Olymp ist in der griechischen Mythologie der lichterfüllte Wohnort der Götter und wer da hinaufwill, dem hat das Schicksal zwar schon viel Talent in die Wiege gelegt, aber der Weg ist weit und die Hürden sind auch beim Kissinger Wettbewerb hoch, sehr hoch. Üben, üben und nochmals üben, Meisterkurse besuchen, vorspielen und an Wettbewerben teilnehmen, durch diese Tretmühle müssen sie alle. Zunächst gilt es im Rossinisaal beim Rezital in Form zu sein und dann am Sonntag im Max-Littmann-Saal beim Konzert aller Teilnehmer Fachjury und das Publikum endgültig zu überzeugen und vielleicht einen der drei Preise oder den Publikumspreis zu gewinnen. Einige der bisherigen Preisträger, wie etwa Martin Helmchen, Herbert Schuch oder der omnipräsente Igor Levit spielen tatsächlich in der Champions League der Tastenlöwen.

Sechs Hochbegabte aus fünf Ländern

Wer von den sechs Hochbegabten zwischen 18 und 27 Jahren in diesem Jahr am Ende triumphiert ist nicht so wichtig, wie die Teilnahme selbst. Auch die vorgenannten Größen haben nicht alle in Kissingen gewonnen. Aber in der künstlerischen Vita macht es schon was her, wenn statt Teilnahme doch Preisträger steht. Ihre musikalische Visitenkarte geben in diesem Jahr Gustav Piekut aus Dänemark, Dmytro Chony aus der Ukraine (springt für die erkrankte Gile Bae ein), Sandro Nebieridze aus Georgien, Landsmann Giorgy Gigashvili. Aus Stuttgart ist Josefa Schmidt gekommen und Xiaolu Zang hat den weiten Weg aus der chinesischen Provinz Hebei nicht gescheut, um Vorzuspielen. Banges Warten auf Giorgi Gigashvili, der nicht zu erreichen war. Die Zuganreise klappte nicht wie erwartet und er musste in Aschaffenburg ein Taxi nehmen, war am Abend bei der Eröffnung aber dabei. Alle sind bereits vielfach in nationalen und internationalen Wettbewerben ausgezeichnet worden, haben mit bedeutenden Orchestern gespielt und in renommierten Musiktempeln auf sich aufmerksam gemacht. Für eine knappe Woche wohnen alle im Hotel Kaiserhof Viktoria, einem der Sponsoren des überwiegend aus Mitgliedern des Fördervereins Kissinger Sommer getragenen und privat finanzierten Wettbewerbs. Intendant Alexander Steinbeis hat Talente nicht nach Kriterien wie etwa "Russische Schule" oder "Lyriker" eingeladen, sondern junge Persönlichkeiten, deren Ausbildung weitestgehend abgeschlossen ist, die Haltung und Wirkung versprechen und mit dem Publikum agieren können. Mozart oder Beethoven ist verlangt und ein Stück, das nach 1950 entstanden ist. Das nehmen sie alle aber entspannt, doch so locker, wie beim Kennenlernen im Kaiserhof Victoria wird's dann aber bei den Rezitals im Rossini Saal und beim Abschlusskonzert nicht bleiben, dort müssen sie die Fachjury und das Publikum überzeugen, aber Klassikfans lechzen nach Livemusik und welcher Konzertbesucher freut sich nicht auf jugendliche Frische?

Alexander Steinbeis, Intendant des Kissinger Sommers, Ulrich Hauschild, Manager des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, Sonia Simmenauer, Geschäftsführerin Impresariat Simmenauer, Manuel Brug, Musikkritiker der überregionalen Zeitung Welt und Welt am Sonntag sind die Juroren. Man tauscht sich zwar aus, aber bewertet wird erst, nachdem alle gespielt haben und oft gibt erst das Abschlusskonzert letzte Entscheidungshilfe. Kleine Besonderheit: Zuhörer, die alle Konzerte besucht haben, vergeben den Publikumspreis. Der Ort des Gruppenfotos, zu dem der neue Intendant Steinbeis und Assistentin Elke Buscham bitten, nimmt die Symbolik des Götterhimmels auf. Die Stars von morgen postieren sich auf halber Höhe der malerischen Jugendstil Innentreppe des Hotels. Die Tür zum "Pianisten Himmel" steht ein Stück offen, allerdings einige Stufen weiter oben.

Der Gewinner oder die Gewinnerin tritt im Kissinger Sommer 2022 mit großem Orchester auf, die anderen Preisträger geben gemeinsam zwei Rezitals. Durch Kooperationen mit anderen Festivals sind Anschlussvermittlungen in Aussicht. Kissingen ist gesuchtes Sprungbrett für junge hochbegabte Pianistinnen und Pianisten.