Mittwochabend hat Lothar Brehm keine Zeit. Dann sitzt der 69-Jährige auf seinem Rad und ist in der Region unterwegs. Nicht nur bei Sonnenschein, sondern auch bei Nieselregen, so wie diese Woche.
Gut ein Dutzend Gleichgesinnte begleiten ihn. Mal sind es mehr, mal weniger. Sie nennen sich die "Mittwochsradler" und sind zwischen April und Oktober eben an diesem Wochentag ab 18 Uhr auf Tour. Im Herbst, wenn es abends früher dunkel wird, starten sie auch schon mal um 17 Uhr.

"Zu Saisonbeginn legen wir Strecken so um die 30 Kilometer zurück, steigern unser Pensum später dann auf bis zu 50 Kilometer", erklärt der ehemalige Finanzbeamte. Ausgangspunkt jeder Radtour ist das "Glöckle" in Wollbach. "Dort beratschlagen wir zunächst gemeinsam, wohin wir fahren", sagt Brehm.
Jeder Mittwochsradler hat da so seine Ecke, in der er sich gut auskennt. Klaus Schmitt beispielsweise sei Fachmann für die Wege im Klauswald, Waldemar Bug, der Bürgermeister, ist mit dem Bad Brückenauer Raum gut vertraut. Dennoch gibt es auch einige Standard-Touren, die die Truppe immer wieder und auch gerne zurücklegt. "Einmal im Jahr fahren wir zum Kreuzberg hinauf und zum Wittelsbacher Turm", erzählt Lothar Brehm. Besonders beliebt bei den Radfreunden ist die Strecke nach Bad Neustadt. "Denn dort essen wir immer ein Eis."
Zwischen zwei und dreieinhalb Stunden sind die Radler jedes Mal unterwegs. Für die Tour zum Kreuzberg brauchen sie nicht ganz zwei Stunden. "Wir fahren normales Tempo, nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam", fügt er hinzu.


Straßen möglichst vermeiden

Bei ihren Touren fahren die Mittwochsradler meistens auf Feld- oder Flurwegen, versuchen, soweit es eben geht, Straßen zu vermeiden, was aber nicht immer gelingt.
2002 hat Lothar Brehm die Mittwochsradler ins Leben gerufen. "Ich fahre gerne Rad, auch mal alleine. Aber in Gemeinschaft macht es mehr Spaß." Anfangs sind etwa vier bis sechs Gleichgesinnte mitgeradelt, inzwischen begleiten ihn zwischen zehn und fünfzehn Radfreunde. Die Jüngste ist 46 Jahre alt, der Älteste 78 Jahre. "Das ist der Horst Plenz aus Wollbach. Er ist auch der Fitteste von uns", so Brehm.


Lockeres Miteinander

Großartig organisiert sind die Mittwochsradler aber nicht, gehören keiner Vereinigung an. Aus welchem Ortsteil man kommt, ist egal. "Wir pflegen vielmehr ein lockeres Miteinander. Es kann jeder mitradeln, der halbwegs fit ist." Und das kommt an. So gut, dass die Truppe nun schon seit einigen Jahren sogar gemeinsam Drei-Tages-Touren unternimmt.
Am Freitag, 3. Juni, sind die Mittwochsradler zu ihrer diesjährigen Radreise aufgebrochen. Neun Uhr war Treffpunkt an der Wollbacher Siebenschmerz-Kapelle, von dort ging es Richtung Bad Neustadt und weiter zur ehemaligen innerdeutschen Grenze. Denn diesmal sind die Sportfreunde in Thüringen unterwegs, radeln um Meiningen, Zella-Mehlis und Suhl herum, kehren am Sonntag, 5. Juni, zurück.
"Wir waren auch schon in der Würzburger Gegend, in Bamberg, Fulda oder Karlstadt", nennt Brehm die bisherigen Ausflugsziele. Bei diesen Radreisen legen die Radler pro Tag durchschnittlich etwa 80 Kilometer zurück. "Es waren auch schon mal 120 Kilometer. Doch das war zu viel", erinnert er sich. Schließlich wolle man die Ausflüge genießen und abends nicht vor Erschöpfung in die Betten fallen.
Die stehen diesmal in Vachdorf, einem kleinen Ort zwischen Mellrichstadt und Suhl. Viel Gepäck brauchen die Radler für diese Reise nicht. "Etwas Wäsche zum Wechseln reicht", erklärt Lothar Brehm. Er packt sich für die Abende noch eine lange Hose ein. "Denn die werden immer sehr gemütlich", sagt er. Dann verwandeln sich die Sport- nämlich in Sangesfreunde. "Und ein Schnäpschen gibt es auch."