Berlin also. Als ob die Hammelburger nicht oft und weit genug unterwegs wären in Sachen Volleyball. Aber die 2. Bundesliga fordert den Verein auch neben dem Feld, ganz besonders in Corona-Zeiten. "Alle Bundesligavereine kämpfen mit den Auswirkungen der Pandemie", sagt Olly Wendt, der gemeinsam mit Frank Jansen vor Ort war bei der zweitägigen Konferenz der Volleyball Bundesliga (VBL), bei der sich Ligavorstand, Aufsichtsrat und die Vertreter aller Erst- und Zweitligaclubs in Deutschland trafen. Neben den Aufsichtsratswahlen und der Verabschiedung eines Masterplanes, seien es laut Wendt vor allem die wertigen Gespräche auf den Fluren und an der Hotelbar gewesen, die interessante Einblicke in das derzeitige Seelenleben einer aufgewühlten Liga vermittelt hätten.

"Alle Vereine nehmen eine deutliche Zurückhaltung der Zuschauer wahr, die mit teilweise dramatischen Einnahmeverlusten einhergehen", berichtet Frank Jansen. Umso schwerer realisierbar ist damit der Anspruch, Volleyball in Deutschland aus seinem Nischen-Dasein zu holen. Während sich die 1. Bundesliga der Frauen, die in Deutschland hohe Popularität genießt, weniger Gedanken machen muss, wollen sich die Männer-Teams neue Zielgruppen erobern, zum Beispiel mit der Streaming-Plattform Twitch und dem Projekt "Bouncehouse". Das hehre Ziel: Volleyball soll Schritt für Schritt Deutschlands interaktivste Sportart werden. In den zweiten Ligen ist das - nicht zuletzt für Sponsoren attraktive - Livestreaming seit dieser Saison verpflichtend.

Ein nachvollziehbarer Vorstoß

Ein Vorstoß der Liga, den Hammelburgs Verantwortliche goutieren, "auch wenn wir lernen mussten, das Streaming nicht als Konkurrenz zum Livepublikum, sondern als echte Chance zu sehen", so Jansen. Liveinterviews, Spielzusammenfassungen oder Werbeclips sollen bei allen Vereinen mittelfristig zum Standard gehören, auch wenn die Personalressourcen begrenzt sind.

"Wir haben uns Volleytainment auf die Fahnen geschrieben und müssen derzeit die Situation ertragen, unseren Sponsoren und Partnern, all denen, die unser tolles Bundesliga Projekt ermöglichen und finanzieren, derzeit wenig Programm bieten zu können", spricht Wendt das aktuelle Dilemma an.

Geisterspiele, eine reduzierte Zuschauerkapazität, der Wegfall der 10-Minuten-Pause für kleinere Showeinlagen oder Sponsorenpräsentationen, all das muss wohl noch länger auf sich warten lassen. Doch bei allen Unwegsamkeiten möchte der Teammanager der Volleys aber eines nicht unerwähnt lassen: "Uns erfüllt mit Stolz, dass sich unsere Jungs in bemerkenswerter Unaufgeregtheit seit Jahren sportlich auf Top-Niveau befinden."

Entsprechend deutlich formuliert ist die Zielvorgabe der Volleys (1./17) für das Heimspiel am Samstag gegen die TG Mainz-Gonsenheim (13./6), die einen enttäuschenden Start in die Saison hingelegt hat. Von bisher acht Begegnungen, konnte das Team von Spielertrainer Manuel Lohmann erst zwei für sich entscheiden. Aufhorchen ließen die Rheinland-Pfälzer allerdings vor zwei Wochen mit dem überraschend klaren 3:0-Erfolg gegen Leipzig. Zwar konnten die Mainzer mit der Rückkehr ihres erstligaerfahrenen Zuspielers Torben Tidick-Wagner vor der Saison ein spektakuläres Comeback verkünden, können auf ihren versierten Ballverteiler aber aus beruflichen Gründen bisher nur sporadisch zugreifen. Den leichten Aufwärtstrend möchte der Tabellenführer aus der Saalestadt allzu gerne gleich im Keim ersticken.

2G-Regelung für die Fans

Da in der Saaletalhalle die 2G-Regelung Anwendung findet, haben nur geimpfte und genesene Zuschauer Zutritt ins "Wohnzimmer", in dem eine FFP2-Maske getragen werden muss. Auch Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren müssen genesen oder geimpft sein, während Kinder unter zwölf Jahren von allen Regelungen ausgenommen sind. Zwar gibt bis zum 31. Dezember eine Ausnahmegenehmigung für Zwölf- bis 17-Jährige, diese bezieht sich aber nur auf Jugendliche, die aktiv am Spielbetrieb teilnehmen. "Somit fallen auch unsere Ballroller unter die 2G-Regelung", benennt Teammanager Olly Wendt nur eine organisatorische Hürde vor dem Heimspiel gegen den Tabellenvorletzten.

Anstatt sich also endlich mal auf das Sportliche zu fokussieren, befindet sich das Orga-Team der Volleys also weiterhin im Krisenmodus: "Zugegeben ist das manchmal frustrierend, weil der organisatorische Aufwand seit nunmehr fast zwei Jahren mehr als doppelt so hoch ist", so Wendt.