Wandern in der Rhön - Naturgenuss pur. Zumindest, bis sich auf dem Wanderweg mal der Wind dreht. Rechts und links der Pfade finden sich derzeit häufig weiße Zellulose-Fetzen im Wald. Unter den Taschentüchern liegt dann das Corpus Delicti - Kot. Allein auf einer Strecke von etwa zwei Kilometern fanden sich 65 deutlich sichtbare Stellen, an denen Menschen ihre Notdurft verrichtet hatten - im Durchschnitt alle 30 Meter. Ein Problem, dass sich sowohl optisch als auch geruchlich durch die Rhön zieht.

Unrat in der Rhön: Das ist der Grund

Die Ursache ist schnell gefunden. Es fehlen öffentliche Toiletten entlang der Wanderwege. Das zeigt die Nachfrage bei den Touristikern der Rhön GmbH in Oberbach: WC-Anlagen gibt es im fränkischen Teil nur am Parkplatz Kreuzberg, am Infozentrum Schwarzes Moor, sowie in Bischofsheim, Fladungen, Ostheim, Mellrichstadt, Bad Neustadt, Bad Königshofen, Bad Kissingen, Bad Bocklet und in Bad Brückenau. Eine Online-Karte für die Touristen, auf der die WCs eingezeichnet sind, gibt es nicht.

Gefährlich sind die Hinterlassenschaften im Regelfall zwar nicht, dafür aber eine Belastung für Augen und Nase. Also kein Problem, die Tiere machen es ja auch nicht anders? Der Vergleich hinkt. "Tiere verteilen ihren Kot meist auf große Gebiete. Ein Reh hat den ganzen Wald zur Verfügung", umreißt der Outdoorblog des Sportausstatters "bergfreunde" das Problem.

Touristiker nehmen Stellung

"Wir haben in der Vergangenheit die Entsorgungsproblematik bei Allianztreffen gegenüber Gemeinden und Kommunen angebracht", sagt Alexander Martin, bei den Touristikern zuständig für die Kommunikation und die Digitalisierung. Einen Aktionsplan gibt es laut ihm nicht. Eine Arbeitsgruppe zur Problematik existiert ebenfalls nicht. "Die Rhön GmbH steht mit den Kommunen, Gemeinden, Allianzen, Touristischen Arbeitsgruppen und der Biosphäre in Kontakt und weist auf etwaige Problemstellungen hin", teilt er mit.

In der Verantwortung sind letztlich die Kommunen. Nachgefragt, bei Kommunen, deren Gemarkung sich im Landkreis Bad Kissingen in die Höhen der Rhön erstreckt, zeigen sich vor allem Fragezeichen. "Wo würde man denn die Toiletten platzieren?", fragt Daniel Wehner (CSU), der Burkardrother Bürgermeister. "Das Wanderwegenetz hat ja viele Kilometer", sagt er. Bislang war ihm das Problem nicht bekannt. "Gebaut sind die Toiletten schnell. Anders sieht es beim Unterhalt aus. Aspekte sind dabei die Sauberkeit und natürlich auch der Vandalismus."

Skepsis in den Kommunen?

Ähnlich sieht die Situation der Markt Wildflecken. Gerd Kleinhenz (PWG), der Rathauschef, sagt: Ich weiß nicht, ob es hier der richtige Weg ist, Kommunen in die Pflicht zu nehmen." Denn: Das Wanderwegenetz der Rhön ist groß. Es umfasst insgesamt etwa 8000 Kilometer. Er hört zum ersten mal von der Problematik.

Hüttenwirt aus der Rhön: "Man fühlt sich schon als öffentliche Toilette"

Was es bislang gibt, sind die Toiletten auf den Wanderhütten. Bernhard Oßner, der Pächter des Berghauses, ärgert sich über die Situation. "Man fühlt sich schon als öffentliche Toilette", sagt er. Aufs Klo darf bei ihm prinzipiell jeder. Auch diejenigen, die nicht zum Essen oder Trinken zu Gast sind. Allerdings bemängelt er den fehlenden Anstand. Viele der nicht zahlenden Gäste würden nicht mal mehr fragen, sondern einfach das WC aufsuchen. "Diese Woche war ein Wohnmobilist da. Er hat morgens gefragt, ob er mal auf Toilette darf." Für Oßner war das kein Problem. Der Wohnmobilist fragte anschließend noch, ob er im Berghaus frühstücken könne. Auf Oßners Bejahung, wollte der Caravan-Fan schließlich in der Wanderhütte essen. "Ich habe ihn nach der Aussage allerdings nicht mehr gesehen." Oßner hat noch mehr derlei Vorfälle parat. An einem Samstag bei gutem Wetter hatte er eine Schale vor dem WC platziert, mit der Bitte 50 Cent für das Verrichten der Notdurft zu zahlen. "Am Ende vom Tag waren drei Euro drin." Ihn ärgert das: "Das Wasser kostet, das Klopapier kostet, die Seife kostet und putzen muss ich ja auch." Er fragt sich: "Was ist denn dabei, wenn ich ein 50-Cent Stück hinlege, oder aber schnell etwas trinke?"

Andernorts entspannte Situation

Entspannter scheint die Situation auf der Kissinger Hütte zu sein. Auch dort darf jeder auf die Toilette, ohne zu zahlen. In den vergangenen Jahren hatte ich nicht den Eindruck, als wenn die Leute unsere WCs als Ersatz für öffentliche Toiletten nutzen", sagt Diana Tisma, die gemeinsam mit ihrem Bruder die Hütte gepachtet hat. Ihr Eindruck: "Bei uns gehen die Leute nicht nur aufs Klo, sondern essen oder trinken auch etwas."

Vorschläge zur Lösung existieren

Ein möglicher Ansatz um das Thema zu entzerren, wäre das Aufstellen von Toilettenwagen - etwa an Hotspots wie Parkplätzen. Den Vorschlag brachte Enno Piening bereits vor einigen Jahren (wir berichteten). Außerdem pochte er auf das Schaffen von Strukturen in den Orten. Piening ist Vorsitzender des Birkwild Hegerings Bayerische Rhön. Mittlerweile gibt es Wagen, bei denen nicht mal mehr ein Strom oder Wasseranschluss von Nöten ist. Mit einem Baustellen-Klo haben die Wagen keine Ähnlichkeit mehr. Sie präsentieren sich in schlichter Edelstahloptik. Eine Option, die der Rhön GmbH prinzipiell Zusagen würde - wie eine Anfrage ergeben hat. Allerdings: Die mobilen Wagen seien "nicht sehr ansehnlich".

Einen Kommentar zum Thema finden Sie hier.

Auch wenn sich über die Optik streiten lässt, liegt das Problem an einer anderen Stelle: "Das müsste regelmäßig gereinigt werden", meint Oßner. Daniel Wehner fügt an: "Das könnte man sich schon überlegen, man müsste sich dafür aber mit den umliegenden Kommunen absprechen, um ein Netzwerk zu schaffen." Ähnlich sieht es sein Kollege in Wildflecken: "Wenn man das Thema angeht, dann nur gemeinschaftlich."