Mit 65,1 Prozent liegt die Wahlbeteiligung zwar über dem landesweiten Schnitt von 63,9 Prozent, trotzdem ging auch im Landkreis mindestens jeder dritte Wähler nicht zur Wahl. Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren gingen immerhin noch 74,1 Prozent der Wähler im Stimmkreis Bad Kissingen zur Wahl.

"Das Wahlrecht ist im Grundgesetz garantiert, jeder Bürger sollte dieser Verantwortung nachkommen", ruft etwa Sebastian Krahn zum Wählen auf.
Krahn unterrichtet am Bad Kissinger Jack-Steinberger-Gymnasium Sozialkunde, Deutsch und Geschichte. "Bei der Bundestagswahl hat jeder die Möglichkeit, "das politische Leben aktiv mitzugestalten".

Auch Kirchen rufen zur Wahl auf

"Da wird über politische Grundfragen entschieden, die uns alle betreffen", wirbt auch Krahns Kollege Max Spänkuch-Voit, der ebenfalls Sozialkunde unterrichtet. "Wir versuchen im Unterricht natürlich, das Thema Wählen-Gehen zu behandeln", sagt er, obwohl seit Einführung des G 8 nur noch wenige Schüler auch wirklich ins Wahlalter kommen. Lässt das Interesse am Politik-Geschäft unter den Jugendlichen nach? "Wenn man politisches Leben offener sieht, kann man das gar nicht so sagen", lautet die Einschätzung von Lehrer Spänkuch-Voit. Soll heißen: Selbst wenn die Mitgliedschaft in Parteien oder Organisationen zurückgehe, würden sich Jugendliche durchaus ehrenamtlich und für das Gemeinwohl engagieren.

"Unsere Vorfahren haben jahrhundertelang dafür gekämpft, dass wir dieses Kreuzchen machen können", sagt auch die evangelische Zeitlofser Pfarrerin Barbara Weichert. Deshalb habe sie sogar im Pfarrbrief die Gemeindemitglieder dazu aufgerufen, an den Wahlen am vergangenen und kommenden Sonntag teilzunehmen. Das passe durchaus auch zu ihrem Glaubensverständnis: "Als Christen dürfen wir nicht einfach sagen: Das geht mich nichts an", sagt sie und hofft auf mündige Bürger, die ihre Entscheidungen genau abwägen.

"Bürgerpflicht"

In der Hoffnung auf eine hohe Wahlbeteiligung ist sich Weichert einig mit dem katholischen Diakon Christoph Glaser aus Bad Kissingen: "Ich bin froh und dankbar dafür, dass wir in einer Demokratie leben und wählen können", sagt Glaser. Und: "Ich sehe es als Bürgerpflicht, diese Verantwortung zu übernehmen." Interesse für Politik zu wecken, sei auch eine Aufgabe als Vater: Bereits sein elfjähriger Sohn interessiere sich für Wahlkampf-Sendungen. "Ich versuche, ihm möglichst viel zum Thema Wahl zu erklären", gibt sich Glaser Mühe.

In seiner Arbeit hat der Diakon eher mit Senioren zu tun: "Die Wahl am vergangenen Sonntag war natürlich sehr kompliziert", kann er nachvollziehen, dass sich der ein oder andere Wähler überfordert fühlte. Deshalb begrüße er auch, dass die Wähler mittlerweile ohne Angabe von Gründen die Briefwahl beantragen könne. Trotzdem gebe es viele Menschen, die ausgeschlossen seien: "Was mich nachdenklich macht, ist die Situation von Pflegebedürftigen", verweist Glaser auf seinen Arbeitsalltag.