Besonders viele jüngere Forscher haben es auf den renaturierten "Horlacher See" abgesehen, ist dieser doch ein Projekt der Einhard-Grundschule, die sich damit als "Umweltschule" bewirbt. Aber auch für die Marktgemeinde selbst ist die Renaturierung des Sees eine Herzensangelegenheit.
Lange Zeit lag der See verlandet im Waldgebiet "Sommerberg". Bereits seit Jahren besteht ein äußerst gutes nachbarschaftliches Verhältnis zur Hospitalstiftung Schweinfurt, die auch Eigentümer des Waldes am Sommerberg ist. Um dieses gute Verhältnis zu unterstreichen wurde, anlässlich des Jubiläums "1300 Jahre Euerdorf", von den Nachbarn eine "Kaiserlinde" als Geschenk gepflanzt. Der verlandete Seenbereich und die Pflanzstelle grenzen unmittelbar aneinander an.
Schnell war man sich einig, dass dies ein Projekt für Natur und Bürger sein würde - ein Anziehungspunkt für Alt und Jung. Die zu veranschlagenden Kosten blieben laut Bürgermeisterin Patricia Schießer "überschaulich". Die restlichen Kosten teilten sich die Stiftung Schweinfurt und der Markt Euerdorf. Der Horlacher See ist einer mit Historie. Bereits im 18. Jahrhundert wurde im Winter das Eis für die Bierkeller ansässiger Brauereien von hier geliefert.
Bis der See wieder als solcher seinen Namen verdiente, waren verschiedene Arbeitsschritte notwendig. Im Januar wurde das Gelände mit einem Harvester gerodet. Der Erlös der geschlagenen Bäume wurde gleich für die Seeanlage verwendet. Danach wurde der Grund verdichtet, der Zulauf einer Quelle sowie ein Bachlauf wurden verlegt, damit diese den See speisen. Erhöhungen auf dem Gelände im See wurden durch Erdhaufen geschaffen und sollen als Inseln dienen. Bereits Anfang April befand sich Wasser im neuen See und auch Tiere und Pflanzen hatten sich im und um den See angesiedelt.


Forschertage am See

Die einzelnen Schritte wurden von der Projekt-Gruppe der Einhard-Grundschule begleitet. Bereits im November, bevor die Arbeiten begannen, war die erste Begehung. Zur Rodung des Seegeländes waren die Schüler ebenfalls vor Ort und ließen sich die Seeanlage durch Revierleiter Wolfgang Kuhlmann sowie Peter Piel von der unteren Naturschutzbehörde Bad Kissingen erklären. Anfang April wurde der erste Forschertag durchgeführt. "Hier haben wir den See und sein Umfeld nach Pflanzen und Tieren abgesucht, die sich mit der Anlage des Sees angesiedelt hatten", erklärt die zehnjährige Magdalena. Außerdem wurde die Wasserqualität des Sees untersucht. Die Qualität wurde als "normal" eingestuft.
Der zweite Forschertag fand erst kürzlich statt. Mit Peter Piel und Wolfgang Kuhlmann wurden die Veränderungen an der Besiedelung durch Tiere und Pflanzen begutachtet und dokumentiert. "Wir haben zahlreiche Tierarten gefunden: Grasfrösche, Teichmolche - Jungtiere mit Kiemen, die Prachtlibelle, die kleine Mosaikjungfer und Rückenschwimmer", zählte Simon auf.
"Wasser ist Leben", meint Revierleiter Wolfgang Kuhlmann. "Es macht Spaß mit den Schülern den See zu erforschen." Besonders schön ist, dass die Gemeinde hier beispielsweise mit einem Fahrservice unterstützt und auch die Tatsache, dass die Betreuung durch die Einhard-Grundschüler nicht einmalig bleibt, sondern auch zukünftig stattfindet.
"Das ist ein spannendes, einzigartiges Projekt, mit dem sich die Kinder identifizieren können", stellt Lehrerin Andrea Schäfer fest, die mit Schülern auch in Zukunft vor Ort sein wird. "Wir haben eine Patenschaft für den See übernommen und werden immer wieder erforschen, wie das Leben am und im See sich weiterentwickelt, ob es Neuansiedlungen gibt und werden dies dokumentieren. Ich bin mir auch sicher, dass der ein oder andere Schüler den See auch nach seiner Zeit an der Einhard-Grundschule besucht, um den Fortgang zu beobachten." So werden mit dem Projekt nicht nur Jungforscher animiert, sich mit Dingen außerhalb des Klassenzimmers zu beschäftigen, sondern es wird auch ein Stück wertvolle Verbundenheit mit der Heimat geschaffen.

Horlacher See
Zahlen Der Horlacher See hat mehrere Zuläufe und ist an der niedrigsten Stelle ca. 30 cm, an der tiefsten bis zu 1,80 Metern tief. Größe: Ca. 0,5 Hektar

Geschichte (Quelle: Euerdorfer Chronik 2016) Die Geschichte des Sommerberges lässt sich bis auf das frühe Mittelalter zurückverfolgen. Vermutlich Kaiser Karl der Große ließ durch Umsiedlung von aufständischen Slawenvölkern zwei kleine Dörfer durch das Kloster Fulda im Bereich des Sommerberges gründen. Umfangreiche Urkunden aus dem frühen 9. Jahrhundert befinden sich hierüber im Klosterarchiv. So befand sich das Dörfchen Flieden vermutlich in unmittelbarer Nähe zum Horlacher See. (....) Die zu dem frühmittelalterlichen Ort dazugehörige Brunnenstube ist heute noch sichtbar und ist in den Bodendenkmälern des Freistaates Bayern aufgenommen.

Umweltschule in Europa - Internationale Agenda 21 Schule
ist eine Ausschreibung der internationalen Umweltbildungsorganisation Foundation for Environmental Education (FEE), in Deutschland vertreten durch die Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung (DGU). Gegenwärtig beteiligen sich weltweit über 20 000 Schulen in mehr als 40 Staaten. (Quelle: www.umwelterziehung.de) hbd