Auf minus 7,1 Prozent lautete noch zu Jahresbeginn die Bevölkerungsprognose für den Landkreis Bad Kissingen bis zum Jahr 2034. Zumindest kurzfristig kann der Kreis sich gegen den vorhergesagten Trend stemmen: 102 901 Einwohner waren Ende 2014 im Landkreis gemeldet, 103 106 lautete die amtliche Einwohnerzahl Ende 2015, die Kommunen selbst zählten damals sogar 103 879. Aktuell summieren sich die Einwohnerzahlen der 26 Kommunen auf 104 033. Das entspricht einem Plus von immerhin 154 Bürgern.
"Der Landkreis wächst zwar knapp, aber er wächst", freut sich der stellvertretende Landrat Emil Müller (CSU). Das sei gerade wegen der negativen Prognosen erstaunlich. Einen Beitrag habe sicher die gute Integration der Flüchtlinge geleistet: "Zunächst haben alle erwartet, dass die meisten den Landkreis schnell wieder verlassen wollen, aber der Trend ist, dass die, die da sind, auch bleiben."
 
 

Woran die Zunahme genau liegt, ist statistisch schwer zu belegen, weil das Statistische Landesamt seine Auswertung erst in einem halben Jahr vorlegt: "Unser letzter Stand ist der 31. Dezember 2015, die neuen amtlichen Zahlen gibt es dann erst im Juli oder August", berichtet Pressesprecher Gunnar Loibl. Diese amtlichen Zahlen weichen auch regelmäßig von den Angaben der Kommunen ab: "Da schleichen sich Fehler ein, die womöglich nie korrigiert werden", kommentiert Loibl die Zählweise der Gemeinden. Bereits bei der Software gebe es erhebliche Unterschiede: "Da hat jeder seine eigene Lösung."
Deshalb zählt das Landesamt immer selbst: Grundlage ist der sogenannte Zensus, der regelmäßig erstellt wird, zuletzt 2011. Danach würden Geburten und Zuzüge sowie Todesfälle und Wegzüge erfasst. Daraus errechnet das Landesamt dann einmal im Jahr eine amtliche Einwohner-Zahl, die Grundlage etwa für Umlagen und Zuweisungen ist. Oft gebe es dabei erhebliche Abweichungen, etwa wenn Kommunen die Nebenwohnsitze mit einrechnen, weil zum Beispiel viele US-Soldaten dort wohnen.


Zuwanderungsplus von 770

Zumindest für das Jahr 2015 gibt die offizielle Statistik aber einen Anhaltspunkt für das Einwohner-Plus: Damals sind 6426 Menschen in den Landkreis Bad Kissingen umgezogen, aber nur 5656 zogen weg, macht ein Plus von 770. Damit wird ein deutlicher negativer Trend bei Geburten und Todesfällen ausgeglichen: 2015 kamen im Landkreis 807 Säuglinge zur Welt, aber 576 Menschen mehr, nämlich 1383, starben.
Innerhalb des Landkreises gibt es vor allem einen Gewinner: die Stadt Bad Kissingen, siehe Extra-Bericht. Dagegen verliert das Umland. Davon weiß zum Beispiel der Wartmannsrother Bürgermeister Jürgen Karle ein Lied zu singen: "Wir haben in den vergangenen 20 Jahren rund zwölf Prozent verloren", kommentiert er die Statistik. Konkret: 2406 Einwohner hatte die Gemeinde 1996, aktuell sind es 2116. "Wir hatten früher viel mehr Geburten", nennt Karle als Hauptursache. Aber auch der Wegzug vor allem gut ausgebildeter junger Leute schmerzt ihn. Immerhin fiel das Minus im Jahr 2016 mit nur drei Bürgern relativ gering aus. "Es gibt durchaus wieder mehr Nachfrage nach Bauplätzen", schöpft Karle Hoffnung.
 
 
Infografiken: Robert Wagner