Normalerweise kümmert die DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) sich bei ihrem Wachdienst an der Ostsee um Menschen. Diesmal wurde es haarig. Im Wasser schwamm kein Hund, keine Robbe, sondern ein Wildschwein. Der Bad Kissinger Ortsverband war zu dieser Zeit vor Ort. Mit baldigen Ende der Badesaison kommen die Mitglieder von ihren Diensten in Schönhagen an der Ostsee zurück und resümieren.

Markus Brandl von der Bad Kissinger DLRG hat dort gerade zwei Wochen verbracht erzählt: "Wir hatten im Endeffekt nur eine Minute Zeit, den Strand zu räumen." Der 46-Jährige funkte die Gruppe an - so waren fünf der sechs Rettungsschwimmer vor Ort. Einer hielt die Stellung an einem anderen Wachturm.

Mit Schaufel gewappnet

Während die Kissinger Rettungsschwimmer Strand und Wasser räumten, kam das Wildschwein näher: "Auf dem Weg zu uns ist es auf einen Badegast zugeschwommen, der sich noch im Wasser befand", erinnert sich Brandl. Dieser habe das Tier abwehren können.

Das nächstbeste, was ihm in die Hände kam - eine Schaufel - drückte der Rettungsschwimmer einem anwesenden Bauhofarbeiter in die Hand. Eine gute Idee, wie sich herausstellte: Als das Wildschwein aus dem Wasser rannte, lenkte der Bauhofarbeiter das Tier mit einem Schlag in die richtige Richtung und damit weg von der Gruppe an Kindern, die sich am Strand befanden.

Nicht das einzige Happening

Es rannte in Richtung eines Cafés und verschwand. Der Vorfall erregte nicht nur in den lokalen Medien Aufmerksamkeit, sondern auch RTL, Sat 1 oder Bild berichteten über die Bad Kissinger.

Und das sollte nicht ihre einzige tierische Erfahrung vor Ort bleiben.

Ein paar Tage später sahen die Bad Kissinger wieder etwas im Wasser: "Wir dachten uns, was kommt denn jetzt schon wieder." Als es am Strand ankam, stellte sich heraus, dass es sich um einen toten Schweinswal handelte. "Wir haben einen Teil des Strands abgesperrt.

Das Tier wurde dann von Bauhofarbeitern mit einem Radlager abtransportiert", erzählt der Vorsitzende der DLRG Bad Kissingen. Ansonsten hatten die Kissinger in der Saison mit fünf Lebensrettungen zu tun, dreimal kam der Notarzt, es gab eine Reanimation.

Helfer in allen Angelegenheiten

"Dazu gibt es noch die Alltagsgeschichten: Verletzungen an Fuß oder Hand, Schnittwunden, Wespenstiche, Fahrradunfälle an der Promenade." Manche kämen, um zu fragen, wo Strandkörbe zu mieten seien oder wo sie ein gutes Restaurant finden.

Fast alles können die Bad Kissinger beantworten. Denn die Gruppe bewacht seit vier Jahren den schönhagener Strandabschnitt, der etwa 50 Kilometer von der dänischen Grenze entfernt ist. Seitdem haben sie auch die Patenschaft für die Wachstation: Sie kümmern sich um alle Angelegenheiten, die die Station betreffen.

Spaß beim Wasserski

Aber es muss nicht immer ernst ablaufen: Dieses Jahr hat das Team einer Urlaubsgruppe von Rollstuhlfahrern ermöglicht, ins Wasser zu gehen. "Abends gibt es auch mal sowas wie Wasserski- oder Segelbootfahren. Oder wir spielen Wikingerschach am Strand", erzählt der 46-Jährige.

Von den ausgebildeten Rettern waren dieses Jahr die meisten ein bis vier Wochen in Schönhagen zum Wachdienst. In dieser Zeit fehlten sie in Bad Kissingen, wo derzeit in etwa 60 weitere Mitglieder zum freitagabendlichen Training kommen: Derzeit befänden sich noch fünf Personen an der Ostsee.

Fehlende Einnahmen durch Corona

"Das ist schon eine Doppelbelastung für uns. Außerdem haben wir in Bad Kissingen noch die Schnelleinsatzgruppe" Ihr letzter Einsatz war an der Saale bei Bad Bocklet. "Und wir wurden alarmiert vom Freistaat Bayern für die Coronatests." Diese werden von Vereinen wie dem Roten Kreuz oder der DLRG gestemmt. "Das wird am Bahnhof in Nürnberg sein. Wir mussten zwar noch nicht hin, aber es ist geplant, dass wir nachrücken." Das alles passiere ehrenamtlich.

Wegen der Coronabeschränkungen hat der Verein jedoch zu kämpfen: Ohne die dreimal jährlich stattfindenden Schwimmkurse und das 65-Plus-Programm fallen dem Verein circa 7000 Euro an Einnahmen weg. Eine geplante Gerätehalle muss noch warten.