Schon seit Oktober kriechen Mitarbeiter der Unterfränkischen Überlandzentrale aus Lülsfeld im Auftrag der Marktgemeinde in Burkardroths Unterwelt. Ihre Aufgabe ist die Erstellung eines digitalen Kanal- und Wasserleitungskatasters. Die genaue Kenntnis von Verlauf und Höhenlage aller Leitungen für die Frischwasser- und Abwasserversorgung ist vor allem für künftige Baumaßnahmen wichtig.

Kaum hatte das Bad Kissinger Vermessungsamt nach zehnjähriger Arbeit im vergangenen Oktober endlich der aus zwölf Ortsteilen bestehenden Marktgemeinde eine digitale Flurkarte mit Feststellung, Abmarkung und Aufmessung aller Liegenschaften der Gemeindeverwaltung übergeben, wurde die Erstellung des Wasserleitungskatasters in Auftrag gegeben. Bisher gab es solche Pläne im Burkardrother Rathaus nur in Papierform.

"Man konnte sich aber nie zu hundert Prozent darauf verlassen", nennt Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) den Grund für die digitale Vermessung. Kleine Abweichungen vom Plan hätten sich bei Baumaßnahmen immer wieder herausgestellt: Rohre seien zum Beispiel ausgetauscht, im Plan aber nicht berichtigt worden. "Für Bauwerber ist es schon wichtig zu wissen, in welcher Höhe der Abwasserkanal liegt", ergänzt Bug. Immerhin wirkt es sich in den Baukosten aus, ob das Abwasser in den Kanal gepumpt werden muss oder in freiem Fall entsorgt werden kann.

Der Zeitpunkt für die Digitalisierung des Katasters ist auch aus anderem Grund günstig gewählt: Gemeindewasserwart Norbert Krug geht nach vier Jahrzehnten in den Ruhestand. Bug: "Er hat unser Leitungssystem im Kopf und kennt Einzelheiten, die nur ungenau im Plan verzeichnet sind." Sein Nachfolger wird sich künftig auf die digitalen Pläne verlassen können und wird nicht so sehr auf seinGedächtnis angewiesen sein.

Zur Erstellung arbeiten sich Andreas Ebert, Alicia Öchsner und Marco Lindner seit fünf Monaten von Kanalschacht zu Kanalschacht vor. Sie steigen mit ihren Lasermessgeräten hinein und messen mittels GPS-System die genaue Höhenlage über Normalnull, den Durchmesser und den Verlauf der Abwasserkanäle und der Rohrleitungen für das Frischwasser. Nach 60 bis 70 Metern folgt schon der nächste Schacht. So zieht das Vermessungsteam durch das 100 Kilometer lange Straßennetz aller zwölf Ortsteile.

Auf eine Dauer von zwölf Monaten haben sich Marktgemeinde und die Überlandzentrale zur Erledigung dieses Auftrags geeinigt, der mit 60 000 Euro veranschlagt ist. Im Herbst soll das digitale Leitungskataster vorliegen. In die Computer der Gemeindeverwaltung eingespeist, kann man diesen Plan dann über die digitale Flurkarte legen. Fortan ist nicht nur auf den Zentimeter genau zu erkennen, wo die Kanal- und Wasserleitungen in jeder einzelnen Straße und an jedem Grundstück entlanglaufen, sondern auch, in welcher Tiefe sie unter der Straßendecke liegen und an welcher Stelle die Anschlüsse zu finden sind.

Nach Abnahme des digitalen Kanal- und Wasserleitungskatasters soll schließlich auch die Straßenbeleuchtung in allen Einzelheiten erfasst werden. "Dann sind wir auf dem neuesten Stand", erklärt Bürgermeister Bug. Längst nicht alle Gemeinden vergleichbarer Größe hätten schon alle Daten digital erfasst. "Wir liegen im guten Mittelfeld." Die Stadtgemeinden hätten mit der Digitalisierung vor Jahren begonnen.