Die Tafel ist aus Hammelburg nicht mehr wegzudenken. Hier bekommen Hilfsbedürftige mit schmalen Einkünften etwas zu essen, die ansonsten hungern müssten oder sich über eine angemessene Verpflegung hinaus angesichts niedriger Hartz-IV-Sätze nichts leisten könnten.

Zugleich ist die Lebensmittelausgabe (am Bahnhof 2) immer donnerstags ein beliebter Treff und eine Informationsbörse. Von der Gemeinschaft profitieren auch die Helferinnen und Helfer. Der Kontakt untereinander sowie die Freude am Helfen schaffen neue Einsichten und Blickwinkel aufs eigene Leben. "Das bringt Erfüllung und auch Spaß", erzählt eine Ehrenamtliche.

Corona-Pandemie hat Nachwirkungen

Bisher fanden sich auch reichlich unterstützende Hände. Doch jetzt schlagen die Verantwortlichen Alarm: "Die Helfersituation ist stark angespannt", begründet Schriftführer Werner Bergmann einen Aufnahmestopp für neue Kunden. Bei diesem Schritt spielen auch Nachwirkungen von Corona eine Rolle. Zu Beginn der Pandemie habe es einen Rückzug vor allem älterer Unterstützerinnen und Unterstützer aus Sorge vor einer Ansteckung gegeben. Dies habe man durch eine gleichzeitig aufkommende Welle der Hilfsbereitschaft noch ausgleichen können.

Versorgung für 320 Menschen

Die Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen. "Die da sind, arbeiten mehr", weiß Vorsitzender Patrick Bindrum. Insgesamt gebe es 44 Helferinnen und Helfer, die sich mit zunehmenden Herausforderungen konfrontiert sehen. Um die Mehrbelastungen stemmen zu können, bleibt die Zahl der Abholenden auf 80 begrenzt. Insgesamt können bis zu 320 Menschen versorgt werden. Das schmerzt, denn manch Bedürftiger geht wohl jetzt leer aus.

Die von der Tafel geleistete Arbeit bleibt unverändert hoch. "Wir schlagen pro Donnerstag rund eine Tonne Waren um", schätzt Patrick Bindrum. Und dies bei erschwerter Versorgungslage. Denn in der Pandemie hätten viele Lebensmittelkonzerne ihre Logistik optimiert. Im Ergebnis bleiben dort weniger Spenden übrig. Überhaupt sei die Versorgung weniger verlässlich geworden, beklagt Schriftführer Bergmann. Aus manch großer Lieferung, zum Beispiel von Milch, ist eher eine kleine geworden. Auch sei der Gemüsetransporter nach seiner Rückkehr vom Markt in Würzburg nicht mehr so voll wie einst. Eine Konsequenz daraus ist Woche für Woche sichtbar: "Donnerstagabend ist das Lager meistens komplett leer", berichtet Bindrum. Das sei auch sehr spannend, weil man nicht wisse, was die ganze Woche darauf in Sachen Nachschub passiert.

"Die Arbeit ist dadurch nicht weniger", sagt Bergmann zur Versorgungslage. Wochentags sind die Ehrenamtlichen gut beschäftigt, um die Waren für die Ausgabe bereit zu stellen. Dazu gibt es eine Kraft, die für 30 Stunden fest angestellt ist und gelegentlich Jugendliche, die Sozialstunden ableisten müssen. Denn ihrem Anspruch will die Tafel weiter gerecht werden. Bergmann: "Wir wollen unsere Kunden ernst nehmen und ihnen eine Würde geben".

Das bietet reichlich Anknüpfungspunkte: Jeder könne dort zupacken, wo es ihm besonders liegt. Gefragt sind Fahrerinnen und Fahrer, die mit dem Lieferwagen Lebensmittelspenden abholen, Lebensmittelaufbereiter sowie Helfer bei der Ausgabe.

Wünsche an die Politik

Auch an die Politik haben die Verantwortlichen der Tafel Wünsche. Oft würden die Leistungen der Tafel zu selbstverständlich in das Repertoire einer Stadt eingerechnet, findet Bindrum. Angesichts der dramatischen Entwicklung der Energiepreise blicken die Macher mit Unbehagen voraus: Noch mehr Menschen als bisher drohen unter die Armutsschwelle abzurutschen. "Die Politik kann nicht glauben, dass die Tafeln das auch noch abfangen", sagt Bindrum. Zumal man auch noch einen großen Teil Lebensberatung machen müsse. Sein Wunsch sei es, dass Kommunalverwaltungen den Tafeln mehr administrative Aufgaben abnehmen, wie etwa Einsatzplanung oder Prüfung der Bedürftigkeit von Kunden. Zumal man ja noch nicht wisse, was die nächsten Monate bringen. Schon die Zunahme von Ukraineflüchtlingen galt es zu bewältigen.

Spenden sind jederzeit willkommen

Noch komme die Tafel mit ihren Geldreserven halbwegs über die Runden, wobei die steigenden Treibstoffkosten eine zunehmende Belastung seien. Willkommen seien deshalb Geldspenden oder etwa eine Mitgliedschaft mit einem Jahresbeitrag von 15 Euro. In gewissem Rahmen seien auch Sachspenden erwünscht, wie größere Posten haltbarer Lebensmittel oder in der Erntezeit überzähliges Gemüse aus dem heimischen Garten. Gut kämen die von Supermärkten zusammengestellten Lebensmitteltüten an, die dort von den Kunden für die Tafel gekauft werden können.Wolfgang Dünnebier