Von wegen Altherren-Sport. Tischtennis ist durchaus hip, was Tom Hartung nur bestätigen kann. Beim TV/DJK Hammelburg ist der 28-Jährige, der als Teamleiter bei "Reifen Müller" in Westheim beschäftigt ist, seit Jahren ein unverzichtbarer Teil der Abteilung. Was einen Blick über den Tellerrand des eigenen Sports nicht ausschließt. In seiner Freizeit ist der Hammelburger gerne mit dem Rad unterwegs, spielt Darts, geht ins Fitnessstudio oder ist als Fan bei Fußball-Spielen.

Wer hat Sie angespielt?

Tom Hartung: Das war Lukas Gößmann-Schmitt, der ein alter Schulfreund meines Bruders ist. Ich muss ehrlichweise gestehen, dass wir uns Jahre nicht mehr gesehen haben. Aber umso schöner, dass er jetzt beim Steilpass an mich gedacht hat.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Mit elf oder zwölf Jahren habe ich mit Tischtennis angefangen und spiele beim TV/DJK Hammelburg seit etwa 16 Jahren. Fußball habe ich im Alter von sieben bis zwölf Jahren gespielt, um mit 19 wieder anzufangen. Verletzungsbedingt musste ich vor einem Jahr endgültig mit dem Kicken aufhören. Auch beim Fußball bin ich eine treue Seele gewesen, war immer nur beim FC Hammelburg aktiv.

Trainiert Ihr schon wieder beim Tischtennis?

Seit den ersten Lockerungen nutzen wir die Gelegenheit zum Spielen. Die Sehnsucht war groß, sodass trotz Sommerpause aktuell zwei- bis dreimal mal die Woche trainiert wird.

Was ist Ihre stärkste Waffe beim Tischtennis?

Aktuell würde ich sagen... meine Rückhand, vor allem der Rückhandschuss. Ich war die letzten Jahre aufgrund zweier Knie-Operationen ziemlich unbeweglich an der Platte, wodurch mir meine eigentlich starke Vorhand abhanden gekommen ist. Dadurch hat sich die Rückhand automatisch verbessert und ist jetzt meine stärkste Waffe.

Wird bei Euch eigentlich auch so ein Hype ums Bekleben der Schläger gemacht?

Hype würde ich jetzt nicht sagen. Aber wir testen schon gerne neue Beläge und Hölzer aus. Beim Tischtennis ist das Material sehr wichtig, daher muss man schauen, das Richtige für seinen Spielstil zu finden und dementsprechend auch mal zu testen. Aber das Material ist nicht das wichtigste beim Tischtennis, deswegen sollte man sich nicht in seiner Materialsuche verlieren.

Bald geht es auch mit der Tischtennis-Bundesliga in Bad Königshofen los. Sind Sie Fan von Kilian Ort und Co?

Fan ist ein dehnbarer Begriff. Ich würde daher sagen, dass ich Fan vom Tischtennissport an sich bin, aber jetzt kein enthusiastischer Anhänger von Bad Königshofen. Aber ich finde es richtig stark, eine Bundesligamannschaft in der Region zu haben und natürlich waren wir auch schon vor Ort. Großartige Stimmung und großartiges Tischtennis, das ist schon geil.

A propos: Welchen Star der Szene hätten Sie gerne beim TV/DJK?

Timo Boll. Er ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild für eine ganze Generation an Tischtennisspielern. Er war dieses Jahr im Alter von 40 Jahren noch bei Olympia. Einfach ein großes Vorbild, das ich seit Jahren verfolge.

Bei Olympia wurde mal wieder die Überlegenheit der chinesischen Asse überdeutlich. Was macht die so stark?

Tischtennis ist in China Volkssport, es hat einen ganz anderen Stellenwert als bei uns. Mehr Fans, mehr Geld und viel mehr Spieler. In China wird bereits für ganz junge Spieler das Training absolut professionell aufgezogen. Das fängt bei uns in Deutschland erst viel später an. Und diesen "Vorsprung" aufzuholen, ist sehr schwer.

Sie kümmern sich seit Jahren auch um den Nachwuchs beim TV/DJK. Sind Sie ein Spieler, der mitunter wie ein Trainer denkt?

Jeder Spieler sollte ein bisschen wie ein Trainer denken. Tischtennis ist wahnsinnig taktisch und mental fordernd. Man muss bei jedem Match die Schwächen des Gegners ausfindig machen und versuchen, seine Stärken ins Spiel einzubringen. Bei unserem Sport ist es sehr selten, einen eigenen Trainier zu haben. Die Spieler coachen sich gegenseitig, daher ist jeder Spieler auch irgendwie ein Trainer.

Wo würden Sie Ihre pädagogischen Stärken verorten?

Ich würde sagen: Empathie. Tischtennis spielt sich sehr viel im Kopf ab. Ich kann mich gut in andere hinein versetzen und versuche so meinen Mannschaftskollegen gerade in schwierigen Spielen zu helfen.

Beim TV/DJK spielen die Volleyballer vor vielen Fans. Wird man da auch mal neidisch?

Zuschauer und Stimmung sind immer gut und motivierend. Ich schaue hin und wieder bei den Volleyballern zu, die Stimmung in der Halle ist überragend. Das würde man sich natürlich auch für den eigenen Sport wünschen.

Wie ist das bei Ihnen mit Zuschauern bei Tischtennis-Spielen? Was wäre so eine Rekordkulisse?

Wir haben schon den ein oder anderen treuen Zuschauer. Gerade bei Spitzenduellen in der Liga oder bei Relegationsspielen ist in der Halle was los. Für eine Rekordkulisse reichen bei uns 30 bis 40 Zuschauer aus. Die Grundschulturnhalle ist ja nicht so groß, da reicht auch eine geringe Anzahl für eine gute Atmosphäre.

Und wie war das mit der Tischtennis-Schule in Grenzau. Was haben Sie da alles erlebt?

Das ist für mich wie eine Woche Urlaub. Man hat zwei Trainingseinheiten am Tag mit Profi-Trainern, man lernt viel über sein Spiel und was man verbessern kann. Zudem ist das Essen im Hotel überragend. Frühs, mittags, abends ein großes Buffet und wirklich 1a-Qualität und Auswahl. Und abends wird mit den Kollegen ein Bierchen getrunken und eine Runde Risiko, Siedler oder Poker gespielt. Wirklich immer eine sehr gute Zeit!

Sie haben auch Fußball gespielt. Wird man da komisch angesehen, wenn man Tischtennis betreibt? Mitunter gegen deutlich ältere Spieler antritt?

Ich habe mir beim Fußball öfter mal Sprüche anhören müssen, bin teilweise sogar auf Unverständnis gestoßen. "Tischtennis kannste doch noch spielen, wenn du alt bist", hieß es dann zum Beispiel. Aber gestört hat mich das nicht. Und wenn sich doch mal ein Fußballer zu uns in die Halle verirrt hat, hat er schon nicht schlecht gestaunt, was da abgeht.

Sie heißen ja eigentlich Thomas...?

Ja, das weiß bloß kaum einer. Es kam eigentlich erst dann Verwunderung oder Verwirrung auf, wenn ein Mannschaftskollege auf den Spielbericht geschaut und sich gefragt hat, wer denn eigentlich dieser Thomas ist. Ich fand die Verwirrung um meinen Vornamen schon immer sehr amüsant. Und wenn ich ehrlich bin, höre ich eigentlich nur auf "Tom", bei "Thomas" fühle ich mich erst beim zweiten oder dritten mal angesprochen.

An wen spielen Sie weiter?

An Florian Thurn vom SC Diebach. Wir haben zusammen BWL studiert.