Seit drei Jahren sinkt die Zahl der Ausbildungsplätze im Landkreis. Zum Ende des Berichtsjahres am 30. September waren der Agentur für Arbeit (AfA) nur noch 924 Ausbildungsstellen gemeldet worden. Dies entspricht einem Rückgang um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (1 050).

Von den an einer Ausbildung interessierten 595 Schulabsolventen konnte die Berufsberatung der Arbeitsagentur im laufenden Jahr bis auf zwei Kandidaten allen einen Ausbildungsplatz oder Alternativen im Landkreis vermitteln. Dies ist nur ein Ergebnis aus dem Jahresbericht, den die Agentur für Arbeit jetzt vorstellte.

"Auch wenn sich die Zahl der Ausbildungsstellen verringert hat, gibt es für Ausbildungssuchende noch immer einen guten Bewerbermarkt", fasst Thomas Schlereth als Teamleiter der Berufsberatung in der AfA Schweinfurt die aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt im Landkreis Bad Kissingen zusammen. Denn auf jeden Bewerber kommen statistisch 1,6 Ausbildungsstellen.

Seit 2012 hält diese für Schulabsolventen positive Entwicklung an, seitdem die Betriebe erkannt haben, "dass eine gute firmeninterne Ausbildung ihnen die Fachkräfte sichert", ergänzt Bereichsleiterin Melanie Geheb-Müller. "Die Chance, einen Ausbildungsplatz zu erhalten, ist also weiterhin sehr gut."

Größere Sorgen bereiteten den AfA-Berufsberatern die der Pandemie geschuldeten Beeinträchtigungen ihrer Einsatzmöglichkeiten. Lockdown, Homeschooling und Versammlungsverbot machten ihre gewohnten persönlichen Kontakte mit den Ausbildungsbewerbern unmöglich. Persönliche Gespräche waren erst wieder ab Juni möglich. "Wir hatten Angst, unsere Aufgabe nicht umfassend erfüllen und den Schulabsolventen nicht in gewohntem Maß helfen zu können", schildert Schlereth die Situation der Berufsberater: geschlossene Schulen, kein Publikumsverkehr in der Arbeitsagentur und damit keine Besuche des Berufsinformationszentrums, keine Dienstreisen für Berufsberater und keine Vorträge vor Abschlussklassen und Eltern. Auch Praktika in den Betrieben waren nur eingeschränkt möglich. "Damit fehlte den Schülern eine wichtige Säule der beruflichen Orientierung."

Doch eine schnelle Umstellung der Agentur auf virtuelle Berufsorientierungs- und Elternveranstaltungen, ein Eltern-Infotag über eine Hotline, telefonische Beratungsgespräche und Videoberatung sowie eine gemeinsam mit Handels- und Handwerkskammer auf dem Schweinfurter Schillerplatz durchgeführte Nachvermittlungsbörse, zu der "erstaunlich viele Besucher aus dem Landkreis Bad Kissingen kamen", machten das scheinbar Unmögliche möglich. Schlereth lobt vor allem die Zusammenarbeit mit den schulischen Netzwerkpartnern. "Irgendwie hat's dann funktioniert", wundert sich Teamleiter Schlereth noch heute über die ungewohnte Arbeitsweise. "Das Jahr ist gut gelaufen. Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden."

Bewerber für die betriebliche Ausbildung kommen überwiegend aus den Mittel-, Real- und Wirtschaftsschulen. Nachdem im vergangenen Geschäftsjahr wegen der Pandemie-Umstände die Zahl der Bewerber aus Mittelschulen zurückging, stieg deren Zahl heuer wieder leicht an, während die Bewerberzahl aus Real- und Wirtschaftsschulen weiterhin rückläufig war. Hier fehlte es an Praktika zur beruflichen Orientierung. "Viele Jugendliche verbleiben deshalb weiter im schulischen System", haben die Berufsberater festgestellt. Doch gerade diese seien die begehrtesten Azubis für das Handwerk.

Da es nicht für jeden trendigen Modeberuf entsprechende Ausbildungsstellen gibt, empfiehlt AfA-Bereichsleiterin Geheb-Müller allen künftigen Schulabsolventen, sich im Berufswunsch breiter aufzustellen und frühzeitig Alternativen in die Überlegung einzubeziehen. So hatten 16 Bewerber an eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann gedacht, doch im Landkreis gibt es kaum solche Ausbildungsplätze. Dasselbe gilt für Fachinformatiker.

Berufsberater Schlereth hält eine Rückbesinnung auf das traditionelle Handwerk deshalb für sinnvoller: "Da werden immer gute Leute gesucht. Es ist nicht mehr die Maloche wie früher. Heute arbeitet man mit moderner Technik und Computer."

Zwei Dritteln aller diesjährigen 595 Bewerber im Landkreis konnte die Berufsberatung einen Ausbildungsplatz vermitteln und liegt damit über dem bayerischen Landesdurchschnitt (58 Prozent) und weit über dem Bundesdurchschnitt (49). Weitere 21 Prozent, die sich zunächst für eine Ausbildung gemeldet hatten, entschieden sich für den Verbleib im schulischen System, vier Prozent nahmen eine Arbeitsstelle an, und nur ein Prozent wollte einen gemeinnützigen Dienst antreten. Nur zwei Bewerber hatten bis zum 30. September keine Alternative zur Berufsausbildung gefunden. Diese beiden wird die AfA weiterhin betreuen. "Somit haben wir allen Bewerbern einen Ausbildungsplatz verschafft, Alternativen oder Hilfen aufgezeigt", fasst Schlereth als Ergebnis zusammen und staunt noch immer: "Wer rechnet damit nach fast zwei Jahren Pandemie!"

Inzwischen finden die meisten terminierten Beratungen wieder persönlich vor Ort in den Schulen statt. Schlereth: "Unser Anspruch ist, dass jeder Jugendliche beraten wird und keiner verloren geht."