Für Theo Dijkman war es eine extreme Herausforderung. Mitunter eine Quälerei. Also genau so, wie es sich der Niederländer gewünscht hatte. "Ich bin ganz begeistert. Das war richtig schwer, aber auch wunderschön, familiär und super organisiert", sagt der 56-Jährige nach seiner ersten Teilnahme bei Rhön300. Und findet es immer noch witzig, dass er mehrmals auf den Bericht angesprochen wurde im Vorfeld dieser Radsport-Veranstaltung. "Du bist doch der Niederländer aus der Zeitung", hat mir jemand während des Rennens zugerufen", lacht Dijkman.

Für die etwas mehr als 300 Kilometer und 5000 Höhenmeter saß der selbstständige Gärtner aus Gendringen im niederländisch-deutschen Grenzgebiet knapp zwölf Stunden im Sattel. "An den Verpflegungsstellen bin ich kurz vom Rad, habe etwas getrunken und einen Riegel gegessen, dann ging es gleich weiter. Ich wusste ja nicht, wie lange ich brauche. Und es hätte regnen können."

Diese Steigung kostet Körner

Vor allem die letzte große Steigung 50 Kilometer vor dem Ziel - von Heiligkreuz in Richtung Detter - hatte Körner gekostet. "Das war echt hart, aber das gehört dazu. Außerdem hat mir die Umgebung richtig gut gefallen", so Dijkman, der oft alleine unterwegs, hin und wieder aber auch in Begleitung unterwegs war. "Die einen sind mir zu schnell gewesen, die anderen zu langsam. Ich wollte aber mein eigenes Tempo fahren. Sonst kommt irgendwann der Mann mit dem Hammer."

Am Sonntagmorgen ging es für Theo Dijkman ausgeruht zurück in die Heimat, mit vielen schönen Erinnerungen im Gepäck. "Gut möglich, dass ich im nächsten Jahr wiederkomme, vielleicht mit ein paar Kumpels von meinem Verein, den Grenslandrijders. Dann macht das noch mehr Spaß."

Es geht weiter

Ein nächstes Mal wird es schließlich geben, am 6. August 2022, auch wenn Peter Baumgart kurz davor war, die Brocken hinzuschmeißen. "Ich wollt's ja eigentlich nicht mehr machen, aber was soll ich machen...?! Die wollen ja wieder kommen", hatte der 65-Jährige samt Lach-Smiley via Facebook geschrieben. Auch für den Veranstalter ist die Rhön300 eine Herausforderung, gerade in Zeiten der Pandemie mit all ihren behördlichen Auflagen. "Aber es hat alles super geklappt. Auch von Seiten der Polizei gab es sehr positives Feedback. Die Streckenführung wurde ebenfalls gelobt", freut sich der Schondraer.

Der Schnellste über die Langdistanz war nach zehn Stunden und 20 Minuten im Ziel, der letzte Teilnehmer sollte fünf Stunden länger benötigen. Nicht überraschend, dass aufgrund des hohen Energieverbrauchs die Verpflegungsstationen quasi leergefuttert waren. Allein im Rhön-Dorf Wendershausen bei Tann wurden für die Pedaleure 25 Kilogramm Nudeln gekocht. Etwas Warmes für den Magen bei angenehmen Temperaturen gab es zudem auf dem Wanderparkplatz bei Wittershausen. Und natürlich im Ziel am Schondraer Sportplatz, wo ein Caterer schon ab 4 Uhr morgens Frühstück für die Sportlerinnen und Sportler serviert hatte und wo die Finisher von Moderator Jürgen Kunkel empfangen wurden.

200 Übernachtungen

"Wichtig war, dass es keine Verletzten gab. Einige wenige mussten aufgeben, aber passiert ist nichts", freut sich Peter Baumgart, der sich mit seinem Team noch am Samstag an den Abbau machte. "Am Sonntagmittag war fast alles erledigt. Es hat mich vor allem gefreut, dass keine Schilder entwendet wurden", so der Veranstalter, der auch auf den wirtschaftlichen Faktor von Rhön300 hinwies angesichts der 200 Übernachtungen der Teilnehmenden. Die waren schließlich aus ganz Deutschland gekommen, um eine der vier Strecken durch die Rhön in Angriff zu nehmen. Theo Dijkman war einer von zwei Niederländern, auch ein Belgier hatte für internationales Flair gesorgt.

Lesen Sie hierzu auch Ein Niederländer will das Land der offenen Fernen erobern

Natürlich durften die "Local Heroes" nicht fehlen vom Team Bike World Brand, von Heikos Radschuppen (Hammelburg) oder dem Team Schwarze Berge. Kurzfristig absagen musste Titelverteidiger Jens Schuhmann (Bikeworld Brand), aber als offiziell "touristische Ausfahrt", spielte die Zeit nur für den privaten Gebrauch eine Rolle.

Eine Panne mit Humor genommen

Sein ganz persönliches Abenteuer im Land der offenen Fernen erlebte Jochen Rittler, dem kurz nach dem Start der Schaltzug im Schalthebel gerissen war. Notgedrungen ging es, im größten Gang, nach Bischofsheim, zu Sport Walter mit seiner Radsportabteilung. Peter Baumgart hatte den Tipp gegeben. "Noch vor Ladenöffnung habe ich einen Rennradfahrer gesehen, der ganz offensichtlich Hilfe brauchte", erzählt Nicolas Schmiedel, der sofort Hand anlegte - und auf ein unerwartetes Problem stieß.

"Die Reparatur ist eigentlich keine große Sache. Aber dem Fahrer war dieses Malheur mit dem gleichen Rad zuletzt in Thailand passiert, und da wurde ein Teil eingebaut, das nicht exakt gepasst hat. So wurden aus fünf Minuten eine Stunde", so der Inhaber. Mittelfranke Rittler nahm's mit Humor und machte mit seiner GoPro-Kamera ein paar Aufnahmen von dieser speziellen Rettungsaktion, ehe sich der Fürther wieder auf seine 230 Kilometer-Runde machen konnte. Bezahlt wurde übrigens mit geliehenem Geld. "Der Jochen hatte ja nichts dabei, da habe ich ihm 50 Euro in die Hand gedrückt", schmunzelt Peter Baumgart, der für "seine" Fahrer eben alles macht.