Die Auszeichnung zeigt, wie breit das kulturelle Schaffen im Landkreis ist. Denn Kultur ist bunt, modern oder auch klassisch und traditionell.

Zu den Männern und Frauen, die in diesem Jahr ausgezeichnet werden, gehört die Münnerstädterin Mia Hochrein. Hochrein ist nicht nur gestaltende Künstlerin, sondern fördert und prägt das kulturelle Geschehen in ihrer Heimatgemeinde seit vielen Jahren mit. "Es hat mich berührt, dass mich der Münnerstädter Stadtrat für diese Auszeichnung vorgeschlagen hat", betont Mia Hochrein. Es sei ein Zeichen dafür, dass die kulturelle Arbeit wahrgenommen wird.

Für Mia Hochrein bedeutet der Kulturehrenbrief auch, dass im Landkreis die bildenden Künste einen Stellenwert genießen. Das ehrenamtliche Engagement trage sie wohl auch ein Stück weit in den Genen, stellt die Künstlerin fest. Ihre Mutter Lotte habe sich immer politisch engagiert. Ihr Vater Heini Hochrein war wegen seiner Verdienste um den fränkischen Humor und Dialekt Träger des Frankenwürfels. Den Festakt zur Verleihung selbst findet Mia Hochrein etwas altmodisch. Aber das sei wohl reine Geschmacksache.

"Ich freue mich über die Anerkennung", sagt Stefan Ammersbach aus Bad Kissingen. Die Verleihung des Kulturehrenbriefes zeige, dass seine langjährigen musikalischen Tätigkeiten wahrgenommen werden. Er ergänzt: "Ich persönlich lege wenig Wert auf Urkunden."

Die Arbeit sei für ihn wichtiger als die Auszeichnung. Ammersbach ist seit Jahrzehnten der Musik verhaftet. Seit dem Jugendalter ist Ammersbach musikalisch aktiv, in der Jugendkapelle der Freiwilligen Feuerwehr Garitz war er als Ausbilder, später dann als Dirigent tätig. Zusätzlich war er lange Jahre im Vorstand der Kapelle und ist bis heute - nun seit 35 Jahren - Musiker und Aushilfsdirigent der Kapelle. In Hammelburg ist er seit 2004 Chorleiter für die Gesangs- und Instrumentalgruppe GuIG und seit 2014 auch Chorleiter in Garitz für den "Chor InTakt". Die Organisation des Kinderchores "Göritzer ChorKids" übernahm er 2018. In der Kirchengemeinde Garitz hilft er seit zehn Jahren mit, die Gottesdienste musikalisch zu untermalen und modern zu gestalten.

Kissinger Sommer und Spielzeugwelt

Die gebürtige Bad Kissingerin Hildegard Schütze, Hilla genannt, ist fester Teil der städtischen Kulturszene: "Ich nehme an, der Grund, warum ich den Kulturehrenbrief erhalte, ist mein Engagement für den Kissinger Sommer, die vielen Stadtführungen, die zahlreichen Lichtbildvorträge über Unterfranken und Bad Kissingen und die Schenkung der Spielsachen und Kinderbücher für die Einrichtung der Sammlung im Museum Obere Saline." Sie fühle sich geehrt.

Sie sei auch in Zukunft sehr interessiert daran, die weitere Entwicklung der Stadt im Rahmen des Unesco-Welterbes zu verfolgen. "Ich bin gerne bereit mitzuhelfen." Ihr Wunsch sei es, die "verkommene Dampfmaschine" in der Unteren Saline wieder in Stand zu setzen. "Das ist im Sinne meines verstorbenen Bruders, der Dampfmaschinenfachmann war." Dieses Vorhaben hege sie schon einige Jahre. Das Problem: "Die Leute, die das können, haben keine Zeit, die sind mit der Instandhaltung der Dinge in ihren Museen beschäftigt."

Sammlergruppe Mainfränkische Trias

Über Jahrzehnte haben Michael Henz, Jürgen Sell, Bernd Neubig und Horst Mahler tausende von Versteinerungen zusammengetragen. Seit dem Jahr 2013 sind viele ihrer Stücke im Euerdorfer Museum "Terra Triassica" im alten Forsthaus ausgestellt. "Als ich den Brief bekommen habe, in dem stand, dass wir den Kulturehrenbrief bekommen, musste ich erst einmal googeln, was das überhaupt ist", sagt Bernd Neubig lachend. Er habe die Auszeichnung gar nicht gekannt, freue sich aber natürlich über die Würdigung seiner Arbeit.

"Wir sind eine lose Gruppe, die sich seit der Kindheit kennt", beschreibt er die Sammlung Mainfränkische Trias. Als Kinder seien sie schon immer verbotenerweise durch die beiden Steinbrüche am Haarberg gestreift. Mittlerweile stehen dort große Info-Tafeln, damals habe sich kaum jemand für die geologischen Besonderheiten interessiert. Beim Spielen fanden die vier Jungs erste versteinerte Muscheln. "Später haben wir mit dem Mofa 50 Kilogramm schwere Platten mit Saurierspuren heim gefahren", erzählt Neubig. Wenn Landwirte ihre Äcker frisch umgepflügt hatten, suchten die vier dort. Heute sind alle vier um die 60 Jahre alt, drei von ihnen sind in Euerdorf geblieben, nur Horst Mahler habe es als ehemaligen Marine-Offizier nach Köln verschlagen. Neubig, der bei der Gemeinde als Forstwirt arbeitet, freut sich auf ein Wiedersehen von allen vier Jugendfreunden bei der Verleihung des Kulturehrenbriefes.

Kunstgenießer und Netzwerker

Für den kulturellen "Allrounder" Hans Dietrich Unger aus Bad Brückenau ist der Kulturehrenbrief die erste Auszeichnung dieser Art. "Ich habe mich schon geehrt gefühlt, als ich von der Auszeichnung erfahren habe", sagt der ehemalige Schulleiter des Gymnasiums in Münnerstadt und ehemaliger Stadtrat.

Die Liste seiner Tätigkeiten ist lang und zeigt nur einen Ausschnitt seines Einsatzes: An der Volkshochschule Bad Brückenau gab er in den 70er-Jahren Französisch- und Fotolabor-Kurse. 1981 initiierte er das Partnerschaftskomitee für die Städtefreundschaft Bad Brückenau-Ancenis-Kirkham. Später half er im Stadtarchiv und war Vorsitzender des Trägervereins Adolf-Kömpel-Musikschule. Er ist Ideengeber, Gründungs- und Vorstandsmitglied des Vereins Kunsthaus und organisiert etwa in Banken oder Krankenhäusern ehrenamtlich Ausstellungen von Künstlern. Als Bildhauer ist er selbst künstlerisch aktiv. "Ich werde mir die Auszeichnung nicht im goldenen Rahmen aufhängen, aber ich freue mich und sehe es als Anerkennung", sagt er. Für die Zukunft des Heimatspielhauses Münnerstadt engagiert er sich im Vorstand. "Ich mache gerne den Kulturfutzi."