in psychosomatischer Grundversorgung und Palliativpflege gemacht. Seine Charakterstärke hilft ihm. Er sei stabil, sagt Kisitzky von sich selbst, und hart im Nehmen. "Man kann mich nicht so schnell aus der Ruhe bringen." Aber grenzenlos ist seine emotionale Aufnahmefähigkeit auch wieder nicht. "Fünfmal kann ich schlucken, aber dann ist auch bei mir eine Grenze erreicht." Dies scheint irgendwann im Umgang mit seinen Vorgesetzten so gewesen zu sein. Jedenfalls quittierte er zum Bedauern vieler Kissinger nach acht Jahren den Dienst in der Kurstadt - "auf eigenen Wunsch".

Streitbare Persönlichkeit

Kisitzky ist zweifellos eine streitbare Persönlichkeit - und eine Besonderheit. Denn im Unterschied zu seinen römisch-katholischen Amtskollegen ist er verheiratet. Bis 1980 arbeitete er im damals kommunistischen Ungarn als Ingenieur. Priester durfte er nur am Wochenende sein. Als man ihn zwingen wollte, in die Kommunistische Partei einzutreten, setzte er sich nach Deutschland ab. Ehefrau Georgina war in Bad Kissingen zunächst Chefärztin der Orthopädischen Klinik im Recuro Reha- und Präventionszentrum, ab 2011 Chefärztin der Geriatrie im Rehabilitations- und Präventionszentrum Bad Bocklet.

Als Rentner weitermachen

Als die Entscheidung zum Wechsel getroffen war, fand Georgina Mihalka-Kisitzky sofort eine gleichwertige Anstellung in Villingen-Schwenningen. Pfarrer Georg Kisitzky ist ab Februar offiziell in Rente. "Aber ich will weitermachen." Erst einmal muss er die Angebote der Diözese Freiburg abwarten. Er wird auf keinen Fall das erstbeste annehmen. "Es ist immer ein Geben und Nehmen." Er will mit der Diözese "einen gemeinsamen Nenner" finden, sagt er und wiederholt: "Ich fühle mich vor allem Gott gegenüber verantwortlich."