Garitz — In drei Wochen sind Osterferien. Wer betreut in den zwei Ferienwochen jene Ganztagsschüler, deren berufstätige Eltern keinen Urlaub nehmen können? Dieses drängende Problem diskutierten auf Einladung von Yvonne Kiesel, Elternsprecherin der Henneberg-Grundschule in Garitz, und Schulleiterin Hannelore Bauer einige Elternvertreter, Grundschulrektoren und Mitarbeiter der Stadtverwaltung.
Ferien sind die schönsten Wochen des Jahres.
Dies gilt zweifellos für die Schüler, nicht aber für Alleinerziehende. "Ich habe weinende Mütter vor mir sitzen gehabt", machte Schulleiterin Hannelore Bauer die etwa 20 Teilnehmer der Gesprächsrunde auf Härtefälle aufmerksam. Manche Mutter ist verzweifelt, wenn in den Ferien die schulische Ganztagsbetreuung entfällt, sie selbst aber keinen Urlaub bekommt.
Doch auch für berufstätige Elternpaare sind die Ferienzeiten ihrer Ganztagsschüler ein schwieriges Problem. "Mein Mann und ich wechseln uns mit Urlaub ab", berichtete eine Mutter. "Aber so viel Urlaub hat doch niemand." Immerhin sind es übers Jahr 13 Ferienwochen, in denen Ganztagsschüler ohne pädagogische Aufsicht und Anleitung wären.
Das Problem stellt sich eher für sechs- bis zehnjährige Grundschüler, sind sich Eltern und Pädagogen einig, nicht so sehr für die älteren. Doch auch einen Zehnjährigen könne man in der Ferienzeit nicht einfach in einer Kita abgeben. Erstens fühle sich der Grundschüler neben den Kleineren fehl am Platz, zweitens passe er dort auch nicht ins pädagogische Konzept. Außerdem sei es ohnehin unmöglich, einen Platz nur für die Ferienwochen zu bekommen, weiß ein Vater aus eigener Erfahrung. "Die Kindergärten sind voll."

Nicht zu Ende gedacht

Doch Stadtjugendreferent David Rybak will dies prüfen. Er verteidigt die Stadtverwaltung gegen Vorwürfe, die Stadt habe die Entwicklung verschlafen. Auch Hannelore Bauer will die Stadt nicht zum Sündenbock machen. "Der Staat gibt schulische Neuerungen vor und die Kommunen müssen alles ausbaden." Doch bleibt der Vorwurf der Eltern: "Das System der Ganztagsschule ist nicht zu Ende gedacht." Was nützt die ganztägige Betreuung während der Schulzeiten, wenn es für die Ferien keine gleichwertige Lösung gibt?
Ein Lösungsversuch kommt vom Bad Kissinger Generationennetz. Zumindest im Sommer bietet der gemeinnützige Verein vom 18. bis 29. August den Grundschülern eine Ferienbetreuung an (pro Woche 40 Euro). Allerdings wunderte sich Christine Müller, dass trotz Verbreitung des Angebots über die Schulen des Landkreises bisher nur zehn Anmeldungen vorliegen.
Dieses Angebot habe die Eltern gar nicht erreicht, war von deren Sprechern zu hören. Außerdem sei das Generationennetz keine amtliche Institution. "Das wäre für mich eine Hemmschwelle, mein Kind dort einfach abzugeben", sagte eine Mutter.
Auch wenn es in Bad Kissingen zahlreiche Ferienangebote für Kinder gebe, die David Rybak locker aufzählte (siehe unten), kam die Forderung nach zentraler Organisation durch die Stadtverwaltung. Außerdem seien dies Einzelangebote. Sie würden jedoch nicht das allgemeine Problem der fehlenden Ferienbetreuung lösen.

Woher soll das Geld kommen?

Rybak sagte zu, die von den Gesprächsteilnehmern geforderte Bedarfsanalyse durchzuführen: "Wir basteln schon daran." Als Betreuungsraum würde sich das JuKuz mit angrenzendem Abenteuerspielplatz anbieten. Doch das eigentliche Problem sei die Bezahlung des Aufsichtspersonals. "Woher soll das Geld kommen?", fragte der Jugendreferent. Hier würde sich eine Drittellösung durch Stadt, Staat und Eltern anbieten, erwiderte Stadträtin Karin Renner: "Wie in anderen Fällen auch."
Doch die Umsetzung aller Ideen brauche ihre Zeit, wussten die Teilnehmer. "Was machen wir mit den akuten Härtefällen?" wiederholte Bauer deshalb ihre Anfangsfrage. Es sollten andere Mütter befragt und ein Netzwerk gebildet werden, kam der Vorschlag einer Mutter, um solche Kinder aufnehmen zu können. "So arbeiten wir Mütter doch schon seit 100 Jahren."
Nach zweistündiger Diskussion, die in ihrer Lebendigkeit die Dringlichkeit einer Problemlösung deutlich machte, trennte man sich in der Hoffnung, bald eine Lösung zu haben, die für alle Ganztagsschüler in Bad Kissingen gültig ist. Aber: "Fangen wir erst mal im Kleinen und mit dem Machbaren an", ermunterte Elternsprecherin Kiesel. Daraus könne sich dann eine große Lösung entwickeln. "So sind wir bei Einführung der Ganztagsschule doch auch vorgegangen."