Die Tage vor Silvester stehen im Zeichen der Vorbereitung: Leckeres Essen, Sekt zum Anstoßen und Feuerwerkskörper bestimmen die Einkaufszettel. Die Böller stehen nur von Samstag bis Dienstag in den Regalen - und alljährlich warnt die Polizei vor deren Gefahren. Dass das nicht nur ein leeres Ritual ist, sondern seine Berechtigung hat, zeigt ein Blick auf das vergangene Jahr.

Splitter drang ins Auge ein

Während es bei der Bad Kissinger Polizei Anfang 2013 relativ ruhig blieb, brannte im Hammelburger Stadtteil Untererthal eine Scheune. Die schlimmsten Feuerwerks-Folgen gab es jedoch im Oberleichtersbacher Gemeindeteil Modlos: Auf einer privaten Silvesterparty ließ ein 18-Jähriger eine Rakete aus der Hand starten. Sie prallte gegen ein Vordach, schoss in eine Gruppe Jugend licher und explodierte vor dem Ge sicht einer 21-Jährigen. "Eine befreundete Krankenschwester, die mit uns gefeiert hat, hat sich das Auge angeschaut", erinnert sich Sabine Fröhlich an den Abend. Weil die Freundin ihres Sohnes am Auge blutete, verständigte sie sofort den Rettungsdienst.

Das Opfer wurde sofort in der Uniklinik Würzburg an der Hornhaut notoperiert. Erst einen Tag später fanden die Ärzte im Auge noch einen Plastiksplitter von der Rakete, der in einer weiteren OP beseitigt wurde. "Mittlerweile ist sie schon vier Mal operiert worden, und mindestens eine weitere OP steht noch aus", berichtet Sabine Fröhlich: Sie soll eine neue Hornhaut über eine Organspende erhalten. Ihr volles Sehvermögen wird der jungen Frau aber auch das nicht zurückbringen: "Das wird nie mehr gut", berichtet Sabine Fröhlich über das tragische Ende einer ausgelassenen Silvesterfeier.

Die 21-Jährige leidet bis heute an Schmerzen und Beeinträchtigungen, wiederholt war sie wochenlang krank geschrieben. Der 18-Jährige wurde im Juni wegen fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässigen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion zu 1500 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Das Amtsgericht Bad Kissingen hielt ihm immerhin zu Gute, dass es keine Absicht war.

58 Kilogramm reiner Sprengstoff

Vorsicht ist auch bereits bei der Lagerung geboten: Beim Bad Kissinger tegut-Markt steht der Feuerlöscher in der Nähe der Palette mit den Feuerwerkskörpern. Rund 500 Kilogramm wiegt die explosive Ware, genau 58 Kilogramm davon sind laut Warenschein Sprengstoff. "Das wird kurz vor Verkauf angeliefert und geht nach Silvester wieder retoure", sagt Kurt Schreiner, der stellvertretende Leiter des Marktes. "Wir verkaufen immer mehr Batterien und immer weniger einzelne Raketen", berichtet er zudem.

"Der Jahreswechsel ist für uns als Polizei natürlich eine einsatzstarke Nacht", weiß Elmar Hofmann, der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Bad Kissingen. Im vergangenen Jahr habe es unter anderem in Nüdlingen nach einem Streit ums Feuerwerk eine Schlägerei gegeben. Zudem wurden Eltern verwarnt, weil sie ihrem 13-Jährigen Sohn Böller der Klasse II anzünden ließen. Das sei genauso gefährlich wie Kinder am Neujahrstag mit den Blindgängern spielen zu lassen.

Alter Personen ab dem vollendeten 12. Lebensjahr dürfen Kleinstfeuerwerk, also Feuerwerkskörper der Kategorie I erwerben, für pyrotechnische Gegenstände der Kategorie II, also Raketen, Böller und Heuler, muss man mindestens 18 Jahre alt sein. Böller der Kategorie II dürfen nur von heute, Samstag, bis Silvester verkauft werden.

Zeit Feuerwerkskörper der Kategorie II dürfen am Silvestertag ab 0 Uhr bis 24 Uhr am Neujahrstag gezündet werden. Untersagt ist Böllern in der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen. Kommunen können weitere Verbot erlassen.

Waffen Wer mit einer Schreckschusswaffe Böller verschießt, benötigt hierzu eine Schießerlaubnis und (selbst für den Transport) den kleinen Waffenschein.

Verhalten Die Polizei warnt vor sorglosem Umgang mit und dem dem Selbst-Basteln von Feuerwerkskörpern sowie der Beschädigung von Gegenständen. Käufer sollten auf eine Prüfnummer der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung oder ein CE-Zeichen achten. Böller dürfen nur im Freien sowie fernab von Personen und leicht entflammbaren Gegenständen gezündet werden. Und: Böller nie in der Hand detonieren lassen!