Weil Unterfranken dran war und der TSV Münnerstadt aktuell seine Gründung vor 150 Jahren feiert, wurde das Turnier in seiner 20. Auflage an die Lauer vergeben. Einen Pokal samt Titel gibt es für den Sieger. Im Mittelpunkt steht aber kein Team - sondern der Mensch. "Wenn wir einmal im Jahr unser Turnier veranstalten, unterstützen wir immer ein soziales Projekt. Diesmal für Frauen und Kinder im Senegal", erzählt Helmut Kormann, der auf der Tribüne im Münnerstädter Sportzentrum den Stadionsprecher und Turnier-Organisator gibt. Und erzählt, dass mindestens ein Drittel der Fußballer aktiv im Verein oder zumindest in einer kirchlichen Betriebssportgruppe oder Hobbymannschaft spielt. Der Manager der Klerus-Auswahl aus der Erzdiözese Bamberg freute sich letztendlich über 1200 Euro für den guten Zweck.
Beim Benefizspiel tags zuvor waren bereits 300 Euro zusammengekommen, die Geistlichen selbst hatten aus diversen Kollekten 550 Euro mitgebracht. Wer spontan helfen wollte, durfte seinen Obolus in die Spendenbox entrichten.

Die Planung im Vorfeld hatte Pater Markus Reis übernommen. Der 54-Jährige trägt an diesem Tag Trikot statt Habit. Der Augustiner-Mönch, aktiv bei den Mittwochs-Fußballern des TSV Münnerstadt, hatte sich um viele ehrenamtliche Helfer ebenso gekümmert wie um die drei Schiedsrichter. Für Verpflegung und Unterkunft sorgten alle Beteiligten selbst, opferten ihren freien Tag. "Der Montag ist immer der freie Tag der Pfarrer. Daher wird immer am ersten Montag nach Pfingsten das Turnier ausgetragen", sagt Kormann. Mitspielen dürfen Ordensleute, Diakone und Priester sowie seit Kurzem auch Pastoral- und Gemeindereferenten sowie kirchliche Mitarbeiter. Alles Katholiken übrigens. "Die Ökumene pflegen wir bei Auswahlspielen oder an Kirchentagen", sagt Kormann.

Heuer wurde erstmals auf Kleinfeld gespielt, weil auch die geistlichen Würdenträger mit Nachwuchs-Problemen zu kämpfen haben. Da mehr Tore fallen, wird mehr gejubelt - und geschimpft. Emotionen gehören dazu. Und Frotzeleien. "Früher war das extremer unter den Fußballern aus Bistümern und Erzbistümern." Kleriker-Humor. Die Begegnung mit den Kollegen ist aber ein zentraler Aspekt der Veranstaltung. Wozu das Benefizspiel der Bayerischen Klerus-Auswahl am Tag zuvor beiträgt. "Wir haben ein 4:4 erreicht gegen die Münnerstädter Promi-Auswahl. Die Deutschen haben den Ausgleich gegen die USA nicht mehr geschafft. Das hatte uns amüsiert", erzählt Kormann vom gemeinsamen TV-Erlebnis.

Gleich zwei Mannschaften hatte die Diözese Würzburg ins Rennen geschickt. Quasi die Lokalmatadoren. Zum Turniersieg reichte es nicht, obwohl im Trikot der Unterfranken mit Michael Kubatko ein Mitglied der Bayerischen Klerus-Auswahl aufläuft. Der 35-Jährige, der wie Lukas Podolski im polnischen Gleiwitz geboren wurde und dessen Großvater Winfried in den 50er Jahren polnischer Nationalspieler war, ist Pfarrer und Leiter der Pfarreien-Gemeinschaft "Heiliges Kreuz" und spielt aktiv für den Kreisklassisten DJK Burghausen/Windheim. Das Auftreten der Akteure ist professionell. Jedes Team hat seine eigenen Trikots - mit Sponsoren-Logo. Die weltlichen Gewänder der Unterfranken schmückt der Schriftzug der Liga-Bank, einer kirchlichen Genossenschaftsbank in Regensburg, die ebenfalls mit einem Team vertreten ist.

"Unsere Stärke ist der Zusammenhalt, auch wenn wir immer eins bis zwei Spiele brauchen, bis das Miteinander funktioniert", verrät Bernd Keller. Der Ehe- und Familienseelsorger im Dekanat Bad Kissingen mit Trainer-Erfahrung beim SV Garitz, gehört wie Thorsten Kapperer (Langenleiten) oder Torwart Michael Röder (Oberthulba) zu den Jüngeren in der Auswahl der Diözese Würzburg. Der soziale Background schließt Ehrgeiz nicht aus. "Natürlich ist das Gemeinschafts-Gefühl wichtig. Gewinnen will trotzdem jeder. Ohne sich oder den Gegner zu verletzen", sagt der 40-Jährige, der Fußball als Synonym für das Leben sieht, weil es um Regeln, Grenzen, Fouls und immer um das Miteinander geht. "Beim Fußball kann man lernen, wie man in der Kirche arbeiten soll."