Der Gaspreis - zum 1. Oktober um 60 Prozent gestiegen. Willy Willeke, einer von mehreren Vorsitzenden des TV/DJK Hammelburg, bringt das nicht ins Schwitzen. Weiß er doch, dass sein von der Mitgliederzahl her größter Verein im Landkreis vorgesorgt hat, ein Stück weit unabhängig ist vom verrückt spielenden Energiemarkt. Bei anderen Vereinen sieht es nicht ganz so rosig aus.

Das TV/DJK-Vereinsheim steht gleich neben der Saaletalhalle im Hammelburger Sportzentrum. Darin integriert nicht nur die Geschäftsstelle, sondern auch ein größerer und ein kleinerer Raum für den Sportbetrieb. Zudem hat der Verein stundenweise verschiedene Immobilien im Stadtgebiet angemietet, allen voran die Saaletalhalle für die Zweitliga-Volleyballer, aber auch Hallen an der Grund- und der Mittelschule, dem Gymnasium und der Förderschule.

Was den Strom angeht, ist der Verein nach Willekes Worten weitgehend autark. Auf dem Dach des Sportheims sitzt eine Fotovoltaikanlage; die Beleuchtung wurde auf sparsames LED umgestellt. "Mit den Stadtwerken besitzen wir noch einen Altvertrag. Da bekommen wir mehr Geld für die Verkauf des produzierten Stroms, als wir für den Bezug bezahlen."

Trotzdem hat der TV/DJK sich Energiesparen verordnet: Die Temperatur in der Geschäftsstelle wurde nach einer Empfehlung des Turnerbundes von 21 auf 19 Grad gesenkt. Die Sporträume werden laut Willeke nur beheizt, wenn sie genutzt werden. "Wir werden aber nicht sagen: Die Duschen bleiben kalt. Das machen wir nicht, auch wenn die Energiekosten steigen."

Auch bei den von Stadt und Landkreis angemieteten Hallen sieht der Vorsitzende keinen Grund zur Sorge. "An Nutzungsgebühren haben wir nicht mehr oder weniger als vorher zu zahlen." Eine größere Belastung entstehe dem TV/DJK nur, wenn diese Gebühren erhöht würden. Dann müsse man wohl an die Mitgliedsbeiträge ran.

Im Moment sieht er den Verein aber "recht ordentlich dastehen". Die höheren Gaspreise könne man verkraften. Zumal der Staat die Dezemberpauschale übernehme und es im Februar einen "Gaspreisdeckel" gebe.

Ganz so komfortabel stellt sich die Lage beim in der Bayernhalle beheimateten TSV Bad Kissingen nicht dar. Der Verein erhöht zum 1. Januar vorsichtig die Mitgliedsbeiträge. Ein Erwachsener zahlt ab dann 90 statt 80 Euro jährlich, eine Familie 170 statt 150 Euro.

TSV-Vorsitzender Michael Nachemia ist sich bewusst, dass "über die Mitgliedsbeiträge die enormen Kosten nicht hereingeholt werden" können, auch nicht über die "Beitragsanpassung".

Der Verein orientiert sich beim Energiesparen an Empfehlungen des Bayerischen Landes-Sportverbandes. Das bedeutet laut Nachemia, dass die Raum- und Wassertemperatur etwas gesenkt wird. "Allerdings nur in dem Maße, dass Raum-, Luft- und Wasserhygiene gewährleistet bleibt und ein Verletzungsrisiko durch zu niedrige Temperaturen vermieden wird."

Ansonsten hofft der TSV-Vorsitzende "auf Unterstützung aus öffentlicher Hand, sonst müssen die Kosten möglicherweise durch einen außerordentlichen Aufschlag auf den Mitgliedsbeitrag aufgefangen werden."

Sorgen bereitet Michael Nachemia die Bayernhalle. Eine energetische Sanierung sei schwierig, weil die Stadt aufgrund des Denkmalschutzes keine Fotovoltaikanlage genehmige. Auch andere bauliche Veränderungen seien schwierig. Man stehe in Verhandlungen.

Thomas Hack, städtischer Pressesprecher, schreibt, dass die Stadt "ihre Sporthallen für die Vereinsnutzung, solange diese nicht wirtschaftlich ist - also zum Beispiel bei Faschingsveranstaltungen - kostenlos zur Verfügung stellt". Besondere Verbote, um Energie einzusparen, seien nicht angeordnet. "Wir haben die Raum-Temperaturen auf maximal 19 Grad reduziert. Die Duschen laufen mit normaler Temperatur."

Der TSV Münnerstadt vereint rund 1330 Mitglieder unter seinem Dach, darunter unter anderem Fußballer, Leichtathleten, Turner, Basketballer sowie American Footballer und Gesundheitssportler. Viele davon nutzen im Winter die Mehrzweckhalle.

Der Verein profitiert laut dem für Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Vorstandsmitglied Thomas Geyer von der im vergangenen Jahr abgeschlossenen energetischen Sanierung der Halle. Eine neue Heizung, LED und eine vernünftige Wärmedämmung - sie drückten vor der Krise Energieverbrauch und -kosten auf etwa Hälfte. Wie sich die galoppierenden Preise, besonders beim Gas, aufs TSV-Budget auswirken, weiß Geyer noch nicht. "Wir werden sehen, wie wir hinkommen."

Bei der Stadt als Eigentümer wurde diskutiert, Wasser und Heizung im Gebäude kalt zu lassen. Der TSV war dagegen, weil Restaurant und Pächterwohnung mit am Kreislauf hängen. Geyer fände es auch ungünstig, wenn zum Beispiel nassgeschwitzte und durchgefrorene Fußballer nach dem Spiel kalt duschen müssten. Die Temperatur in der Halle wurde aber von 20 auf 17 Grad heruntergeregelt.

Mit knapp unter 500 Mitgliedern ist der Tennisclub Rot-Weiß ebenfalls ein größerer Verein. Er besitzt sogar eine eigene Tennishalle, was sich aber eher als Fluch erweist. Denn sie wird mit Gas geheizt.

"Wir wissen nicht, was auf uns zukommt", sagt Vorsitzender Markus Wittek mit Blick auf die Gaspreise. Seiner Meinung nach existieren zwei Optionen. Entweder, man schraubt die Temperatur in der gut ausgelasteten Tennishalle herunter. Wobei es besonders für die zwei ganztägig tätigen Trainer sicher nicht angenehm wäre, statt bei 13 bis 14 Grad bei fünf bis acht Grad arbeiten zu müssen. Oder der Verein hebt die Preise für die Hallennutzung an.

Durch ihren Jahresbeitrag dürfen die Mitglieder des TC Rot-Weiß die Freianlage des Vereins im Luitpoldpark kostenlos nutzen. Für die Halle buchen sie Stundenabos, die etwas günstiger sind als für Nichtmitglieder. "Der Preis muss angehoben werden, wenn die Kosten steigen", ist Wittek überzeugt. Über andere Möglichkeiten verfüge der Verein nicht.

Für eine eigene Fotovoltaikanlage müsse man erstens prüfen, ob die Statik der Tennishalle sie trage. Und zweitens liefere diese ja Strom vorwiegend im Sommer, wenn die Halle leer stehe, nicht in den Wintermonaten, wenn er gebraucht wird. Die Einspeisevergütung sei gering und unattraktiv. Immerhin hat der Verein vor zwei Jahren die Beleuchtung auf stromsparendes LED umgestellt.

Thomas Dorn vom 1. SV Römershag kann auch noch nicht sagen, was an zusätzlichen Energiekosten auf die Mitglieder zukommt. Der Verein nutzt mit diversen Fußballteams die Dreifachhalle im Schulzentrum - wie übrigens auch die FC-Handballer, die Leichtathleten des Turnvereins (TV), der SD 2020, der SC Motten und eine Lehrersportgruppe.

Die landkreis- und stadteigene Halle gehört tagsüber dem Schulsport, so Michael Worschech, Geschäftsleiter der Stadtverwaltung. Demnach zahlen Vereine eine Duschpauschale von 50 Cent pro Akteur, der an einem Sporttermin teilnimmt. Für die Jugend erhalten die Vereine eine Förderung, so dass sie unterm Strich nichts zahlen.

Worschech, der selbst im Vorstand des TV sitzt, sieht das dicke Energiekostenende, wenn es denn kommt, erst im Sommer auf die Vereine zurollen, wenn die endgültigen Abrechnungen anstehen. Um nachhaltig Energie und damit Kosten zu sparen, müsste man eigentlich den Vereinen den Hallenbetrieb versagen. Doch das sei sicher nicht in deren Sinne, erste recht nicht nach der Corona-Krise, in der kaum Sportbetrieb möglich war.

Ähnlich denkt Thomas Dorn vom 1. SV Römershag. Eine eventuelle Erhöhung der Beträge, um gestiegene Kosten abzufedern, sieht er kritisch. Das schrecke die Mitglieder, auch potenzielle, eher ab. Ohnehin könne man so etwas erst bei der Jahresversammlung beschließen. Und die finde erst wieder im Herbst 2023 statt.