Die Frage nach bezahlbarem Wohnraum ist in der Kurstadt schon länger ein Thema. Die Einwohnerzahlen sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, aktuell haben annähernd 23.000 Menschen ihren Hauptwohnsitz in Bad Kissingen. Die Preise für Immobilien hatten in der Region zuletzt überproportional angezogen und eine Wohnungsmarktanalyse, die die Stadt in Auftrag gegeben hatte, kam 2019 zu dem Ergebnis, dass 1200 Wohnungen zusätzlich bis zum Jahr 2035 entstehen müssen.

Auch im Stadtrat gab es in der jüngsten Sitzung eine größere Aussprache zum Thema Wohnen. Auslöser war ein Antrag, den die Fraktionsgemeinschaft aus CSU und Bürgerliste Zukunft Bad Kissingen gestellt hatte. Sie fordert, dass die Wohnbevölkerung sich verjüngen müsse, um "ein ausgewogenes Bevölkerungsverhältnis der Generationen" zu erreichen. Es brauche mehr junge Einwohner, um den Arbeitskräftebedarf vor allem in den Gesundheitsberufen, in der Touristik, in der Gastronomie und im Dienstleistungssektor zu decken. Um junge Menschen und Familien von Bad Kissingen als Wohnort zu überzeugen, brauche es Angebote in Kultur, Gastronomie und Unterhaltung, vor allem aber bezahlbaren Wohnraum. "Für uns ist es wichtig, die Attraktivität für die Jungen zu erhöhen und Konsens im Stadtrat herzustellen", erläuterte Antragsteller Michael Lang (Zukunft Bad Kissingen).

Lang macht sich dafür stark, dass die Stadt mehr für Mehrgenerationen-Wohnprojekte unternimmt, etwa in den jetzigen Henneberg-Schulhäusern in Garitz, Reiterswiesen und Arnshausen, sobald sie nach dem zentralen Schulneubau leer stehen werden. Zusammen mit der gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (Gewo) solle zudem Wohnraum beispielsweise für Auszubildende, junge Erwachsene und Alleinerziehende geschaffen werden.

Einigkeit bei den Zielen

Unterstützung für das Anliegen gab es von allen Fraktionen, wobei die AfD auf der Sitzung nicht vertreten war. "Von der Zielsetzung her sind wir uns einig", betonte auch Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD). Ein Mehrgenerationen-Projekt könne er sich gut im geplanten Neubaugebiet Stögerstraße II vorstellen, nördlich der ehemaligen Kaserne. Eine Debatte über die Schulhäuser ergibt aus seiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn, dem Neubau räumt er im Moment die größere Priorität ein. Bei der Gewo habe er entsprechende Überlegungen nach bezahlbaren Wohnraum in die Planung eingebracht. Laut Oberbürgermeister bemüht sich das Rathaus ohnehin um die jüngere Bevölkerungsgruppe. Diese Aufgabenstellung sei sehr facettenreich. Er schlug vor, dass die Verwaltung künftig einmal im Jahr im Stadtrat berichtet, was in diesem Zusammenhang realisiert wird und was geplant ist.

CSU-Sprecher Steffen Hörtler warf ein, dass seine Fraktion sich "konkrete Vorschläge mit konkreten Projekten" wünscht. Ein Mehrgenerationen-Projekt irgendwann im Neubaugebiet Stögerstraße II sei ihm zu vage und zeitlich zu weit entfernt. Die Stadt solle solche Projekte auch an anderer Stelle prüfen. "Wir sehen einen frühzeitigen und kurzfristigen Handlungsbedarf", kritisierte er.

Letztlich gab sich die Fraktionsgemeinschaft mit dem Vorschlag von Vogel zufrieden, dass die Verwaltung regelmäßig über Projekte für eine jüngere Bevölkerung berichtet .

Leerstände im Kurgebiet

Ein zweiter Antrag von CSU und Zukunft Bad Kissingen zielt auf die Beseitigung von Leerständen. Dass das geplante Gewerbegebiet im nördlichen Bereich der Kaserne aus Naturschutzgründen deutlich kleiner wird als ursprünglich erhofft, dass der Welterbestatus die Entwicklungsmöglichkeiten bei der Wohnraum und Gewerbeentwicklung einschränkt, erfordere neue Lösungen, betonen Steffen Hörtler und Michael Lang in dem Antrag.

Neben der langfristigen Entwicklung neuer Baugebiete müsse die Stadt sich stärker darauf konzentrieren, Leerstände und ungenutzte Flächen zu beleben, um Wohnungen und Gewerbeflächen parat zu haben.

Der Oberbürgermeister entgegnete darauf, dass das Rathaus bereits einen aktiven Umgang mit Leerständen pflegt und diese gerade im Bereich der Innenstadt kein großes Problem darstellen. Zudem wurde 2020 ein Leerstandskataster aufgesetzt. Gleichzeitig räumte Vogel ein, dass es abseits der Innenstadt, etwa im Kurgebiet oder bei historischen Gebäude wie alten Kurhäusern und Sanatorien in der Welterbeschutzzone Probleme mit Leerständen gibt. Er schlug auch hier vor, dass die Wirtschaftsförderung der Stadt regelmäßig über das Thema Leerstände im Stadtrat berichtet und außerdem das Leerstandskataster auf das Kurgebiet und die Welterbeschutz- und Pufferzone ausdehnt.

Der Vorschlag wurde im Gremium bei zwei Gegenstimmen angenommen. Andreas Kaiser (Freie Wähler) zeigte sich mit der Diskussion unzufrieden. Um die Leerstände gerade im Kurgebiet zu beseitigen, brauche es eine grundsätzliche Diskussion über den Sinn des Kurgebietes, kritisierte er.