Alle Blicke nach oben. Nur kurz summt der Elektromotor. Das große Ziel: im Aufwind schweben. Sie jagen nach der Thermik. Beim Ferienprogramm wollen die Oerlenbacher Modellflieger ein paar Jungs mit ihrem Fieber anstecken. "Du musst versuchen, immer die gleiche Höhe zu halten", sagt Markus Dinnebier, er leitet den Verein der Modellsportler. Neben ihm steht Tom. Der Zwölfjährige aus Rottershausen hat nicht zum ersten Mal die Schalthebel zwischen seinen Fingern.
Er hat schon beim Ferienprogramm im vergangenen Jahr durchschaut, auf was es den Modellfliegern ankommt.

Zum Ferienprogramm des Oerlenbacher Modellsportvereins sind acht Jungs auf den "Heuberg" gekommen. Die Sonne brennt. Perfektes Wetter. Schatten gibt es auf der freien Fläche bei Ebenhausen nicht. Bäume stören bei diesem Hobby bloß. Frauen dagegen gar nicht, meint Walter Rügamer. "Die sind genauso technisch aufgeschlossen", sagt er. Zum 20. Ferienprogramm bleiben die Männer trotzdem unter sich.


Generation Playstation

"Es ist cool", sagt Marcel. Er hat die Steuerung gerade aus der Hand gelegt. Er kennt das Gefühl. Zu Hause fliegt er mit einem Modell-Hubschrauber. "Man muss ruhig bleiben und darf die Kurven nicht so hart nehmen." Feingefühl ist es, was zählt, meint Markus Dinnebier. "Bei der Playstation-Generation fehlt das." Er selbst hat mit dem Sport angefangen, als er 15 Jahre alt war. "Das Gefühl entwickelt sich. Aber nicht schon nach einem Tag", sagt er und lacht.

Bevor die Jungs auf die Flieger losgelassen werden, bekommen sie eine Theorie-Unterrichtseinheit. Was steckt in den kleinen Flugzeugen? Wie steuern Quer-, Seiten und Höhenruder? Wie reagiert die Fernbedienung? "Es ist ein Hobby, das unsere Jugend mal wieder nach draußen lockt", sagt Klaus Spath. Besonders während der Ferien - weg vom Bildschirm. Mehr noch: "Es fordert Geschick, und man muss sich Fingerfertigkeit aneignen."


Zu dritt in der Luft

Raus auf den verbrannten Rasen, Fernsteuerung um den Hals und "Start frei". Gleichzeitig sind drei Flieger in der Luft. Schüler und Lehrer stehen nebeneinander. Jeder hat eine Fernbedienung vor sich. Beide sind miteinander verbunden. Wird es brenzlig, klinkt der Lehrer den Schüler aus und behält die Kontrolle. "Es ist wie fliegen, nur im Kleinformat", sind sich die Männer einig, die den Jungs Flugstunden geben. Für Markus Dinnebier ist es mehr als das.

"Hier krieg' ich den Kopf frei." Ruhe und Entspannung nach der Arbeit findet er beim Sport und am Steuerhebel. Tom aus Rottershausen weiß, wovon der Vereinsvorsitzende spricht. "Wenn ich das machen kann, fühle ich mich frei." Auch wenn die Freiheit bei dem zwölfjährigen Schüler noch ab und zu mit zerbrochenen Lampen endet - mit dem Fieber der Modellflieger wurde er schon angesteckt.