Man hatte es ja eigentlich schon geahnt, dass es Julian Pregardien etwas schwer haben würde, sich immer mal wieder ein paar Bravo-Rufe einzufangen. Nicht, dass man auch nur den geringsten Zweifel an der Stimme oder den Kompetenzen des Tenors gehabt hätte - auf seinen Auftritt mit dem Münchner Rundfunkorchester konnte man sich wirklich freuen. Aber wenn man das Programm sah, konnte man diese Zweifel wirklich bekommen. "Sommernächte" war es überschrieben und das war schon deshalb naheliegend und nicht unlogisch, weil das Großwerk des Abends Hector Berlioz" "Nuits d"été", eben Sommernächte" war. Aber die gesamte Auswahl der Werke war ausschließlich auf die Romantik beschränkt, und das war nicht ganz unproblematisch. Denn vor allem das deutsche romantische Kunstlied ist hochgradig pessimistisch, ist oft von einer Folie der Bedenklichkeit, der Trauer, der Verzweiflung, des Todes überzogen nach dem Motto: "Es geht mir nur gut, wenn es mir schlecht geht." Im romantischen deutschen Kunstlied wird selten gelacht - meistens steckt dann ohnehin Heinrich Heine dahinter.

Man wurde also ziemlich runtergezogen, aber nicht gleich. Ramón Tebar, der schon im vergangenen Jahr das Münchner Rundfunkorchester dirigiert hatte, begann das Konzert dieses Mal mit der Ouvertüre zu Carl Maria von Webers "Oberon". Das Solohorn eröffnete mit einer lyrischen Fanfare das, was die Zeit gerne "Waldweben" nannte, die Holzbläser spielten raschelnde Einwürfe, als würden Mäuse durchs Unterholz huschen, und dann baute sich sehr schnell das typische romantische Waldtableau mit warmen, weichen Klangfarben auf, um hinüberzuleiten in die virtuose Dramatik, die die Oper ausmacht. Das war ausgezeichnet kalkuliert, mit starken Kontrasten und zum Teil mit Tempi an der Grenze der Durchhörbarkeit - was wohl auch ein bisschen daran lag, dass die Orchesterkonzentration erst 99,9 Prozent erreicht hatte.