Steilpässe sind im Handball beliebte Mittel, um Konter einzuleiten. Insofern nimmt Simon Dietrich vom FC Bad Brückenau das Anspiel von Lara Mahlmeister mitten im Lossprinten für die neue Saison auf. Im Interview berichtet der 26-jährige Wasserversorgungstechniker, ob und wie er sich in den vergangenen schwierigen Monaten für die neue Saison fit halten konnte, warum diese einen langen Atem erfordert und was er von Handball auf dem Fußball-Rasen hält.

Herr Dietrich, wer hat Sie angespielt?

Simon Dietrich: Mich hat Lara Mahlmeister angespielt. Ich kenne sie aus der Jugend. Außerdem hatten unsere Eltern gemeinsame Bekannte.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

I ch habe mit sechs Jahren das Handballspielen in Bad Brückenau angefangen. Gleichzeitig habe ich Fußball beim 1. SV Römershag gespielt. Als ich älter wurde, habe ich mich vollständig auf das Handballspielen fokussiert und habe alle Jugendmannschaften durchlaufen. Anschließend habe ich mit 17 Jahren angefangen, in der 1. Mannschaft zu spielen. 2017 stiegen wir von der Bezirksliga in die Bezirksoberliga auf. Seitdem spielen wir in der höchsten unterfränkischen Klasse.

Können Sie uns schildern, wie Sie die vergangene Saison erlebt haben, die ja abrupt abgebrochen wurde?

Soweit ich mich noch erinnern kann, haben wir im Mai 2020 mit der Vorbereitung auf die Saison 2020/2021 angefangen. Die ersten Ligaspiele waren für Anfang Oktober 2020 angesetzt. Ende Mai - in der Zeit des ersten Lockdowns - mussten wir dann fünf Kilometer pro Woche joggen, um uns fit zu halten. Das hat sich dann von Monat zu Monat gesteigert. Zwischendurch mal sieben Kilometer pro Woche, dann zehn - bis es 15 Kilometer pro Woche waren. Anfang September durften wir wieder in die Dreifachsporthalle in Römershag, um mit richtigem Hallentraining anzufangen. Wir haben dort dann einen Monat lang dreimal die Woche trainiert. Anfang Oktober hatten wir unser erstes Spiel in Partenstein und eine Woche später ein Heimspiel gegen Rödelsee. Das Wochenende darauf wurde die Saison für pausiert erklärt.

Und wie haben Sie die folgenden Monate des nächsten Lockdowns überstanden?

Das war extrem schwer. Niemand wusste, wann es genau weiter gehen soll oder ob die Saison komplett ausfällt. Also haben wir uns im Lockdown durch Joggen und Krafttraining zuhause fitgehalten.

Können Sie jetzt wieder ganz normal trainieren? Wie ist das in der Halle geregelt?

Ja, zum Glück dürfen wir wieder in die Halle. Im Eingangs- und Ausgangsbereich müssen Masken getragen werden; Hände müssen beim Begehen und Verlassen der Halle desinfiziert werden. Die Trainingsgeräte - also das Tor und die Handbälle - müssen vor jedem Training ebenso desinfiziert werden. Wenn man sich krank fühlt, muss man daheim bleiben. Beim Training gibt es keine Beschränkungen. Da ist wieder alles erlaubt.

Sie freuen sich sicher auf die neue Saison. Glauben Sie, dass sie durchgezogen werden kann?

Die Freude hält sich zurzeit noch ein bisschen in Grenzen, wenn man sieht, wie sich die Corona-Lage in unseren Nachbarländern verändert. Aber ich hoffe, dass sich vielleicht die Lage hier in Bayern so hält, wie sie jetzt ist. Ob die Saison komplett durchgezogen wird, bleibt abzuwarten. Das entscheidet alles der Bayerische Handballverband.

Wie schätzen Sie die Liga in der neuen Saison ein?

Im Moment sind 14 Mannschaften für die Bezirksoberliga-Saison gemeldet, da es in der Saison 2019/2020 nur Aufsteiger und keine Absteiger gab. Normalerweise spielen nur zwölf Mannschaften in dieser Liga. Infolgedessen müssen zwei Teams mehr absteigen, also insgesamt fünf. Der Bayerische Handballverband hat vorgeschlagen, die Liga in zwei getrennte Staffeln aufzuteilen, mit jeweils sieben Mannschaften. Die Absteiger beziehungsweise Aufsteiger werden in Relegationsspielen entschieden. Ob das alles so umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Es wird auf jeden Fall ziemlich schwierig, in dieser Liga die Klasse zu halten.

Früher wurde ja viel öfter draußen, auf dem grünen Rasen, Handball gespielt, weniger in der Halle. Wäre das keine Alternative für Sie, um einem gewissen Corona-Risiko aus dem Weg zu gehen?

Ab und zu haben wir ein paar Passübungen draußen gemacht, aber so richtig spielen oder Training machen konnte man auf dem Rasen nicht. Da haben dann die Tore und die Spiellinien gefehlt. Das Prellen mit dem Ball auf der Wiese ist auch komplett anders als in einer Halle.

Die Corona-Krise hat vielen Vereinen einen Mitgliederschwund beschert, besonders im Jugendbereich. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Im Jugendbereich sieht es bei uns eigentlich ganz gut aus. Ich denke, die Jungs und Mädels sind froh, wenn sie sich zusammen ein bisschen bewegen und spielen dürfen. Im Herrenbereich ist es so, dass einige noch im "Corona-Trott" sind und erst wieder richtig zurückfinden müssen. Manche sind auch wegen der Arbeit vorsichtig, da sie berufliche Verantwortung tragen und sich eine Coronainfektion nicht erlauben dürfen.

Ist es schwierig, wieder reinzukommen, wenn man monatelang keinen Handball mehr gespielt hat?

Mir persönlich fällt es ziemlich schwer. Durch die Coronapause hat man doch mehr auf der faulen Haut gelegen als sonst und nimmt ein paar Kilos zu. Die Schrittabfolgen, Pässe, Spielzüge, Ballgefühl und Spielverständnis verlernt man dann doch nach so einer langen Auszeit.

An wen spielen Sie weiter?

Ich spiele weiter an Segelflieger Dirk Stumpe. Ich kenne ihn durchs Handball; er ist unser Abteilungsleiter für den Bereich. Auch persönlich habe ich schon viel mit ihm erlebt.

Steilpass-Regeln: Das Spielfeld haben wir deutlich breiter gesteckt. Der Spieler muss lediglich aus dem Landkreis Bad Kissingen kommen oder dort aktiv sein. Und zwar nicht zwangsläufig als Fußballer. Jeder Sportler und jede Sportlerin darf angespielt werden. Abwechslung ist angesagt!