An Heilig Abend allein und trübsinnig zuhause sitzen. Die Einsamkeit wird umso schwerer erträglich beim Gedanken daran, dass außen herum alle anderen im Kreise ihrer Liebsten feiern. Michael Böhm lässt das keine Ruhe. Der Theologe und Religionslehrer will Betroffenen helfen und hat bereits eine vage Idee wie. Weil er aber nicht weiß, ob es in Bad Kissingen schon entsprechende Angebote gibt, postet er spontan einen Beitrag in eine lokale Facebook-Gruppe. "Gibt es eigentlich irgendwas, wo man am 24. Dezember Abends hingehen kann, wenn man allein ist, wenn einem alles zu viel wird, wenn man nicht weiß, wie man das Fest gestalten oder auch nur überstehen soll?", fragt Böhm. Falls nicht, wäre er mit einem Freund zur Stelle.

Die große Resonanz, die auf den Beitrag folgt, überrascht ihn zwar, bestärkt ihn aber auch, seine Idee umzusetzen.


Pfarrhaus als Anlaufstelle

"Ich habe mir gedacht, die Leute sitzen vor allem am Abend da, es staut sich viel auf und der eine oder andere möchte sich vielleicht Luft machen", erklärt er. Deshalb bietet Böhm am Heiligen Abend von 20 bis 22 Uhr mit zwei Freunden einen offenen Treff im katholischen Gemeindezentrum in der Hartmannstraße 2 an.

"Unsere Idee war, dass das Pfarrhaus offen sein sollte. Wir machen das Angebot für alle, unabhängig von der Religionszugehörigkeit", sagt Böhm. Menschen, die einsam sind, Gesprächsbedarf haben, ein bisschen in weihnachtliche Stimmung kommen oder einfach anderen helfen möchten, sind willkommen. Ein konkretes Programm sieht Böhm nicht vor. "Es soll ja kein Event werden, sondern einfach eine Möglichkeit, den Weihnachtsabend gemeinsam zu verbringen mit Tee, Plätzchen, Kerzen und was so dazu gehört", sagt er. Sollte dennoch der Sinn nach Singen oder Weihnachtsgeschichten stehen, wäre aber etwas vorbereitet.

Pfarrer Gerd Greier von der Herz-Jesu Gemeinde freut sich, dass das Angebot in seiner Pfarrei ehrenamtlich Zustandekommt. Sowohl er, als auch die pastoralen Mitarbeiter sind über die Feiertage zu stark beansprucht, um so etwas zusätzlich zu leisten.

Aus seelsorgerischer Sicht sei ein offener Treff für Einsame an Weihnachten wichtig, gerade der Heilige Abend ziehe viele in ein emotionales Loch. Menschen sind aus den unterschiedlichsten Gründen allein. "Da geht jeder anders mit um. Manche wollen allein sein, andere fragen sich, wo sie hingehen können", sagt Greier. Letztere brauchen das Gefühl, von anderen aufgefangen zu werden. Ihnen zu helfen, knüpfe an die biblische Weihnachtsgeschichte an. "Maria und Josef wollte keiner aufnehmen. Das soll heute anders laufen", meint der Seelsorger.


Kidro sucht dringend Helfer

Die Initiative von Michael Böhm kommt auch aus anderen Gründen zur rechten Zeit. In den vergangenen Jahren hat sich vor allem der Verein für niedrigschwellige Hilfen, die Kidro, in dem Bereich engagiert. Die Wärmestube war auch an Heilig Abend lange für Menschen geöffnet, die sonst keinen anderen Platz fanden. Dieses Jahr bleibt die Wärmestube in der Maxstraße zu. "Heuer ist es nicht anders zu machen", sagt die Kidro-Vorsitzende Eva Matthies bedauernd. Der Verein ist dringend auf neue Helfer angewiesen. Unterm Jahr habe man ehrenamtliche Kräfte verloren, die bislang nicht wieder zu kompensieren waren. "Es konnte nichts Neues aufgebaut werden. Für Zusatzangebote in der Wärmestube suchen wir Hilfe", betont sie. Wer sich ehrenamtlich in dem Bereich bei der Kidro engagieren möchte, erhält weitere Informationen unter Tel.: 0971/ 785 6350.