Nach einem Jahrzehnt stetigen Wachstums versprachen auch die Monate Januar und Februar den Hoteliers und Gastronomen in Stadt und Landkreis Bad Kissingen wieder ein gutes Jahr. Doch die jetzigen Absagen von Veranstaltungen und Kongressen sowie freiwilliger Reiseverzicht und Grenzschließungen sorgen für eine gewaltige Stornierungswelle, deren wirtschaftliche Folgen dramatisch sind.

"Bis Ende Juni waren wir gut gebucht, sogar mit einer Bestmarke von 95 Prozent im Mai. Doch Anfang März kamen die Stornos", berichtet Pascal Muller, Direktor des Cup Vitalis, dem mit 174 Zimmern drittgrößten Hotel in Bad Kissingen. Jetzt sollten eigentlich Reservierungen für die Sommermonate und den Herbst kommen. "Das ist nicht der Fall."

Während Großhotels die finanziellen Einbußen womöglich durch Rücklagen auffangen können, ist dies bei kleinen und mittelständischen Hotels oder Pensionen kaum gegeben, weshalb dort die Auswirkungen dramatisch sind. Umsatzeinbußen bis zu 80 Prozent werden nach einer Blitzumfrage des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (BHG) für März erwartet. "In nächster Zeit werden wir wohl kaum Gäste haben", klagt auch Anna Krug, Inhaberin der Villa Spahn (24 Zimmer). "Dabei gehen die Stornos jetzt erst richtig los", bestätigt ein Kissinger Hotelier, der nicht genannt sein will und ergänzt: "Wer in dieser Situation aus Kulanz auf Stornogebühren verzichtet, ist im nächsten Jahr vielleicht nicht mehr da." Deshalb appelliert der BHG an den Staat: "Ohne schnelle und effektive Hilfe wird es eine Welle von Insolvenzen geben." Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) hat angekündigt, den Freistaat um finanzielle Unterstützung für die heimische Hotellerie und Gastronomie zu bitten.