"Ich mag es, wenn es bergig ist und ordentlich Höhenmeter gibt", sagt mit Theo Dijkman ausgerechnet ein Niederländer. "Bei uns ist es ja meist flach, aber ich liebe nun mal die Herausforderung", schiebt der 56-Jährige nach, der mit Vorfreude, aber auch Respekt vor den 300 Kilometern in die Rhön fährt. "Ich hoffe, ich schaffe die Distanz, ohne ganz kaputt zu sein", sagt der selbstständige Gärtner, der das Abenteuer an diesem Samstag nicht unvorbereitet angeht. Bis zu 1200 Kilometer beträgt das monatliche Pensum des Niederländers, der auch schon mal das Amstel Gold Race oder Rund um den Henninger Turm gefahren ist mit Strecken deutlich über 200 Kilometer. "Hoffentlich spielt das Wetter einigermaßen mit", wünscht sich Theo Dijkman, der für die "Grenslandrijders" fährt, einem Verein mit etwa 70 Mitgliedern.

Etwa 400 Kilometer sind es von Gendringen, wo der 56-Jährige lebt, bis nach Schondra, weshalb vor und nach dem Rennen eine Übernachtung eingetaktet ist. Das Gesellige soll schließlich nicht zu kurz kommen. Schon einmal wollte der Niederländer bei Rhön300 dabei sein, da war allerdings das Starterfeld bereits voll. "Als die Ausschreibung kam, habe ich mich daher sofort angemeldet", so Dijkman, der mit der Startnummer "2" auf die Langdistanz mit ihren 5000 Höhenmetern geht, deren Profil der Niederländer bislang nur aus dem Internet kennt.

"400 Teilnehmer sind es insgesamt auf den vier Strecken, und damit 30 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Unsere Veranstaltung ist in den Köpfen der Leute angekommen", freut sich Veranstalter Peter Baumgart, der seit Tagen mit seinem Team auf Achse und am organisieren ist. "Da ist viel Routine dabei, zumal die Strecken fast gleichgeblieben sind. Nur auf der Einsteiger-Runde über 100 Kilometer haben wir nachgebessert, die ist jetzt etwas einfacher."

Auf der Königsdistanz über 300 Kilometer, die auch durch die hessische und thüringische Rhön führen, gibt es sechs Verpflegungsstationen, zweimal sogar mit einem warmen Essen. Nach 40 Kilometern können die Energie-Reserven erstmals, nach 240 Kilometern letztmals aufgefüllt werden. Fast ausschließlich nutzen die Pedaleure offizielle, aber verkehrsarme Straßen. Aufgrund von Corona-Auflagen mussten die Veranstalter den Massenstart streichen, stattdessen wird ab 6 Uhr in der Früh am Sportgelände der DJK Schondra in kleinen Gruppen gestartet.

Eine Ausfahrt ohne Zeitmessung

Da es sich im offiziellen Sprach-Jargon um eine touristische Ausfahrt handelt, gibt es keine Zeitmessung. Dennoch besitzen die Teilnehmer auf ihren Startnummern einen sogenannten RFID-Chip. "Das dient ausschließlich der Sicherheit, damit wir wissen, wer wann und wo unterwegs ist", sagt Baumgart. Nur eine Hürde müssen die Ausdauer-Spezialisten im Blick haben: "Der letzte Kontrollpunkt in Oberthulba muss um 17 Uhr erreicht sein, sonst wird man über die B27 auf der 235 Kilometer-Strecke ins Ziel gelotst", weiß Baumgart.

Schnellster im Vorjahr war nach seinem phänomenalen Soloritt Jens Schuhmann vom Team Bikeworld Brand, der bei Bruthitze nach zehn Stunden und 40 Minuten über die Ziellinie rollte und der auch diesmal am Start ist. Vielleicht hat der Wildfleckener als Lokalmatador ja ein paar Tipps parat für Theo Dijkman, damit der mutige Niederländer im Land der offenen Fernen nicht mehr als nötig leidet.