Der Mega-Deal im Gesundheitswesen ist perfekt: Für stolze drei Milliarden Euro übernimmt die Helios-Kliniken GmbH 40 Kliniken und 13 Medizinische Versorgungszentren von der Rhön-Klinikum AG. Knapp ein halbes Jahr nach der Ankündigung hat mittlerweile das Bundeskartellamt zugestimmt. Helios erwartet nach eigenen Angaben den Abschluss der Transaktion für Donnerstag.
Spätestens in der Faschingswoche dürften die 553 Beschäftigten der beiden Krankenhäuser in Hammelburg und Bad Kissingen also einen neuen Arbeitgeber haben.

"Ich freue mich sehr, dass das Bundeskartellamt grünes Licht für die Transaktion gegeben hat", kommentiert der Vorsitzende der Helios Geschäftsführung, Francesco De Meo, die Entscheidung in einer Pressemitteilung. Auf Anfragen gibt es ansonsten keine konkreten Angaben zu den beiden Häusern im Landkreis Bad Kissingen, lediglich den Verweis auf die erwartete Übernahme in den kommenden Tagen - und ein weiteres Statement von Francesco De Meo: "Mit den Kliniken kommen viele hervorragende neue Kolleginnen und Kollegen zu uns, von denen wir lernen. Gemeinsam können wir in Medizin und Pflege noch besser werden. Das hilft am Ende allen, vor allem den Patienten."

Investition in Bad Neustadt

"Alle Arbeits- und Tarifverträge gelten auch weiterhin fort", sagt Achim Struchholz, der Leiter der Unternehmenskommunikation der Rhön-Klinikum AG. Wie es konkret in der Zusammenarbeit zwischen Bad Kissingen und Bad Neustadt weitergeht, sei noch offen: "Natürlich gehören die Kliniken Hammelburg und Bad Kissingen ab nächster Woche unterschiedlichen Unternehmen im Markt, die auch im Wettbewerb stehen", sagt Struchholz. Allerdings seien sicherlich auch in Zukunft Kooperationen möglich. Aber: "Das wird sich sicherlich einspielen."

Struchholz geht ebenfalls davon aus, dass die Übergabe der Häuser "innerhalb weniger Tage" über die Bühne geht. Was die Rhön-Klinikum AG konkret für das Eli und die OrthoClinic als Kaufpreis erhält, werde nicht weiter aufgeschlüsselt. "Das ist ein großer Deal", verweist Struchholz auf den Gesamtpreis von drei Milliarden Euro.
Während sich Helios im Vorfeld der Übergabe über das Zukunftskonzept ausschweigt, hat die Rhön-Klinikum AG gestern eine Vision für "die neue Rhön" veröffentlicht: Die verbleibenden zehn Kliniken an fünf Standorten werden sich demnach auf "den Ausbau ihrer wissenschaftsmedizinisch orientierten Kompetenzen konzentrieren". Mit den verbleibenden 5300 Betten, 15 000 Mitarbeitern und rund einer Milliarde Umsatz gehöre die Rhön-Klinikum AG auch in Zukunft "zu den Schwergewichten unter den Krankenhausunternehmen", sagte der Vorstandsvorsitzende Martin Siebert.

Die Konzernzentrale der "neuen Rhön" bleibt in Bad Neustadt. Geplant sei, den Campus Bad Neustadt bis 2018 durch einen Neubau zu stärken. 150 Millionen werden dafür investiert. Es sollen "wegweisende Maßstäbe in der Patientenversorgung, in der medizinischen Ausstattung sowie in der Krankenhaus-Architektur" gesetzt werden. Zudem sei in Absprache mit dem Personalrat erreicht worden, dass es statt der angekündigten 140 nur zehn betriebsbedingte Kündigungen in Bad Neustadt geben soll.

Geschichte Die St. Elisabeth Krankenhaus GmbH betreibt mit dem "Eli" das größte Krankenhaus der Grund- und Akutversorgung im Landkreis. Gegründet wurde es 1949 von der Kongregation der Elisabethinerinnen. 1966 wurde der Neubau am Ballinghain errichtet. Seit 1993 gibt es die GmbH. Das Bettenhaus wurde 1999 bis 2004 saniert. 2004 kaufte die Rhon-Klinikum AG das Unternehmen. Dazu gehört seit 2007 auch die Hammelburger "OrthoClinic". 2008 wurden dort eine Portal-Klinik errichtet und der Altbau abgerissen. Die beiden Häuser haben zusammen 310 Krankenbetten und betreuten 2013 rund 14 000 stationäre Patienten. Insgesamt erwirtschafteten die 553 Mitarbeiter 2013 einen Gesamterlös von 43,4 Millionen Euro.

Rhön-Klinikum Die Rhön-Klinikum AG ist nach eigenen Angaben einer der größten Gesundheitsdienstleister in Deutschland. Unternehmensziel ist "qualitativ hochwertige Medizin für jedermann". Noch gehören zu dem Konzern bundesweit 54 Kliniken an 43
Standorten mit mehr als 43 000 Mitarbeitern. In den Einrichtungen des Klinikverbunds wurden 2012 über 2,5 Millionen Patienten behandelt.
Fresenius Die Fresenius SE & Co. KGaA ist ein Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmen in Bad Homburg. Im Jahr 2012 ist ein erster Versuch gescheitert, die Rhön-Klinikum AG zu übernehmen. Die Fresenius-Tochter Helios Kliniken GmbH (früher Fulda, jetzt Berlin) betreibt 63 Häuser mit mehr als 18 500 Betten. Zur Helios-Kliniken-Gruppe gehören insgesamt 74 Kliniken. Helios versorgt nach eigenen Angaben stationär jährlich rund 780 000 Patienten, verfügt über mehr als 23 000 Betten, hat 43 000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2012 einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro.