Günther Hellmig könnte ein Buch schreiben. Das sagt er jedenfalls. Günther Hellmig ist Koch und Gastwirt und das eigentlich von Geburt an. Und in der Gastwirtschaft hat er mit seinen 52 Jahren schon so einiges erlebt. Heuer feiert sein Lokal das 50-jähriges Bestehen.

Bereits sein Urgroßvater, der Schmittles Joffer, hatte an gleicher Stelle eine Bierkneipe; Hellmigs Eltern machten aus der kleinen Schenke ein Speiselokal. Der Neubau erfolgte vor 50 Jahren.
Da war Günther Hellmig zwei Jahre alt. Seitdem ist er immer mittendrin im Geschäft und seit 1990 ist er der Chef; in der Küche steht er aber schon viel länger.

"Was ich in den 50 Jahren erlebt habe, kriegst Du in die Zeitung nicht hinein", meint Günther Hellmig. Tatsächlich, wenn er anfängt seine Geschichten zu erzählen, würden die wirklich die Zeitung sprengen. Und manche bleiben sowieso unter Verschluss - Wirtsgeheimnis sozusagen...
1963 wurde das heutige Gasthaus gebaut. Die alte Wirtschaft bestand eigentlich nur aus einem winzigen Raum und einem Tresen. An sie kann sich auch Günther Hellmig nicht mehr erinnern. Auf alten Fotografien ist zu erkennen, dass dort fast Wohnzimmeratmosphäre geherrscht hat.

Als die Schutzengelich kamen...

Seine Eltern allerdings wollten mehr als nur einen Ausschank und entschlossen sich zum Neubau. Sie bauten den Schmittles Joffer zum Speiselokal, dem Gasthaus Hellmig, um. Die erste Speisekarte hat Günther Hellmig aufgehoben. Schweineschnitzel mit gemischten Salat kostete damals 2,80 Mark, den Schweinebraten gab es für drei Mark und eine Suppe für 30 Pfennige. Die "Leberklößlessuppe" war unverzichtbar am Schutzengelfest, weiß Hellmig. Wenn in Münnerstadt dieser Feiertag gefeiert wurde, kamen viele Frauen aus der ganzen Rhön in Tracht. Günther Hellmig erinnert sich, dass die ersten früh um neun die Wirtschaft betraten, eine Suppe und ein Bier bestellten. Dazu wurde die mitgebrachte Brotzeit ausgepackt. "Diese Schutzengelich gibt es heute nicht mehr", bedauern Günther Hellmig und seine Frau Gertrud. Sie hat die letzten Frauen dieser Generation Anfang der 90er Jahre noch kennen gelernt.

Grillhähnchen waren ein Renner

Die moderne Küche hielt in den 60er Jahren im Gasthaus Hellmig in Gestalt von gegrillten Hähnchen Einzug. Sie entwickelten sich zum wahren Renner. "Nur die Oma hat geschänd, dass ihr so ein modernes Zeug nicht ins Haus kommt", weiß Hellmig. Für die Kinder waren die Hähnchen am Samstagabend aber eher ein Ärgernis. Da gab es immer Bestellungen und die mussten ausgetragen werden - ausgerechnet dann, wenn Tarzan auf dem Fernseher lief. Doch manchmal gab es dafür auch ein sattes Trinkgeld - "mehr als mein Vater am Hähnchen verdiente", schätzt Hellmig.

Doch der florierende Familienbetrieb erlebte auch schwere Zeiten. Bereits 1980 verstarb Günther Hellmigs Vater - unmittelbar bevor der Juniorchef seine Lehre als Koch abschließen konnte. Viel Zeit blieb dem damals 19-jährigen nicht, draußen in der Welt als Koch Erfahrungen zu sammeln. Nur eine kurze Hospitanz in Nürnberg war ihm nach der Lehre möglich. Dann musste er an den heimischen Herd, um mit seiner Mutter den Betrieb weiter zu führen.

1990 hat Christa Hellmig den Betrieb an ihren Sohn und seine Frau Gertrud abgegeben. Gemeinsam haben Hellmigs die zweite große Renovierung des Hauses vorgenommen. Es wurden neue Gästezimmer geschaffen. Und außerdem musste man auf den gestiegenen Anforderungen reagieren. "Früher waren die Leute froh, wenn ein Waschbecken im Zimmer war", erinnert sich Günther Hellmig noch. Doch dann brauchte man Zimmer mit Bad. Und heute habe man zwar in jeden Zimmer ein Telefon, doch damit telefoniere keiner mehr. Jetzt sei W-lan angesagt.

An Arbeit mangelt es also in einem Gasthaus nie. Früh um sechs beginnt der Tag von Günther Hellmig und manchmal endet er erst am nächsten Morgen, weil die Gäste sich wohl fühlen, wie beim jährlichen Oktoberfest beispielsweise. Das kann dann Günther Hellmig auch in seinen Gästebüchern nachlesen. Münnerstädter haben sich darin verewigt, aber auch einige Promis. Wolfgang Viereck hat sich darin ebenso für die Bewirtung bedankt wie Tony Marschall, die Kastelruther Spatz´n oder die Rockband Uriah Heep.

Genauso lieb wie die Stars sind ihm aber auch die kleinen Gäste - vor allem die aus der Nachbarschaft. Das ist der Kindergarten und mit ihm pflegt man gute Kontakte. Für die Buben und Mädchen organisieren die Hellmigs jährlich ein Maifest mit Gezwickten und Limo. Seit bald zehn Jahren gehöret das dazu, sagt er un brät derweil für die Kinder die Bratwürstchen.

Und dann erzählt Günther Hellmig noch schnell von einer ganz besonderen Begegnung in seinem Betrieb. Hausgäste aus den USA und Berlin, die jeweils dienstlich in zwei Münnerstädter Firmen zu tun hatten, saßen in der Gaststätte, musterten sich und merkten schließlich, dass sie sich erst eine Woche zuvor auf einer Messe getroffen hatten - und zwar in New York.

Und genau solche Geschichten sind es, weshalb er an seinem Beruf trotz aller Mühen auch nach so vielen Jahren noch Spaß macht. "Du erlebst einfach immer wieder etwas neues".