Drei Anläufe brauchte es, bis Pfarrer Gabriel Gnanathiraviam wieder zur Urlaubsvertretung in seine alten Rhöner Gemeinden im Pastoralen Raum am Kreuzberg kommen konnte. Die Pandemie hielt ihn in Indien fest, wo er mittlerweile keine eigene Gemeinde mehr führt, sondern als Direktor der "Madurai Multipurpose Social Service Society" tätig ist. Es ist eine offizielle Organisation der Erzdiözese Madurai zur Förderung von Gerechtigkeit, Frieden und Entwicklung.

Von Ende Juli bis Mitte September übernahm Pfarrer Gabriel die Urlaubsvertretung für die Pfarrer Manfred Endres und Hubert Grütz. Jetzt verbringt er noch eine Woche bei Bekannten in Freiburg, wo er vor seiner Bischofsheimer Zeit als Geistlicher tätig war.

2018 verließ er Deutschland und leitete die Pfarrei St. Antonius in Palanganatham in Madurai (Bundesstaat Tamil Nadu im Süden Indiens). Im Dezember 2020 übernahm er auf Bitten des Bischofs die neue Aufgabe. Die "Madurai Multipurpose Social Service Society" versteht sich als Entwicklungswerk. "Wir bauen an einer Gesellschaft der Solidarität", so Pfarrer Gabriel Gnanathiraviam.

In erster Linie gehe es um die Unterstützung von Frauen, Kindern, Jugendlichen und Dalits, den sogenannten "Unberührbaren" sowie Flüchtlingen. Pfarrer Gnanathiraviam hat die Aufgabe die Entwicklungsaktivitäten in den neun regionalen Zentren zu koordinieren. Dabei gehe es nicht um Missionierung oder Konvertierung, es werden allen Menschen gleich welcher religiösen Zugehörigkeit unterstützt.

Eine unsichtbare Mauer

"Wir kümmern uns um die Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen und die Unterdrückten." Laut indischer Verfassung sei das Kastensystem zwar abgeschafft, doch in der Praxis werden Ressentiments aufrecht erhalten und gelebt. "Es ist eine unsichtbare und unbrechbare Mauer. Der Kampf gegen das Kastenwesen ist nicht vollkommen erfolgreich." Unberührbare stehen außerhalb der Gesellschaft ohne eine Chance auf Unterstützung. Ihnen gelte das besondere Augenmerk der Organisation.

(Aus-) Bildung für Frauen

In den Regionen gibt es Büros mit festen Mitarbeitern, die in über 400 Dörfer gehen und Bildungsarbeit leisten. Wie Pfarrer Gabriel berichtet gehe es dabei unter anderem um politische Bildung und Informationen zum Weltgeschehen, dem Krieg in der Ukraine, den steigenden Kosten für Lebensmittel und Energie, aber auch um soziale Fragen und natürlich um konkrete Schulungen, damit Frauen eine Ausbildung bekommen und Geld verdienen können. Es gebe Trainings zu ganz unterschiedlichen Themen: Nähkurse, Bienenzucht, Landwirtschaft, Marmelade kochen, Pilze züchten, Schokolade zubereiten. Vorwiegend Frauen lernen in dem Programm für sich selbst und die Familie zu sorgen.

Die erwirtschafteten Gelder werden im Programm "Einkommen generieren" gemeinschaftlich verwaltet. Kleinkredite können ausgegeben werden. "Die Frauen lernen zu sparen und zu wirtschaften", beschreibt Gnanathiraviam die Situation. Männer mit dem Programm zu erreichen sei sehr schwer. Das Misstrauen untereinander sei groß, Alkoholismus sei ein Problem. "Wir versuchen die Frauen aufzuklären, ihr Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein zu stärken. Ihnen Hoffnung und Perspektiven zu geben. Sie müssen über ihre Rechte Bescheid wissen und ermutigt werden, sie auch wahrzunehmen. Unberührbar zu sein, ist nicht Gott gegeben."

Spendengelder aus der Rhön

Gerne habe Pfarrer Gnanathiraviam diese Arbeit übernommen. "Es gibt mir ein Gefühl der Zufriedenheit." 2019 wandte er sich mit eine Bitte um Spenden für die Aufstockung des Gemeindesaals in seiner damaligen Gemeinde an seine Rhöner Freunde. Aufgrund bürokratischer Probleme mit der Baugenehmigung und der Statik konnte das Vorhaben nicht verwirklicht werden. In Absprache mit dem Bistum Würzburg, das sich ebenfalls beteiligte, werden die gespendeten Gelder in zwei Schulen investiert. Zum einen in Reparaturen und zum anderen für den Bau von Toiletten und zwei Klassenzimmern. Pfarrer Gnanathiraviam hofft, dass dies auch im Sinne der vielen Unterstützer sei.

Für die "Madurai Multipurpose Social Service Society" haben ihm die Oberweißenbrunner Senioren 600 Euro zur Anschaffung von Nähmaschinen übergeben. Neben den Nähmaschinen werden Spendengelder für Ziegen und Hühner sowie Brunnen benötigt. Das Vieh werde gezüchtet, um weitere Familien mit Tieren versorgen zu können. Als Pfarrer Gabriel Gnanathiraviam Deutschland verließ, spendierten ihm die Rhön für seine Tätigkeit in Indien ein Fahrzeug. "Das habe ich heute noch, es leistet mir gute Dienste", drückt er seine Dankbarkeit für die Unterstützung und Freundschaft aus.

Hilfe ist willkommen

Wer seine Tätigkeit unterstützen möchte, kann dies auf zweierlei Weise tun. Über die Kirchenstiftung St. Katharina Unterweißenbrunn IBAN: DE74 7935 3090 0011 1736 63; BIC BYLADEM1NES Es können steuermindernde Spendenquittung ausgestellt werden.

Konto: Gabriel Gnanathiraviam, Liga Bank, Würzburg IBAN: DE11 7509 0300 0003 1938 45 BIC: GENODEF 1M05 Hierbei kann Ihnen allerdings keine steuerwirksame Spendenquittung ausgestellt werden.