In den ersten Jahren lief die Unternehmensansiedlung im interkommunalen Gewerbepark Oerlenbach-Poppenhausen an der Autobahn A71 noch schleppend. Doch der Bau des Verteilzentrums des Online-Händlers Amazon wirkt als zugkräftiger Magnet. Aktuell sind nur noch kleine Restflächen der bisher erschlossenen zwölf Hektar Bauland im Angebot.

Direkt an der Autobahn 71 baut die in Aachen ansässige Complenus Real Estate GmbH auch mit Einsatz regionaler Handwerksbetriebe auf einem insgesamt über sechs Hektar großen Grundstück für ihren Pächter Amazon Logistics dessen neues Verteilzentrum. Der Pachtvertrag wurde für eine Mindestlaufzeit von 15 Jahren mit Option auf Verlängerung abgeschlossen. Die Fassade der 8500 Quadratmeter großen Halle steht bereits, so dass momentan völlig unabhängig von starkem Frost und Schnee der Innenausbau des Logistikzentrums und der Büroräume planmäßig vorangeht.

Erst im Frühjahr kann der Außenbereich mit Parkplätzen fertiggestellt werden. "Wir planen mit der Inbetriebnahme der Anlage im kommenden Sommer", bestätigt ein Amazon-Sprecher frühere Meldungen. Es ist geplant, auf dem Hallendach eine Photovoltaik-Anlage und auf den Parkplätzen Elektro-Ladesäulen für den späteren Einsatz von E-Vans zu installieren.

Mit seinem Verteilzentrum schafft Amazon Logistics in Oerlenbach etwa 120 Arbeitsplätze und Aufträge für 300 Fahrer regionaler Lieferdienste. Mit der Investition in seine über Deutschland verteilte Transportinfrastruktur will der Online-Händler seine Kunden in einem Umkreis bis zu 50 Kilometern noch besser bedienen. "Grundsätzlich benötigen wir unsere Verteilzentren dort, wo wir eine steigende Kundennachfrage nach schnelleren und flexibleren Lieferoptionen feststellen und die bestehenden Kapazitäten unserer Partner nicht ausreichen." Die Entscheidung für den Gewerbepark Oerlenbach-Poppenhausen fiel nach Aussage des Unternehmens wegen seiner "ausgezeichneten Infrastruktur".

In der Ansiedlung des Online-Händlers sieht Oerlenbachs Bürgermeister Nico Rogge (CSU) nur Vorteile. Unternehmenskritikern hält er entgegen: "Wenn Oerlenbach nicht zugesagt hätte, hätte Amazon eben woanders gebaut." Da sei es doch besser, die zusätzlichen Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen. Außerdem erwartet der Bürgermeister von der am Standort gegründeten Amazon GmbH die Zahlung von Gewerbesteuer, "wenn auch nicht in exorbitanter Höhe", sowie vom Bauherrn die Grundsteuer. Viel entscheidender aber ist für den Bürgermeister, "dass die Marke Amazon in ihrer Magnetwirkung für weitere Gewerbeansiedlung nicht infrage zu stellen ist", weshalb auch alle sechs Zweckverbandsräte einstimmig hinter dem Projekt stehen. Seit der 2016 erreichten Baureife von zwölf der insgesamt 21 Hektar Baufläche konnten bis zum Baubeginn von Amazon nur etwa 3,5 Hektar veräußert werden, die sich fünf Unternehmen teilen. Seit dem Verkauf des über sechs Hektar großen Grundstücks an Amazon, gibt es neue Flächenreservierungen und Vorverträge interessierter Investoren. "Wir werden in Kürze mit zwei Investoren Verträge über insgesamt 1,2 Hektar unterschreiben", bestätigt der Bürgermeister, ohne schon Konkretes zu veröffentlichen. Für weitere Bauflächen, in Summe fast ein Hektar, interessieren sich drei weitere Firmen. Rogge: "Ich bin guten Mutes, dass wir diese Verträge auch bald unter Dach haben werden."

Somit bliebe rechnerisch nur noch ein halber Hektar der ersten zwölf erschlossenen Hektar Bauland frei. Allerdings sind dies nur kleine Restflächen, die für Ansiedlungen unattraktiv sind. Dies bedeutet, dass bald weiteres Bauland innerhalb des 21 Hektor großen Gewerbeparks erschlossen werden müsste, rechnet sich auch Oerlenbachs Geschäftsleiter Werner Rauh aus. "Sobald Amazon seine Bauarbeiten abgeschlossen hat und die anstehenden Verträge unterschrieben sind, müssen wir uns mit der Erschließung weiterer Flächen beschäftigen."