Das Terrassenfreibad in Bad Kissingen ist Kult. So kultig, dass hier sogar die Tierwelt abtauchen will. Roland Bühner erinnert sich an ein kurioses Erlebnis an der 85 Meter langen Wasserrutsche. Ein Badegast wollte seiner Schildkröte das rasante Vergnügen partout nicht vorenthalten. Kurz bevor dieser das Tier in die Fluten werfen konnte, ging der Betriebsleiter dazwischen.
"Ich habe im erklärt, dass dies nicht ganz die Nutzergruppe für unsere Rutsche ist", erzählt Bühner mit einem Schmunzeln.

Nachvollziehen kann man die Aktion des Badegastes irgendwie schon. Denn wer einmal im Terrassenbad war, der möchte hier liebend gerne häufiger eintauchen. 1954 errichtet, gilt das Terrassenbad spätestens seit der Renovierung 1988 wieder als eines der schönsten Freibäder Deutschlands.

Und das auch wegen der traumhaften Lage: Von den Liegewiesen aus genießt man einen herrlichen Blick auf die Berge der Bayerischen Rhön. "Es ist schon etwas Besonderes, wie das Freibad in den sonnigen Hang eingebettet ist", findet Bühner.

Doch primär geht es in dem Bad natürlich um die Wasserfreuden. Und auch da muss sich das Bad nicht verstecken. Die Jugendlichen toben sich, wenn nicht gerade auf der Wasserrutsche, an der Sprunganlage aus. Besonders für die männlichen Teenager ist ein spektakulärer Sprung vom Zehn-Meter-Turm ein wichtiges Show-Element eines nachmittäglichen Badetages. Denn vom Beckenrand aus bestaunen die weiblichen Teenager die Sprünge der Altersgenossen.


Schnacks, Eis und Getränke
Darüber hinaus findet man einen Bolzplatz, Beachvolleyball-Felder und Tischtennisplatten. Für die jüngsten Badegäste gibt es einen dezent an das Rutschbecken angegliederten Kleinkinderbereich. Die Senioren können in einer Ruhezone entspannen. Wer es sportlich mag, kann im 50-Meter-Becken seine Bahnen ziehen. Entspannung findet der Schwimmer anschließend am sogenannten "Weizenturm", einem unter Denkmalschutz stehenden Gastro-Pavillion im 1950er-Jahre-Stil. Hier kann man sich (unten) Snacks und Eis und (oben) ein Kaltgetränk schmecken lassen.

Viele Badegäste aus der Region kennen das Bad noch aus den Anfangsjahren und kommen seit dieser Zeit hierher. Auch Kurgäste besuchen das Bad. Trotzdem sieht Bühner, was die aktuellen Besucherzahlen betrifft, noch Luft nach oben. "Der Mai und der Juni waren nicht so toll. Wir hoffen, dass es eine längere Hitzeperiode gibt."
Dann könnten auch wieder über 5000 Besucher kommen, die an Spitzentagen erreicht werden - eine Zahl, über die man in den 1950er- und 1960er-Jahren nur müde gelächelt hätte. "Damals wurden auch schon mal 10 000 Besucher gezählt."

Das waren auch die Zeiten, als im Terrassenbad nicht nur entspannt geschwommen wurde. Immer wieder wurden hier internationale Springerlehrgänge ausgetragen. In Vorbereitung auf die Olympischen Spiele von 1964 trainierte in Bad Kissingen zum Beispiel der Sportler Klaus Dibiasi. Mit Erfolg: Er holte Silber und bei den drei folgenden Großereignissen jeweils Gold im Turmspringen.

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