Ein großer Garten und die Pflanzzeit steht bevor - da ist Hilfe gefragt. "Mein Mann hasst Gartenarbeit, er sitzt lieber am Computer", sagt Beate Ritter-Schilling. Daher hat sie über den Tauschring vier Frauen engagiert. Eine mischt im Garten Erde ab und bereitet die Pflanzkästen vor. Die anderen säen in der Küche Gurken, Bohnen und anderes Gemüse in die Schachtel.

Die Zeit wird den Frauen auf ein Konto gutgeschrieben, in der virtuellen Währung
"Blöker". Eine Stunde entspricht 20 Blökern. Dafür können die Helferinnen ihrerseits von Mitgliedern des Tauschrings Unterstützung anwerben, zum Beispiel beim Putzen oder Backen.

Vor 15 Jahren gründete Ritter-Schilling den Tauschring in Hammelburg. Die Idee brachte sie bei ihrem Umzug aus Schweinfurt mit. Heute verwaltet der Verein ihren Angaben nach rund 50 Konten. Hinter diesen stehen nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Familien oder Einrichtungen wie der Bürgerbus oder die Pfarrgemeinde. Leute vom Tauschring organisieren für die Pfarrgemeinde das Pfarrfest mit, dadurch mehren sie ihr Blöker-Konto, erklärt Ritter-Schilling.

Derweil streut Evelyn Sitzmann Samen aus einem Tütchen auf die lockere Erde im Aufzuchtkasten. "Durch den Tauschring lernt man nette Leute kennen", antwortet Sitzmann auf die Frage, warum sie bei dem Hilfsnetzwerk mitmache. So sind im Tauschring einige zu finden, die erst in die Hammelburger Gegend gezogen sind. Der Tauschring fungiert quasi als Kontaktbörse. Wer neu dazu kommt, muss zunächst eine Probezeit von einem halben Jahr durchlaufen. Dann zeigt sich, ob er zum Tauschring passt. Aber eigentlich regele sich alles quasi von allein, berichtet Ritter-Schilling. "Diejenigen, die das System nicht verstehen oder denken, sie könnten auf Gewinn spekulieren, gehen von selbst." Kontoüberzieher seien nicht das Problem. Es gebe eher Leute, die zu viel Guthaben angesammelt haben. Daher werden ab einem Kontostand von 300 Blöker monatlich pauschal 20 Blöker abgezogen.

Da beim Tauschring kein Geld fließt, sieht Ritter-Schilling den Verein als "ideale Form", um den Hammelburger Asylbewerbern eine Aufgabe zu geben. Diese sollen mit der Zeit in das Netzwerk integriert werden. Denn auch wenn von Computerkenntnissen über Backen bis hin zu Gartenarbeit viele Bereiche abgedeckt sind, werden handwerklich geschickte Männer beim Tauschring immer gut gebraucht.