Die Verkaufspläne der Deutschen Bahn AG für das denkmalgeschützte Empfangsgebäude in Bad Kissingen sind vom Tisch. Mehr noch: Das Unternehmen legt eine grundsätzliche Kehrtwende hin in Bezug auf leerstehende Bahnhöfe. In einer Pressemitteilung am Montagmittag wird angekündigt, dass die Bahn "ab sofort keine Empfangsgebäude an Bahnhöfen mehr" verkauft.

Über Jahre hat die Bahn ungenutzte Empfangsgebäude verkauft, rund 700 befinden sich deutschlandweit noch in ihrem Besitz. Bis auf wenige Ausnahmen sollen diese Immobilien künftig in Bahn-Eigentum bleiben. "Anstelle einer Veräußerung setzt die DB nun auf eine weitere Stärkung ihrer Bahnhofsgebäude", heißt es in der Mitteilung. Ausgenommen vom Verkaufsstopp sind Immobilien, bei denen die Bahn bereits vertragliche oder vorvertragliche Bindungen eingegangen ist, also bei denen der Verkauf schon konkret vorangeschritten ist.

Der DB-Infrastrukturvorstand Berthold Huber begründet den Verkaufsstopp damit, dass attraktive Bahnhöfe wichtig sind, um die Mobilitätswende voranzubringen und die Akzeptanz des Schienenverkehrs zu steigern. "Bahnhöfe sind das Eingangstor der Reisenden zum Zug, ihre Gebäude und Vorplätze quasi die Visitenkarte eines Ortes. Sie müssen freundlich und einladend sein: Deshalb stoppen wir den Verkauf unserer Empfangsgebäude." Die Bahn wolle künftig enger mit den Kommunen und Gemeinden zusammenarbeiten, um die Bahnhöfe weiterzuentwickeln.

Zuletzt stand auch das historische und denkmalgeschützte Empfangsgebäude in Bad Kissingen gegen Höchstgebot zum Verkauf. Für diese Absicht war die DB aus Bad Kissingen scharf kritisiert worden. Die Stadt befürchtete im schlimmsten Fall sogar, den Welterbe-Titel wieder zu verlieren, wenn der Bahnhof an falsche Investoren verkauft wird. Um möglichen Käufern die Hände zu binden, hatte der Stadtrat deshalb vor zwei Wochen eine Veränderungssperre für den Bahnhof beschlossen.

Den Verkauf zu stoppen beziehungsweise die Stadt wenigstens eng in Gespräche mit einzubeziehen, waren zentrale Forderungen des Bad Kissinger Oberbürgermeisters Dirk Vogel (SPD). Dieser bezeichnet die neue Entwicklung als sehr gut und berichtet, dass es am Montag ein Telefonat zwischen ihm und DB-Infrastrukturvorstand Berthold Huber gegeben hat. "In dem Telefonat kündigte Herr Huber an, dass der Verkauf des Bahnhofs Bad Kissingen vorerst gestoppt werde und man ein Interesse an einer gemeinsamen Entwicklung [...] mit der Stadt habe", schildert Vogel. Er sei Huber dankbar, den Paradigmenwechsel herbeigeführt zu haben. "Damit sind die Voraussetzungen gelegt, dass wir nun gemeinsam mit der Deutschen Bahn den Bahnhof in Bad Kissingen in die Zukunft führen", meint der Oberbürgermeister.

"Stadt Bad Kissingen und Deutsche Bahn haben eine zweite Chance, etwas aus dem Gebäude zu machen", kommentiert Sandro Kirchner (CSU), Landtagsabgeordneter für Bad Kissingen und Staatssekretär im Bayerischen Innenministerium. Das Bahnhofsgebäude in Bad Kissingen ist nicht nur ein Merkmal der Welterbestätte, sondern für die Stadt als Oberzentrum auch als Teil der Verkehrsanbindung wichtig. "Die Bahn ist gefordert, diesen besonderen Anforderungen gerecht zu werden. Dass sie Eigentümer bleibt, heißt, dass sie sich engagiert", findet der Politiker. Er geht davon aus, dass künftig ein intensiver Austausch zwischen Stadt Bad Kissingen und Deutscher Bahn zum Bahnhofsgebäude stattfindet.

Sabine Dittmar (SPD), Bundestagsabgeordnete aus Maßbach und Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, nimmt den Kurswechsel bei der Bahn ebenfalls positiv auf. "Einer gemeinsamen Entwicklung dieses für die Stadt so bedeutsamen historischen Gebäudes steht jetzt hoffentlich nichts mehr im Weg", sagt sie.