Training wird überschätzt. Finden jedenfalls die Tennis-Cracks im TV Poppenlauer. Die Truppe um Mannschafts-Führer Markus Schüller hat nicht einmal einen Trainer - und ist dennoch erfolgreich. Nach zwei Aufstiegen in Folge spielt das Herren-Team in der Bezirksklasse 2.

40 Personen zählt die Abteilung. Meistens passive Mitglieder. Nachwuchs: Fehlanzeige. Neben den sieben Spielern im Herren-Team gibt es noch das Herren-50-Team um Peter Müller. Auch bei den Routiniers steht der Spaß im Vordergrund. Wer sich in Form bringen will, verabredet sich auf ein lockeres Match. Die drei Sandplätze dürfen aber auch Nicht-Mitglieder benutzen. Das sehen die TV-Cracks nicht so eng. Hauptsache, es wird überhaupt noch Tennis gespielt in Poppenlauer, wo Fußball, aber auch das Kegeln und Tischtennis einen höheren Stellenwert haben. Ab und an wird eine Vereins-Meisterschaft ausgetragen. "Für viele im Ort war Tennis früher als Sport für Snobs verpönt. Und jetzt interessiert es irgendwie keinen. Und das, obwohl der Jahresbeitrag im Verein sehr niedrig ist", bedauert Schüller, der längst in Herschfeld wohnt, dort den Fußball-Nachwuchs trainiert, aber seinen sportlichen Idealismus in der alten Heimat auslebt. Gut für die Abteilung, die eigentlich führungslos ist. "Was gemacht werden muss, wird gemeinsam erledigt", sagt der 40-Jährige. "Man telefoniert sich zusammen, wenn es was zu tun gibt", erzählt Schüller vom unkomplizierten Miteinander. Nützt ja nichts, den Hoch-Zeiten des Poppenläurer Tennis-Sports nachzutrauern. Auch die kleine Personal-Misere vor einigen Jahren samt Abstieg hat man ausgestanden.

Motiviert sind die Überlebens-Künstler allemal. Haben vor einigen Jahren sogar ein kleines Vereinsheim mit viel Eigenleistung gebaut. Ist kein Tennis, trifft man sich gerne zum Stammtisch. Die Poppenläurer sind halt gesellig. Was auch die Gegner zu schätzen wissen. Die Konkurrenz nimmt zwar oft keine Punkte mit, dafür einen bestens gefüllten Bauch. "Bei Herren-Spielen gibt es seit vielen Jahren vor dem Spiel Sekt und Lachs mit Weißbrot. Da kommt der Gegner auch gerne mal etwas früher", erzählt Steffen Heuchler. Mit dem Besorgen und Herrichten wechseln sich die TVler ab, legen die Rechnungen zusammen - und bezahlen das Gourmet-Frühstück aus eigener Tasche. Nach dem Spiel wird wieder aufgetischt. Meistens wird gegrillt. "Wir lassen uns immer mal wieder was einfallen", berichtet Schüller.

Was auch auf die Aufstiegs-Feier zutraf, als Neuzugang Alexander Wittig mit seiner Band und kompletter Musik-Anlage anrückte und vier Stunden einheizte. Damit quasi seine Wettschulden einlöste nach dem Titelgewinn. Ein positiv verrückter Haufen.