Mensch, bist du ein Schwein, möchte man beim Anblick dieses Fotos meinen. Es zeigt die Schutzhütte auf dem Sinnberg bei Bad Kissingen. Kippen, Flaschen, Plastik, Pappe - Überreste einer Party, für die sich offensichtlich niemand zuständig fühlt und die einfach stehengelassen wurden. Leider ist das kein Einzelfall.

Wanderer und Spaziergänger sind sauer, wie Peter Bergmann aus Oerlenbach. Der stieß am Sinnberg auf die Sauerei. Neben leeren Flaschen, leeren Bierkästen, Zigarettenstummeln und einer Warnbake lagen noch zahlreiche Scherben. "Ich habe ja nichts gegen Feiern, aber danach sollte man seinen Abfall wieder mitnehmen, die Warnbake bei der Polizei abgeben, damit sie wieder an Ort und Stelle angebracht wird", sagt Peter Bergmann. "Das hinter der Hütte zerschlagene Glas sollte wegen der Verletzungsgefahr der Tiere und der entstandenen Waldbrandgefahr ebenfalls umgehend entfernt werden", meint er.

Die Legende um die Glasscherben

Aber: Was ist eigentlich dran an dem Waldbrand, den eine Glasscherbe entzündet hat? Zunächst ist es richtig, dass Glas Sonnenlicht so fokussieren kann, dass sich Feuer entzünden lässt. Aber: "Das klappt nicht mit jedem Glas", sagt Stadtbrandinspektor Harald Albert. Dafür, dass sich ein Brand entfacht, muss einiges zusammenkommen. Eine Lupe - mit konvex geschliffener Linse - kann die Energie des einfallenden Sonnenlichts so stark bündeln, dass die Zündtemperatur überschritten wird und brennbares Material Feuer fängt. Allerdings haben die meisten Scherben im Wald wenig mit konvex geschliffenen Linsen gemeinsam.

Das haben auch Praxistests ergeben. Harald Albert verweist dabei auf ein Experiment des Deutschen Wetterdiensts. Die Forscher nutzten unterschiedliche Flaschen und deren Böden dafür. Die Flaschenteile kommen der Form eines Brennglases am nächsten. Die Scherben wurden in einem idealen Winkel zur Sonne in 20 bis 30 Zentimeter Höhe aufgehängt. Liegen die Scherben auf dem Boden, können sie nicht wie ein Brennglas arbeiten. Anschließend richtete man die gebündelten Lichtstrahlen auf unterschiedliche Materialien, die sich auf einem trockenen Waldboden finden lassen - darunter Fichten. und Kiefernadeln, Laub, Gras , Moos und Heidekraut. Keines der improvisierten Brenngläser führte zu einem Brand. Die Bilanz der Forscher: Es sei sehr unwahrscheinlich, dass Glasscherben Waldbrände auslösen. "Weggeschnippte Zigarettenkippen, unerlaubte Lagerfeuer, heiße Katalysatoren - die Unachtsamkeit der Menschen ist gefährlicher", sagt Harald Albert. "Trotzdem sollte man aus Rücksicht auf die Natur und andere natürlich keinen Müll achtlos wegwerfen."

Verursacher schwer zu erwischen

Laut Thomas Hack, dem städtischen Pressesprecher, komme es hin und wieder zu Verschmutzungen der Schutzhütten. Eigentümerin der sechs Hütten ist die Stadt. Für die Reinigung und Instandsetzungsarbeiten rückt dann die Staatsbad GmbH an. Denn manchmal bleibt es nicht nur beim Müll, sondern die Feiernden beschädigen die Hütten auch. "Die Schadensverursacher sind meist nicht feststellbar. Erforderliche Reinigungs- und Instandsetzungsarbeiten müssen dann von der Allgemeinheit bezahlt werden. Verhindern lassen sich solche Verhaltensweisen schwerlich", sagt Thomas Hack. "Ein Ansatz wäre ein verbessertes Umweltbewusstsein."