"Viele bleibende Eindrücke habe ich aus Jordanien mitgebracht", erzählt Michael Geßner, "vor allem trotz großer Not Bilder mit dankbaren Menschen. Geßner unterstützte als Fachkraft des Technischen Hilfswerks (THW) sechs Wochen den Aufbau eines Flüchtlingslagers nahe der Grenze zu Syrien. Der Bad Kissinger leitete vor Ort die Verbesserung der Infrastruktur mit dem Schwerpunkt der Wasserver- und -entsorgung.

"Mit einem weinenden und einem lachenden Auge kehrte ich zurück", resümierte der 51-Jährige. Lachend, weil er wieder zu Hause bei der Familie sein konnte, und weinend "angesichts der äußerst angespannten Lage der Tausenden von Flüchtlingen, die ihre Heimat Syrien verlassen und unter schwierigen Verhältnissen im Nachbarland vorübergehende Bleibe suchen", resümiert der Geßner, der beruflich bei der Firma "Imtech" in Frankfurt als Bauleiter für die technische Ausstattung von
Gebäuden Sorge trägt. Dem THW Ortsverband Bad Kissingen mit Unterkunft in der Waldsiedlung Rottershausen gehört der gelernte Heizungs- und Lüftungsmonteur seit 1993 an und bringt sich als Kraftfahrer und Bereichsausbilder für den Umgang mit THW-Fahrzeugen ein.

"Es war dies mein erster Auslandseinsatz. Trotz manch offener Frage hatte ich keine Angst. Ich freute mich auf diese Herausforderung", blickt Geßner zurück. Vor Jahren fuhr er Hilfstransporte in die Ukraine und half gegen das Jahrhunderthochwasser 2003 mit. Seit zehn Jahren steht er auf der Liste der THW-Auslandsdatenbank als einziger des Ortsverbands Bad Kissingen. In der Liste sind die Kräfte nach ihren Spezialgebieten erfasst. Zu den Kriterien zählen fachliche Qualifikation, Englischkenntnisse und Impfstatus für Tropentauglichkeit. Diese Bedingungen erfüllte Geßner als Mechaniker der SEEWA, der Schnelleinsatzeinheit Wasser im Ausland, und als Spezialist für Aufbau einer Infrastruktur mit Schwerpunkt Wasser- und Sanitärinstallation.

25 Kilometer von der Grenze weg

Diese Aufgabe erwartete ihn im Flüchtlingslager el Za'atari, 25 Kilometer von der Grenze zu Syrien entfernt. "Dort leben zurzeit etwa 40 000 Menschen. Täglich kommen 400 bis 1000 neu dazu. Bei ihrer Ankunft werden die Flüchtlinge registriert. Viele sind traumatisiert, weil sie Ehepartner, Kinder, Verwandte und Freunde durch das Regime von Baschar al-Assad sowie Hab und Gut verloren haben. Es ist nicht einfach für die Menschen, sich in neuer Umgebung zurechtzufinden", schildert Geßner.

Nach dem Volksaufstand im März 2011 verlassen immer mehr Syrer ihre Heimat, kommen über die "grüne Grenze" nach Jordanien und erhalten das zum Leben Nötigste. Über die Vereinten Nationen (UN) und Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) sowie mit Unterstützung westlicher Länder entstand in der Wüste auf mehr lehmigem Boden das Lager, zuerst mit einfachen Zelten, dann mit besseren und zuletzt mit Containern, von denen 2500 Saudi Arabien zur Verfügung stellte.

"Das Areal ist riesig, vielleicht fünf mal fünf Kilometer. Wir kümmerten uns um das Wasser. Es fehlte Versorgung für Küchen, Duschen und Toiletten. Abwasser sammelte sich in Pfützen", blickt Geßner zurück und ergänzt: "Jeden Tag kamen wir ein Stück weiter, um die Lage zu verbessern. Mir zur Seite stand ein Team mit arabischen Helfern, darunter ein Dolmetscher. Wir erstellten Konzepte, vergaben kleine Aufträge selbst und fertigten Ausschreibungen für größere Maßnahmen." Das habe ganz gut geklappt, auch wenn einmal eine Installation mehrfach erneuert werden musste, bis sie korrekt ausgeführt war.

Eigendynamik entwickelt

"Die Arbeit hat Spaß gemacht, denn jeden Tag ergaben sich Verbesserungen. Täglich fuhren wir THWler - wir waren neun Kräfte - von unserem Appartement in Amman nahe der Deutschen Botschaft zum 80 Kilometer entfernten Lager und abends zurück. Der Zwölf-Stunden-Tag verging wie im Flug", geht Geßner auf den Ablauf ein. Im Lager habe sich mehr und mehr eine Eigendynamik entwickelt. An der Hauptstraße seien Geschäfte und Lokale entstanden. Die Menschen - kreativ und mutig - wagten einen Neuanfang.

"Deutsche und THW erfahren große Anerkennung. Die Menschen schätzen unser Können. Gefährlich wurde es für uns nicht, auch wenn es ab und zu im Lager vor allem unter Jugendlichen zu Auseinandersetzungen kam. Da schritt die jordanische Polizei ein", erklärt Geßner, der auch soziale Dienste für Menschen einbrachte. "Die Menschen haben nicht viel, sind aber immer herzlich und laden zu einer Tasse Tee oder Kaffee ein."

Im Lager gebe es noch viel zu tun: Weitere Wasserleitungen, neue Installationen, Abwassertanks, Drainagen. "Meinen Nachfolger habe ich eingearbeitet. Deshalb kam ich auch ein paar Tage später zurück. Wenn ich gebraucht werde, kann ich mir einen neuerlichen Einsatz wegen der freundlichen und dankbaren Menschen vorstellen." An das Land erinnern ihn Spielsachen für seinen zehnjährigen Sohn und Schals für seine Ehefrau.