Mehr als 130 Straßenkilometer hat die Stadt Bad Kissingen zu unterhalten und im schlimmsten Fall zu sanieren. Zu den Aufgaben mit geringstem Aufwand gehört dabei die Anbringung oder Erneuerung von Straßenmarkierungen. Im Haushalt 2021 sind dafür 20 000 Euro für über 30 Markierungsaufträge eingeplant.

"Viele unserer Straßen sind schon 40 oder 50 Jahre alt", ist sich Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) bewusst. Die Infrastruktur ist teilweise marode, Grundsanierungen sind längst überfällig. Vogel: "In den vergangenen zehn Jahren wurden durchschnittlich 300 Meter pro Jahr saniert." Eigentlich hätten es zehn Mal so viel sein müssen, weiß er, also drei Kilometer pro Jahr.

Nicht zuletzt nach dem Wegfall der Straßenausbaubeiträge ab Januar 2018 ist die Kommune bestrebt, durch gleichzeitige Zusammenarbeit mit den Versorgern (Stadtwerke, Telekom und anderen) den finanziellen Eigenanteil einer kostenintensiven Grundsanierung auf 20 bis 40 Prozent zu senken. Entsprechende Vorplanungen und Abstimmungen brauchen Zeit, weshalb nicht zuletzt auch angesichts des knappen Haushalts die erforderlichen Straßensanierungen in Bad Kissingen "nur relativ langsam vorangehen", bedauert der Oberbürgermeister.

Getreu dem Motto "Gut genug ist besser als nichts" ging er deshalb der Frage nach: "Wo können wir mit einfachen Mitteln etwas tun, um unsere Straßen wenigstens an der Oberfläche gut aussehen zu lassen?" Zusätzlich zur routinemäßigen Beseitigung kleinerer Mängel, die nach den quartalsmäßigen Begehungen des Servicebetriebs ausgebessert werden, gehört deshalb auch die Erneuerung der nach der Straßenverkehrsordnung vorgeschriebenen Straßenmarkierungen.

Seit Dienstag sind städtische Mitarbeiter nun damit beschäftigt, in einem ersten Schritt alle Markierungen in den Straßen im engen Umfeld der Altstadt zu erneuern. Anschließend soll diese Aktion jenseits der Hemmerichstraße und der Saale fortgesetzt werden - allerdings nur auf solchen Straßen, die nicht innerhalb der kommenden zehn Jahre ohnehin grundsaniert werden sollen. Dabei gibt es unterschiedliche Verfahrensweisen: Während die Markierungen im äußeren Innenstadtbereich nur mit weißer Farbe nachgemalt werden, werden im Zentrum vorgefertigte thermoplastische Kunststoffplatten verlegt, wie die Mitarbeiter des Servicebetriebs, Sebastian Metz und David Reuß, am Dienstag dem Oberbürgermeister zum Auftakt der Aktion am Beispiel des Zebrastreifens vor der Sparkasse in der Von-Hessing-Straße zeigen konnten. Hierbei wird zunächst der jeweilige Untergrund gesäubert, darauf dann eine Haftgrundierung aufgetragen. Nach dem Auflegen der vorgefertigten Kunststoffplatte wird diese erhitzt, um sie mit der Grundierung zu verbinden. Gleichzeitig wird durchsichtiges retroreflektierendes Granulat für bessere Sichtbarkeit bei Dunkelheit aufgetragen. Abschließend wird die erhitzte Platte mit Wasser abgelöscht.

Längere Haltbarkeit

"Diese Platten halten mindestens vier bis fünf Mal so lange wie die sonst übliche Farbbemalung", weist Norbert Borst, Leiter des Servicebetriebs, auf den entscheidenden Vorteil hin. Doch um diese Markierungen in den nächsten Tagen schrittweise verlegen zu können, muss die jeweilige Straße stellenweise abgesperrt werden. Deshalb kann es dort zeitweilig zu Behinderungen des Straßenverkehrs kommen.