Hammelburg Volleys - TSV Mimmenhausen 0:3 (23:25; 15:25, 31:33).

Was wäre gewesen, wenn? Wenn die Hammelburg Volleys einen ihrer vier Satzbälle im 3. Satz genutzt hätten? Zum Beispiel, nachdem Mimmenhausens Christian Pampel seine Angabe kläglich ins Netz gesetzt hatte, was die Volleys 27:26 nach vorne brachte. Dann hätten die Gastgeber vielleicht die Wende geschafft und der frühere vielfache Nationalspieler wäre der tragische Held gewesen. So aber gewann Pampels TSV ein Spiel, in dem die Hammelburger zu spät die passenden Mittel fanden.

Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz in der 2. Bundesliga: Wenn Christian Pampel einen Sahnetag erwischt, wird es schwer, gegen ihn und den TSV Mimmenhausen anzukommen. Und der 42-Jährige erwischte einen Sahnetag.

Noch nicht so im 1. Satz, der anfangs recht ausgeglichen verlief. Den Volleys gelang sogar zweimal eine schmale Führung (4:2; 11:9), auch weil der Block gegen Pampel stark parierte. Aber auch die Mimmenhausener blockten vor allem die Hammelburger Diagonalangreifer Severin Hauke und Moritz Rauber öfter weg, als die es gewohnt sind.

Als die TV/DJKler beim Stand von 14:16 einmal diagonal und einmal aus der Mitte zu weit schmetterten, konnten die Gäste sich erstmals um vier Punkte absetzen.

1. Satz nur knapp in der Crunchtime verloren

Zwar konnten die Gastgeber den Rückstand auch dank harter risikovoller Rauber-Aufschläge ausgleichen (22:22); aber das psychologische Moment blieb auf Seiten Mimmenhausens. Die Maßnahme von Trainer Thiago Welter, Marian Epple beim Stand von 23:24 als den besseren Aufschläger einzuwechseln, verpuffte. Christian Pampel finalisierte, traf bei seinem kraftvollen Schlag noch einen Hammelburger; eventuell wäre der Ball ohne dessen Berührung ins Aus geflogen.

Was nun im 2. Satz folgte, war - ein Desaster. Ehe sie sich's versahen, lagen die Gastgeber mit 0:8 zurück. An mindestens vier dieser Punkte war Pampel direkt beteiligt, sei es über den Block oder weil er den Ball clever am gegnerischen Block vorbeilegte. Erst eine Fehlangabe ins Netz von Pascal Zippel beendete die Mimmenhausener Serie.

Den Hammelburg Volleys gelang es in der Folge, den Rückstand in etwa gleichzuhalten. Laurentiu Vinatoru war für Hannes Krochmann auf der Zuspieler-Position gekommen, später Janick Sill für Oscar Benner. Doch die Gäste blieben gut eingestellt auf die Angriffe, die meist auf die Außen gespielt waren und zu selten über die Mitte kamen. Dabei offenbarte Mimmenhausens Verteidigung gerade dort Schwächen. Hinzukamen zum Ende des Satzes hin einige Aufschlagfehler auf Hammelburger Seite, die ein Herankommen zusätzlich verhinderten.

Auch den finalen Satz verschliefen die Gastgeber etwas. Schnell lagen sie 1:6 zurück. Dabei offenbarte sich auf Mimmenhausener Seite besonders ein Erfolgsmuster des Abends. Nach abgefangener Angabe oder abgewehrtem Angriff der Hammelburger stellte Zuspieler Federico Cipollone mehr oder weniger genau auf Christian Pampel - und der machte fast immer etwas daraus. "Oh, ist der g...l", schallte es nach seiner erfolgreichen Aktion zum 7:10 durch die Halle.

Doch anders als im 2. Satz gaben die Volleys nicht auf. Sie kämpften sich ins Spiel zurück. Etwa ab der Mitte des dritten Abschnitts schafften sie es besser, Pampel und die anderen TSVler zu blocken. Auch, dass Trainer Welter Oscar Benner aus der Mitte auf seine angestammte Diagonal-Position beorderte, zahlte sich aus. Als ein Mimmenhausener Moritz Raubers Angriffs-Aufschlag nur an die Decke lenken konnte, stand es 19:19. Alles war wieder offen.

Und das blieb es bis zu Schluss. Beide Mannschaften erarbeiteten sich Satzbälle. Am nahesten dran, den 3. Satz "zuzumachen", war wohl Oscar Benner. Beim Stand von 30:29 musste er nur noch den Ball in der gegnerischen Hälfte unterbringen, schlug ihn aber ins Netz. Dass er danach "zusammenbrach", sagte alles.

Der Ur-Hammelburger war es auch, dem beim Stand von 31:32 ein Schmetterball zu weit geriet. Was den Spielgewinn für den TSV Mimmenhausen bedeutete. Dennoch: Die rund 50 Zuschauer in der Saaletalhalle würdigten dieses turbulente Finale mit viel Beifall.

Konzentrationsaufgaben für junge Spieler

Chriatian Pampel, der logischerweise MVP wurde, war froh, "dass die Hammelburger im 3. Satz nicht mehr ins Spiel zurückgefunden haben. Wer weiß, wie es dann ausgegangen wäre." Auch logisch, dass der 212-fache Nationalspieler nicht sich, sondern die Leistung seiner gesamten Mannschaft heraushob. Sie habe vor allem im 1. Satz durch gute Blockarbeit brilliert und die Außen der Volleys nicht zum Zuge kommen lassen.

Hammelburgs Headcoach Thiago Welter zog ein ähnliches Fazit wie beim Auswärtsspiel in Schwaig. Man müsse die Erfahrung aus diesem Spiel mitnehmen, um es nächstes Mal besser zu machen.

Seinen jungen Spielern wollte Welter im Training weiterhin verstärkt Konzentrationsaufgaben aufgeben, wahrscheinlich als Reaktion auf die verschlafenen Startphasen des 2. und 3. Satzes.